Auf Trekking-Tour: der Wanderstiefel mit gutem Profil

Bergschuh, Wanderstiefel oder doch ein Klettersteigschuh? Wer eine Trekkingreise unternimmt hat scheinbar die Qual der Wahl. Wikinger Reisen empfiehlt euch den „Wanderstiefel mit gutem Profil“ oder den „festen Bergschuh“. Doch was verbirgt sich dahinter? Geht mit mir auf eine kleine Schuh-Empfehlungsreise. 

Kleine Schuhkunde: Der Aufbau macht den Unterschied

Gleich vorab: den FlipFlop, der zum Beispiel gerne von den Trägern in Nepal als Trekkingsandale eingesetzt wird, könnt ihr gerne einpacken. Dann habt ihr einen leichten Schuh für den Abend auf der Hütte. Als „festen Bergschuh mit gutem Profil“ sind die Sandalen allerdings nicht zu empfehlen 😉

Entscheidend beim Kauf eines Wanderschuhs ist zunächst die Frage nach dem Gelände: bist du im flachen Terrain auf gut ausgebauten Wegen unterwegs, musst du viel auf- und absteigen und hast bisweilen unwegsames, felsiges Gelände oder bewegst du dich sogar auf Schnee und Eis?

  • Im flachen Terrain legst du lange Wege zurück, hast jedoch meist gut ausgebaute Wege oder Pfade. Der Fokus liegt hier darauf, dass du bequeme Schuhe hast, die dir Halt geben. Gutes Profil und gute Abroll-Eigenschaften zeichnen einen Wanderschuh aus.
  • In felsigem Gebiet ist es wichtig, dass dir der Schuh Stabilität verleiht. Das heißt: der Fuß sitzt fest im (Berg)Schuh und die Sohle biegt sich nur geringfügig. Damit kannst du auch auf kleinen Felstritten gut stehen. Ein gutes, tiefes Profil ist unabdingbar, damit du auch bei Nässe noch gute Griffigkeit hast. Zusätzlich solltest du darauf achten, dass dein Schuh wasserdicht ist.
  • Auf Touren über Schnee und Eis brauchst du Schuhe, die mit einer „steigeisenfesten“ Sohle ausgerüstet sind. Dann kannst du dir für die Gletscherwanderung Steigeisen unterschnallen. Diese Schuhe sind mit einer sehr harten Sohle ausgerüstet. Darum sind sie für kilometerlange Mehrtages-Märsche nicht ausgelegt, da sie keine Abrolleigenschaften besitzen. Für Wanderungen über Gletscher und Co. solltest du jedoch genügend Erfahrung mitbringen und in Begleitung von Experten gehen.
Welche Schuhe wählst du für die Trekking-Tour?

Zusätzlich musst du beachten, wie schwer dein Gepäck ist, das du trägst. Auf der Komfort-Trekkingreise mit Tagesrucksack muss die Sohle nicht so viel Last aushalten, wie bei der Hütten-Tour, bei der du dein ganzes Gepäck selbst trägst.

Natürlich gibt es unzählige Abstufungen, unterschiedliche Leisten und verschiedene Marken. Den idealen Schuh findest am besten durch Ausprobieren und Beratung im Fachgeschäft. Gleich vorab: den „Alleskönner“, der für Mittelgebirge genauso wie für die Hochtour taugt, wirst du nicht finden. Doch für die Wikinger-Trekkingtouren in den Alpen kommst du mit einem guten Bergschuh der mittleren Kategorie sicher über die Berge.

Der Wanderstiefel mit „gutem Profil“

Warum ist das „gute Profil“ unabdingbar? Schau‘ dir folgendes Bild an:

Schuhprofil: alt vs. neu
Schuhprofil: alt vs. neu

Siehst du den Unterschied? Links siehst du meinen alten, abgelaufenen Schuh. Das Profil ist flach. Mit diesem Schuh rutsche ich auf nassem Grund leicht weg. Am Felsen bietet er nur noch wenig halt. Der rechte Schuh dagegen ist (fast) nagelneu. Das Profil ist deutlich erkennbar. Die Sohle ist top. Dieser Schuh ist mit einem „guten Profil“ ausgestattet und trägt mich aktuell über die Alpen.

Wie gut das Profil oder die Griffigkeit der Sohle ist, hängt ebenfalls von der Gummimischung  ab. Hier noch ein Vergleichsprofl, mein Klettersteig- und Tourenschuh mit steigeisenfester Sohle, der mich über alle alpinen Geländearten bringt und zugleich schweres Gepäck aushält:

steigeisenfester Schuh
Klettersteigschuh mit steigeisenfester Sohle

 

Welchen Schuh trage ich?

Bei einer 3-Stiefel-Tour  greife ich auf meinen bewährten Lowa-Schuh Mauria GTX zurück. Der ausgewiesene Trekking-Schuh ist etwas steifer gebaut, sodass ich selbst in felsigem Gelände meinen Tritt gezielt setzen kann. Das erleichtert mir ein gleichmäßiges Gehen. Geringfügige Abstriche muss ich dafür im Komfort beim Abrollen des Fußes machen: auf langen Strecken „brennen“ dann schon einmal die Fußsohlen. Doch insgesamt bin ich mit diesem Schuh ideal ausgestattet. Denn er bietet Halt im Mittelgebirge wie in alpinen Geländearten (nicht Hochalpin!) und lässt sich dennoch bequem laufen. Mein Favorit für die 3-Stiefel-Etappen.

Wanderstiefel mit gutem Profil
Mein Trekkingschuh mit gutem Profil

Auf langen 2-Stiefel-Etappen greife ich gerne auf meinen  Trailrunning-Schuh zurück. Auf wurzeligen Trampelpfaden habe ich super „Gripp“. Die weichere Sohle erlaubt mehr Komfort beim Abrollen des Fußes.  Halbschuhe würde ich für untrainierte Läufer jedoch nicht empfehlen, da du leichter umknicken kannst. Bei meinem Laufpensum sind die Füße jedoch froh, einmal einen Tag luftiger gehen zu können 😉

Trailrunning-Schuh mit "Gripp"
Trailrunning-Schuh mit „Gripp“

Der „richtige“ Schuh für die Trekking-Tour – Meine Empfehlung

In jedem Fall solltest du dich vorab informieren, wie die Geländebeschaffenheit auf der Tour ist. Dementsprechend kannst du den Schuh wählen.

Für Alpen-Trekkingtouren empfehle ich dir einen Schuh mit etwas steiferer Sohle, damit du in alpinem Gelände sicher voran kommst. Je nachdem, ob du viel oder wenig Gepäck auf dem Rücken hast, sollte der Schuh etwas fester gebaut sein. Ganz klar: auf einer Reise mit Gepäcktransport kannst du dir ein zweites Paar Schuhe einpacken und deine Reiseleitung löchern 😉

  • Bei 3-Stiefel-Trekking-Touren in den Alpen wie „Von München nach Venedig“: bevorzuge einen Wanderstiefel mit einer etwas härteren Sohle. Mit weichen Sohlen tust du dir im felsigen und steinigen Gelände schwer. Richtige Hochtourenschuhe eignen sich nicht für lange Gehstrecken, da die Sohle viel zu hart ist. Bei der Komfort-Trekkingreise nimm‘ dir ein zweites Paar mit, dann kannst du je nach Geländebeschaffenheit wechseln und den Füßen zwischendurch Entlastung gönnen.
  • Bei 2-3-Stiefel-Touren mit Gepäcktransport wie „Auf Panoramawegen von der Zugspitze zum Gardasee“ kannst du ruhig ein zweites Paar einpacken. Damit kannst du zwischen der weicheren Sohle für’s einfachere Gelände und härterer Sohle für felsige Etappen zwischen den Tagen wechseln. Dennoch empfehle ich Stiefel, statt Halbschuhe. Denn mit den Halbschuhen hast du weniger Halt im Fußgelenk, kannst schneller umknicken und hast schnell ein Steinchen im Schuh.

Selbst wenn du einen gut eingelaufenen und altbewährten Wanderstiefel zu Hause hast: achte unbedingt darauf, dass das Profil noch gut ist und die Sohle komplett mit dem Rest des Schuhes verbunden ist. Falls nicht, kaufe dir lieber ein neues Paar, dann wirst du mehr Freude auf der Tour haben … und deine Füße werden es dir danken.

Deine Erfahrungen – teile sie mit uns

Welches Schuhwerk trägst du auf mehrtägigen Wanderreisen? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Verrate uns deinen Schuh-Tipp und helfe zukünftigen Trekking-Reisenden bei der Schuhwahl. Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen mit dem „Wanderstiefel mit gutem Profil“.

Eure Jenni

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