Buchtipp: „Eisrot“ – im Gespräch mit dem Autor

Der dänische Journalist Matthew Cave und seine junge Inuit-Gefährtin Tuparnaaq ermitteln im ewigen Eis Grönlands. Nach dem Fund eines mumifizierten Wikingers und der blutigen Ermordung einiger Polizisten ist die unschuldige Idylle gestört. In seinem neuen, packenden Grönland-Thriller „Eisrot“ führt uns Mads Peder Nordbo durch seine Wahlheimat. Dabei verbindet er den eisigen Charakter des hohen Nordens mit der facettenreichen Kultur der Inuit. Der erfolgreiche Thriller „Eisrot“ wurde bereits in 18 verschiedene Sprachen übersetzt und ist ab heute nun auch in Deutschland erhältlich.

Eisrot
Eisrot
Wanderer auf Grönland
Sonnenunteregang auf Grönland

Wir haben dem Autor von „Eisrot“, der gebürtig aus Dänemark stammt, einige Fragen über das Leben im ewigen Eis und die Integration in die fremde Kultur, der Inuit gestellt. Mads Peder Nordbo lebt und arbeitet bereits seit einigen Jahren in der Hauptstadt Grönlands – Nuuk. Sein Leben führte ihn über Deutschland und Schweden schließlich in den hohen Norden. Diesen wählte er, fasziniert von der Natur und der Mentalität der Einheimischen, zu seiner neuen Heimat.

„Eisrot“: 3 Fragen an den Autor

Wikinger: Wie übernehmen Sie die kulturelle Art der Inuit, die Natur in ihren Alltag zu integrieren, als Einwanderer in Ihr persönliches Leben?

Nordbo:  Dänemark und Grönland wurden vor nahezu 300 Jahren zusammengeführt und nach wie vor ist ein großer Teil des Alltagslebens in einer Stadt wie Nuuk ähnlich dem in Dänemark. Dennoch halte ich es für wichtig, dass wenn man sich entscheidet, in einem anderen Land zu leben, dass man in gewisser Weise auch die Lebensweise in diesem neuen Land annimmt und übernimmt.

„Man lernt die Natur wie ein Buch zu lesen.“

Wenn man nach Grönland ziehen und trotzdem alles noch genauso machen würde, wie man es in Dänemark gemacht hat, würde man nicht lange überleben. In Grönland muss man die arktische Natur und das Klima viel stärker respektieren, als man das in Dänemark tun muss. Das ist nichts, was man von heute auf morgen lernt, aber wenn man das Land liebt und dort für mehrere Jahre lebt, wird man eines Tages feststellen, dass man einer von ihnen geworden ist, einer, der Neuankömmlingen sagt, was sie tun dürfen und was nicht. Man lernt auf den Himmel und das Meer zuhören. Man lernt die Natur wie ein Buch zu lesen. Den Geschmack eines aufziehenden Sturms, den Geruch des nahenden Winters. Die Schatten auf den Felsen und Eisbergen. Man lernt sogar den Schnee und das Eis zu lesen, die einem erzählen, wo man gehen kann und wo nicht.

„In Grönland muss man die typischen Gerichte essen, wenn man will, dass die Menschen dort einen akzeptieren.“

Abgesehen davon finde ich es wichtig, die Bräuche des neuen Landes zu akzeptieren. Bevor ich nach Grönland gezogen bin, war Walfang einfach nur eine schlimme Sache für mich. Ich bin zwar immer noch der Meinung, dass das nicht der schönste Brauch des Landes ist, aber ich verstehe, was der Walfang für die Inuit bedeutet und ich esse sogar Walfleisch.
In Grönland muss man die typischen Gerichte essen, wenn man will, dass die Menschen dort einen akzeptieren. Es ist einfach ein großer Teil ihrer Kultur, und das Lächeln, das man auf den Gesichtern erzeugt, wenn man sich bereiterklärt, auch Walfleisch, Seehundfleisch oder Möweneier zu probieren – und niemand würde mehr erwarten, als dass man es zumindest probiert – ist unbezahlbar.

Wandergruppe auf Grönland
Grönländischer Sommer
„Ich habe noch nie so etwas Faszinierendes gesehen wie das grönländische Eis.“

Wikinger: Welche Kulisse Grönlands fasziniert Sie am meisten und inwiefern hat Sie diese zu Ihrem Roman inspiriert?

Nordbo: Die Einsamkeit und die riesigen Entfernungen. Vielen Dänen, die nach Grönland umziehen, fällt es schwer, mit der Einsamkeit und der Abgeschiedenheit vom Rest der Welt zurechtzukommen, aber ich finde es wunderbar. Ich glaube, dass die Tatsache an so einem abgelegenen Ort und in so einem rauen Klima zu leben, zu einer besonderen Gemütsruhe führt, einem Gefühl, dass man zwar einerseits gefangen ist, aber andererseits gleichzeitig freier als jemals zuvor.
Davon abgesehen ist das inspirierenste für mich hier das Eis. Ich habe noch nie so etwas Faszinierendes gesehen wie das grönländische Eis. Die Eisfläche ist größer als Frankreich und Deutschland zusammen und wenn das Meer ein paar Mal im Jahr mit darin treibenden Eisbrocken gefüllt ist, fühlt man sich, als stünde man inmitten eines Abenteuers. Wenn ich die drei für mich reizvollsten Dinge an Grönland nennen müsste, würde ich sagen: die Einsamkeit, das Eis und die Menschen.

Wikinger: Sehen Sie neben der Dramatik Grönlands, die Sie in Ihrem Roman beschreiben auch noch eine liebliche Seite oder empfinden Sie das Leben im hohen Norden ausschließlich als dunkel und geheimnisvoll?

Nordbo: Das ist für mich ein großer Widerspruch. Im Laufe der Jahre habe ich durch meine Arbeit in Nuuk eine Menge über Grönlands dunkle und traurige Seiten erfahren. Nichtsdestotrotz liebe ich dieses Land und seine Einwohner sehr. Die meisten Grönländer sind warmherzige und freundliche Menschen und das Land und die Natur sind so schön, das man sie nur als magisch beschreiben kann. Ich nenne Grönland oft mein „Narnia“, wegen der abenteuerlichen Verbindung zwischen hellen und dunklen Seiten.

Autor: Mads Peder Nordbo. Foto: Ivan Boll.
Autor: Mads Peder Nordbo. Foto: Ivan Boll.

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