Das Leben an Bord der Sea-Eye

Wir liegen im Hafen, aber untätig ist keiner. Es bleibt genügend Zeit für Sicherheitseinweisungen und die wichtigsten Vorbereiten für stürmische Tage auf See. Vorräte mussten gebunkert und kleine Reparaturen erledigt werden.

Unser Lebensraum unter Deck ist winzig. Fuhren ehemals 6 Fischer mit der Sea-Eye auf See, so müssen nun 8 Leute dort Platz finden.

Sea Eye Küche
Die Küche

 

Die Küche ist groß genug, dass zwei Personen gleichzeitig dort werkeln können, was auch notwendig ist, wenn die ganze Crew versorgt werden soll. Vielleicht 2 Kubikmeter Kühlschrank und ebenso viel Gefrierschrank stecken voller frischer und haltbarer Lebensmittel. Uns ist klar, dass wir auf stürmischer See kaum etwas kochen bzw. essen werden, zu unangenehm ist das Rollen über die Wellen. Trotzdem brauchen wir proviant. Fischkutter haben leider die Angewohnheit, nicht nur längs über die Wellen zu springen, sondern auch seitlich zu rollen. Diese Längs- und Seitwärtsbewegung zwingt sogar manchen alten Seemann in die Knie. Das Bewegen an Bord wird zu einer sehr sportlichen Angelegenheit.

Die Messe ist auf See wohl das Herzstück des Bootes. Mehr als 8 Quadratmeter sind es nicht und neben dem Tisch mit Bänken finden noch 4 Leute ihre Kojen und allerhand Kisten für Proviant und Persönliches. Alles muss während der Fahrt verstaut werden, die Kränkung bei 2-4 Meter Welle hält nichts mehr an ihrem Platz. Bretter vor den Kojen hindern uns vor dem Fall. Auf See hat man kaum eine Chance, sich draußen aufzuhalten, da die Wellen und das Wasser ununterbrochen über das Schiff klatschen. Die Brücke und die Messe werden zum Hauptaufenthaltsort. Vor allem, wenn man sich nur noch auf 4 Beinen fortbewegen kann und die Lifelines zwingend notwendig werden.

 

Sea Eye Brücke 3
Die Brücke

Die Brücke ist unsere Schaltzentrale und dort laufen alle Hebel zusammen. Von Radar über Fischfinder 1 und 2, den Navigationsgeräten, Computer und alles, was ein moderner Fischtrawler und ein Seenotrettungsboot brauchen.

Im Maschinenraum befindet sich der Motor. Mit 300 PS ist er ausreichend für unsere Zwecke und lässt uns mit 8 Meilen pro Stunde durch die See tuckern. Der Herrscher über diesen Teil des Schiffes ist Ingo. Er hat schon zu Fischerzeiten des Schiffes auf dem Boot gelebt und kennt es wie kein anderer an Bord. Wir sehen nur, was alles brummt und quitscht, geölt werden muss und stampft und raucht. Ingo hört sofort, wenn das Geräusch verändert ist und weiß gleich, was zu tun ist. Auf ihn möchte ich nicht verzichten. Über dem Maschinenraum befindet sich die Walback, der Teil des Schiffes, auf dem früher die Walharpunen standen. Daher stammt der Name. Auf der Walback ist der Mittelpunkt der Rettungseinsätze mit dem Beiboot Charlotti.

Die Walpack
Die Walback

Über Toilette und Dusche brauche ich nicht viel zu sagen, außer vielleicht, dass das Wasser schön heiß ist!

Unser Biergarten
Unser Biergarten

Die Zeit im Hafen versüßen wir uns in unserem Biergarten, an dem wir leckere Frühstücke und Abendessen zu uns nehmen. Dieses Im-Hafen-liegen und Warten motiviert uns schon fast zu kulinarischen Höhenflügen, während am Nebendock eine Riesenyacht abgeschliffen wird. Wäre der Lärm nicht, könnte es fast romantisch sein.

Nichts desto trotz warten wir natürlich alle darauf, endlich auszulaufen. Zweimal am Tag bekommen wir den Seewetterbericht und beratschlagen immer wieder die Möglichkeiten der Abfahrt. Ob Dienstag im Schwerwetter oder Mittwoch bei weniger Wind, aber ebenso rauher See, steht im Moment noch nicht fest.

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