Auf dem Weg zu den Baumriesen in Kanada

„Die Bäume tragen den Himmel. Wenn sie gefällt werden, wird das Firmament auf uns fallen“. -Indianisches Sprichwort- Der temperierte Regenwald ist das größte Nutzholzreservoir der Erde und gleichzeitig eine der seltensten Waldformen unseres Planeten. In Mitteleuropa sind diese Urwälder zerstört, aber im Westen Kanadas gibt es sie noch: Seit Urzeiten unveränderte Märchenwälder, botanische Wunderwelten mit einer einzigartigen Artenvielfalt. Obschon nur noch 25 % dieser temperierten Regenwälder weltweit übrig sind, werden an der Westküste Kanadas weitere riesige Flächen bisher intakter Wälder für die Holzindustrie und den Bergbau frei gegeben.  Gemeinsam mit der deutsch – kanadischen Stiftung „Wilderness International“ kämpft Wikinger Reisen für den Erhalt der letzten temperierten Regenwälder dieser Erde.

Anflug auf den "Wikingerwald"
Anflug auf den „Wikingerwald“

Gut 100 Kilometer östlich von Vancouver Island liegt das Toba Valley – Heimat von Grizzlybären und Wölfen. Dort hat Wikinger Reisen in diesem Jahr die ersten 25.600 Quadratmeter Regenwald erworben. Wir streben an, die Fläche jährlich zu erweitern. Durch den Grundbucheintrag bleiben die einmal gekauften Landflächen auch für die Zukunft rechtssicher geschützt.

Der Wikingerwald bei Sonnenschein
Der Wikingerwald bei Sonnenschein

Als Teil eines Teams mit Wissenschaftlern und Fotografen bekam ich die Möglichkeit, den „Wikingerwald“ zu erkunden. Beim Hubschrauberanflug in den Regenwald ist gut zu erkennen, dass keine 20 km entfernt von unserem Gebiet der Kahlschlag bereits eingesetzt hat. Ich bin froh, dass wir mit unserer Aktion ein Zeichen für den Erhalt des Waldes setzen.

Küche am Toba River
Küche am Toba River

Der Hubschrauber landet auf einer Sandbank des Toba River und lässt uns in der Wildnis zurück. Wir bauen unser Camp auf und schauen besorgt gen Himmel. Schwere Regenwolken ziehen auf und wir fragen uns, ob wir auf der Sandbank sicher sind. Mit einem mulmigen Gefühl legen wir uns in die Zelte. Kurz darauf setzt der Regen ein. Um halb drei Uhr morgens müssen wir das Camp verlegen, um nicht vom sprunghaft angestiegenen Toba River weggerissen zu werden. Als ich mich mit einem Teil der Ausrüstung durch das eiskalte Wasser eines Seitenarms des Gletscherflusses quäle, beschleicht mich das Gefühl, die Natur habe sich gegen uns verschworen.

Provisorisches Camp nach der Überschwemmung
Provisorisches Camp nach der Überschwemmung

Doch schon am nächsten Tag bessert sich das Wetter. Wir erforschen die nähere Umgebung des Camps bis sich der Wasserspiegel soweit senkt, dass wir uns an das gegenüberliegende Ufer des Toba River wagen können. Dort beginnt der „Wikingerwald“. Pittoresk breitet er sich vor einer Bergkuppe aus und zieht sich den Felsen hoch. Ehrfurcht ergreift mich, als mir klar wird, dass wir die ersten Menschen sind, die diesen Flecken Erde betreten. Und er ist von unvergleichlicher Schönheit. Jahrhunderte alte Ahornbäume wachsen in schwindelerregende Höhen, herabhängende Farne formen sich zu abstrakten Kunstwerken und das nur selten durchscheinende Sonnenlicht verleiht der Szenerie eine magische Stimmung.

Magie des "Wikingerwaldes"
Magie des „Wikingerwaldes“

Die mich begleitenden Wissenschaftler begeistern sich an den vielfältigen Hinweisen auf Grizzlybären. Anhand von Erdkuhlen, die sich Grizzlys als Bettstatt herrichten und diversen Pfaden, die sie als „Wanderwege“ im Wald ausgetreten haben, schätzen die Forscher im Team die Anzahl der Bären in diesem Gebiet auf mindestens ein Dutzend. Im Spätsommer, sobald die großen Lachspopulationen den Toba River bevölkern, kommen sie herunter zum Ufer. Die übrigen Wissenschaftler untersuchen die Biomasse des  „Wikingerwaldes“, also all das, was durch Lebewesen, in diesem Fall Tiere und Pflanzen, an organischer Substanz entsteht.  Ein anspruchsvolles Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die Biomasse des temperierten Regenwaldes mehr als das Doppelte des tropischen Regenwaldes beträgt. Entsprechend hoch ist die Kohlenstoffbindung und der positive Effekt auf das Weltklima. Das Wissenschaftsteam beginnt  mit einer Langzeitbeobachtung, um möglichst genau den Kohlenstoffspeicher des „Wikingerwaldes“ zu berechnen.

Ein Beispiel für Biomasse
Ein Beispiel für Biomasse

Nach unserer Rückkehr aus dem Wald sitze ich noch lange am Fluss und versuche die Eindrücke zu verarbeiten. Eine tiefe Verbundenheit mit diesem zauberhaften Stück Natur steigt in mir auf. Erst das Geräusch der Rotoren des herannahenden Hubschraubers, der uns zurück in die Zivilisation bringt, reißt mich aus meinen Gedanken. Als ich aus dem Helikopterfenster auf den „Wikingerwald“ hinabschaue, erfüllt mich ein Gefühl großer Zufriedenheit, denn keine Motorsäge wird jemals dieses unwiederbringliche Biotop zerstören können.

Impression vom Toba River
Impression vom Toba River

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