Amazing Botswana

Nach der üblichen Verspätung bei der Deutschen Bahn und einer polizeilichen Ermittlung (milde ausgedrückt: es handelte sich um eine Festnahme) im Zug erreiche ich den Frankfurter Flughafen. Als ich im Airbus der South African Airways Richtung Johannesburg sitze überkommen mich die ersten Urlaubsgefühle. Endlich geht es wieder in die Ferne! Und zum ersten Mal geht es ins Südliche Afrika. Mein Ziel heißt Botswana. Das afrikanische Flugpersonal versprüht eine Menge gute Laune und die knapp 11 Stunden Flug sind im Nu überstanden. Nach zwei unproblematischen Umstiegen erreiche ich nach gut 17 Stunden Kasane. Dort werden wir (das sind rund 50 Mitarbeiter von europäischen Reiseveranstaltern und der Presse) von den Mitarbeitern des Botswanischen Fremdverkehrsamtes herzlich und mit einem kühlen Wasser in Empfang genommen. Bei einem Temperaturunterschied von 25 Grad kommt dieses sehr gelegen. Nachdem jeder sein Gepäck hat fahren wir in unsere erste Unterkunft. Die Mowana Safari Lodge & Spa liegt nur wenige Fahrminuten vom winzigen Flughafen entfernt.

Am Abend treffen wir auf ca. 40 weitere Touristiker, die schon seit ein paar Tagen in Botswana verweilen und bereits die unterschiedlichen Regionen Botswanas auf vielfältigen Reisen kennengelernt haben. Die nächsten zwei Tage stehen ein Workshop und eine Messe für alle 90 Teilnehmer auf dem Programm. Auf interessanten Vorträgen erhalten wir bereits einen ersten Eindruck von Botswana, erfahren nützliche Infos zu Flora und Fauna, können detaillierte Fragen stellen und lernen die örtlichen Partner kennen, deren Kontakt bis dahin nur aus Telefonaten oder E-Mails bestand. Diese zwei informativen Tage vergehen wie im Fluge und während ein Teil der Touristiker jetzt wieder nach Hause fliegt, geht für unseren Teil der Gruppe das Abenteuer los. Aufgeteilt in kleine Gruppen von max. 3-6 Personen machen wir uns mit den unterschiedlichen örtlichen Agenturen auf den Weg. Ich bin mit Desert & Delta Safaris unterwegs und mit mir Walter, unser Guide, Audrey, Gioacchino, Franzi, Juliane und Steffi.

 

Wenn ich gewusst hätte, wie viele Tiere, eindrucksvolle Landschaften, bezaubernde Menschen, gutes Essen und Spaß, mir in den nächsten sechs Tagen begegnen – ich hätte es nicht glauben können. Aber der Reihe nach:

Mit einem offenen Jeep machen wir uns am Morgen auf den Weg zur Chobe Game Lodge. Hier steht eine erste kurze Inspektion an. Ich bin überrascht, dass mitten im Nichts eine so tolle Unterkunft steht. Ich stehe das erste, aber bestimmt nicht das letzte Mal auf dieser Reise mit offenem Mund da. Auf dem Rückweg zur Immigration in Kasane kreuzt uns eine Herde Elefanten. Wow wow wow, meine ersten Elefanten außerhalb des Zoos. Ein tolles Gefühl. Die erste Nacht werden wir in der Chobe Savanna Lodge, auf der anderen Seite des Chobe-Rivers verbringen. Dieser Teil gehört zu Namibia und daher müssen wir uns kurz in Botswana „abmelden“J. Mit dem Boot geht es von der Immigration direkt zur anderen Fluss-Seite. Am Ufer entdecken wir Elefanten, Flusspferde und Krokodile. Das Gefühl die Tiere in freier Wildbahn zu sehen ist unbeschreiblich und einfach grandios. Nach gut einer Stunde kommen wir an der Lodge an. Wir werden mit einem breiten Grinsen, freundlichen Worten und guter Laune begrüßt. Nach einem schmackhaften Lunch entschließen wir uns, fischen zu gehen. Bis auf Walter, unseren Guide ist es für uns alle das erste Mal und ich bin erstaunt wie viel Spaß Fischen macht. Bis auf Franzi stehen wir alle mit leeren Händen da – wir müssen uns eingestehen – in freier Natur wären wir aufgeschmissen und müssten heute hungern. Aber Walter wäre nicht Walter wenn er nicht gewusst hätte, dass wir alle kläglich scheitern. Und so zaubert er wie aus dem Nichts kleine Snacks und eiskalte Getränke. Es fängt an zu gewittern und ein wohliger Geruch steigt mir in die Nase! Umgeben von zahlreichen Blitzen und atemberaubenden Lichtspielen erlebe ich meinen ersten Sonnenuntergang vom Boot aus, mit dem Geruch von afrikanischem Regen in der Nase und einen Gin Tonic in der Hand. Wir sind alle hin und weg und fahren glücklich zurück zur Lodge. Nach einem gelungenen Abendessen mit Live-Musik und Tanz lassen wir den Abend gemütlich ausklingen.

Am nächsten Tag werden wir früh geweckt, denn wir haben schließlich einiges auf dem Programm stehen. Kurze Bootsfahrt, Ausreise aus Namibia, Einreise nach Botswana, letzte Besorgungsmöglichkeiten für die nächsten 5 Tage, Fahrt zum Flughafen nach Kasane und Flug zum Savute Airstrip. Unser heutiges Ziel heißt Savute Safari Lodge, gelegen im Chobe Nationalpark. Der Flug in dem kleinen (9 Plätze inkl. Pilot und Co-Pilot) aber modernen Buschflieger geht problemlos über die Bühne und nach gut 40 Minuten erreichen wir den Savute Airstrip. Wir werden wieder freundlich empfangen und ein Jeep bringt uns zur Lodge. Nach einer kurzen Erfrischung geht es auf meinen ersten Game Drive an Land. Keine 30 Minuten später sehe ich meinen ersten Löwen, ein ziemlich geschwächtes Weibchen, welches in den nächsten Tagen zu sterben droht, wie Walter uns erklärt. Diese „Grande Dame“ war eine der Darstellerinnen im Dokumentarfilm „Unsere Erde“ und ihre Zeit scheint gekommen zu sein. Sie ist relativ weit von uns entfernt und ich denke insgeheim: „Das ist noch ausbaufähig.J“ Nach ca. zwei Stunden Entdeckungsfahrt und einigen Impalas, Elefanten mit Jungen, Giraffen, Gorros und Zebramangusten später, öffnet sich vor unseren Augen eine „Oase“. Die Mitarbeiter der Lodge haben mitten im Busch eine kleine Bar mit unserem allseits beliebten Gin Tonic und kleinen Köstlichkeiten hergerichtet. Nach einer dreistündigen Fahrt auf holprigen Pisten genau das Richtige. Wir erleben wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang und ein toller Tag neigt sich dem Ende. Zurück in der Lodge genießen wir leckeres Essen und beim gemeinsamen Feuer blicken wir dem nächsten Tag freudig entgegen.

Nach einer kurzen aber geruhsamen Nacht und einem Frühstück machen wir uns wieder auf in den Busch. Sind wir alle anfänglich noch sehr müde, so schafft es Mod, unser einheimischer Guide und Fahrer von der Savute Lodge uns mit seinen italienischen Sprach- und Liedkenntnissen wieder zu vollem Leben zu erwecken J Wir sitzen italienisch singend im Jeep und durchstreifen den Busch. Von außen betrachtet ein verrückter Haufen. Durch unseren mitreißenden Gesang fühlen sich wohl auch einige Tiere angesprochen… Wir entdecken Wildhunde – und die Euphorie ist groß. Für mich als Afrika-Neuling echt spannend und für die Afrika-Kenner ein echtes Highlight. Ich erfahre von meinen Mitreisenden dass dies eine echte Besonderheit ist. Das Glück ist mal wieder auf meiner Seite. Und da bleibt es auch erst einmal, denn kurze Zeit später erblicke ich meinen ersten männlichen Löwen in freier Wildbahn. Respekt denke ich mir und mein Wunsch von gestern einen Löwen näher zu sehen hat sich erfüllt. Nachdem wir noch Elefanten und Giraffen beim Fressen und Baden beobachtet haben geht es Richtung „Flughafen“. Unsere Gruppe wird geteilt und Juliane, Franzi, Walter und ich fliegen mit dem kleinsten Flieger der Flotte, einer Cesna aus den 80er Jahren Richtung Camp Moremi. Beim Start habe ich das Gefühl ich sitze mit meinem Po auf der Rollbahn, aber der Flug macht eine Menge Spaß und ist nach 10 Minuten leider schon vorbei. Am Nachmittag begegnen uns wieder eine Menge Tiere – von Affen über Zebras ist alles dabei. Doch eine Begegnung wird mir ganz besonders in Erinnerung bleiben – Auge in Auge mit einem Leoparden. Eins kann ich Euch verraten: Ich hatte noch nie in meinen Leben eine solche Angst. Wir erspähen zwei Leoparden ca. 150 Meter von uns entfernt und einer der beiden überlegt sich mit einem kleinen Schlenker auf uns zuzukommen. Gerade in dem Moment neigt sich der Akku meiner Kamera dem Ende und ich muss in meiner Tasche wühlen. Ich höre nur unseren Guide sagen: „Don´t move!“ und der Leopard kommt immer näher auf uns zu und ich sitze meiner Sitznachbarin Audrey nassgeschwitzt und eines Herzinfarkts nahe quasi auf dem Schoss. Ca. 2-3 Meter vor uns überlegt sich das gute Tier doch wieder umzukehren und ich brauche jetzt erst einmal eine Zigarette + Gin Tonic J. Zurück in der Lodge feiern wir den internationalen Welt-Aids-Tag und die Mitarbeiter der Lodge berühren uns mit ihrem Tanz, Gesang und aufklärenden Reden. Botswana hat mich!

So bewegend wie der letzte Tag geendet hat, so bewegend fängt der nächste Tag an. Wir entdecken eine Löwen-Familie und können diese eine lange Zeit lang beobachten. Heute sehe ich zum ersten Mal eine Python, die gerade ein Baby-Impala verspeist hast – so wie Walter vermutet. Eins steht fest: Irgendwas Großes hat sie gefressen – denn ihr Körper ist in der Mitte doch etwas breiter als der Rest. Heute fliegen wir zur Xugana Island Lodge, im Herzen des Okavango Deltas gelegen. Dort angekommen fahren wir mit dem Boot zur Lodge, anders ist diese nicht zu erreichen. Die Landschaft ist hier komplett anders und die unterschiedlichen Grüntöne der Pflanzen zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Nach der Begrüßung des netten Teams steht eine Mokoro-Fahrt (Einbaum-Boot) auf dem Programm. Zu Zweit gleiten wir in der schmalen „Nussschale“ auf dem Delta und ich habe noch nirgendwo anders auf der Welt eine solche Ruhe und Zufriedenheit gespürt. Von mir aus könnte es die nächsten 8 Stunden so weitergehen. Wäre da nicht Audrey, unsere liebenswerte verrückte Französin, die sich spaßeshalber vor Walters Kamera in Pose wirft. Uns bleibt nichts anderes übrig sie als  Glamour Queen of the Okavango Delta zu küren.

Am nächsten Morgen unternehmen wir eine erlebnisreiche Wanderung und fliegen weiter zur unserer letzten Unterkunft, Leroo La Tau im Makgadikgadi Pans Nationalpark. Nun sehen wir auf unserem Game Drive mal eine andere Seite der Natur, abgefressene Bäume von den Elefanten und zahlreiche Tierkadaver. Vielleicht auch mal gut zu sehen, dass dies genauso dazu gehört wie die schönen Seiten, welche wir bis dahin ausschließlich gesehen haben. Unseren letzten Abend lassen wir bei einem leckeren Essen ausklingen und entscheiden gemeinsam morgen früh aufzustehen um unseren letzten gemeinsamen Game Drive zu unternehmen. Diesen müssen wir leider nach gut einer Stunde abbrechen, weil es auf den letzten Meter noch richtig anfängt zu regnen und wir nach kurzer Zeit klatschnass sind. Da wir alle eine ca. 20-stündige Rückreise vor uns haben, wollen wir vorher wenigstens nochmal unter die Dusche springen und uns trockene Kleidung anziehen. Wir fliegen zurück nach Maun, treffen auf die anderen 45 „Kollegen“ und verabschieden uns von unserem einmaligen Guide Walter. So viel Lautstärke bin ich nicht mehr gewöhnt und es dauert etwas bis ich damit klar komme. Natürlich hat jeder eine Menge zu erzählen und es ist schon lustig zu beobachten, dass die Geräuschkulisse im Flieger auf dem Hinweg bedeutend leiser war…

Nach einem Stopp in Johannesburg geht es weiter zurück nach Frankfurt. Wir verabschieden uns alle voneinander und eine intensive, erlebnisreiche & fantastische Woche ist zu Ende. Leider!

Wer sich ebenfalls von der landschaftlichen Vielfalt, den Tiererlebnissen und beeindruckenden Menschen verzaubern lassen will hat natürlich auch bei Wikinger Reisen die Möglichkeit dazu. Bei fast allen unseren Touren werden zusätzlich die Victoria-Fälle besucht und wir legen die Strecken zwischen den Lodges auf dem Landweg zurück. Wikinger-typisch werden Aktivitäten wie Wanderungen, Radtouren oder Bootsfahren angeboten.

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