Der lange Weg der Schokolade – Teil I

Der Extremsportler Guido Kunze (Höhenweltrekord mit dem Rad auf den Ojos del Salado, in 86 Std. mit dem Rad zum Papst) startete sein neues Projekt – Der lange Weg der Schokolade – bei dem wir ihn als Sponsor unterstützen.

Im Vordergrund steht hierbei der nachhaltige Aspekt: Guido reist von Ecuador über Kolumbien zurück in seine Heimatstadt Erfurt. Dabei fährt er 10.000 Kilometer mit Rad und Segelboot, um Kakaobohnen zu transportieren (rund 50 kg) und damit zu zeigen, was es bedeutet Fair Trade Schokolade zu produzieren.

 

Der Start in Guidos erste Woche

 

Sonntag, 18. März 2018

So viel Abenteuer hätte es wohl nicht gleich sein müssen: Zum Start seiner Tour durch den Dschungel Mittelamerikas hat das Wetter Guido Kunze am Sonntag einen Strich durch die Rechnung gemacht. Statt gemütlich über den Wolken den Startpunkt der Kakaobohnen-Tour zu erreichen, musste der Mühlhäuser Extremsportler gemeinsam mit seinen Sohn Marvin und dem Erfurter Chocolatier Alex Kühn auf den Autobus umsteigen.

Geplant war ein Flug von Quito nach Loja, dem nächsten Airport in der Nähe von Palanda. Mit Hilfe des Ecuador-Experten Alfonso konnte zum Glück eine Lösung gefunden werden. Es ging nach Süden mit dem Bus auf der Landstraße weiter. Am Montag um 3 Uhr in der Frühe waren die 850 Kilometer geschafft. Dabei dürften von der Reise vor allem die Pässe in Erinnerung bleiben. Der höchste von ihnen, Reserva Chimborazo, führte auf eine Höhe von 4387 Meter hinauf.


Montag, 19. März 2018

Der Montag führte Alex, Guido und Marvin zur Finca von Don Andres. Seit 28 Jahren produzieren er und seine Frau unter anderem Kakao. Auf dem etwa zehn Hektar großen Hof gedeihen aber auch Bananen und Papaya, zudem wird Tilapia, ein Fisch, gezüchtet. Die Ecuadorianer sind sehr gastfreundlich, und teilen ihre Köstlichkeiten gern. Obst wurde geerntet und geschnitten, die Eier im Stall eingesammelt und gekocht. Der Fisch von der eigenen Farm kam frisch gefangen und zubereitet mit Reis auf den Tisch. Lecker.

Nach einer Besichtigung der Finca zeigte Don Andres seinen Gästen, wie er die Kakaobohnen fermentiert. Zum Kosten gab es 100 Prozent „Nacional“ – eine Kakao-Sorte die nur hier in Ecuador wächst. Sie ist auch leider nicht mehr so verbreitet, auch ein Grund warum die Erhaltung dieser Sorte so wichtig ist.

Alex Kühn zeigte sich von der Qualität der Kakaobohnen überzeugt und begann mit den ersten Verkaufsverhandlungen. Die Arbeitsverteilung ist schon klar: Die Ecuadorianer liefern den Kakao in bester Qualität und die Herstellung der Schokolade übernimmt der Erfurter. In seiner Manufaktur sollen die Bohnen nach dem Motto „weniger ist mehr“ weiterverarbeitet werden. Alle sollen geklärt werden, sobald Alex Kühn wieder zu Hause ist.

Nachmittags besuchten Alex und Guido einige Orte, die für die Geschichte des Kakaos wichtig sind. In der Nähe von Palanda liegt der nachgewiesenen Ursprungsort des Kakaos. Die Geschichte vom Kakao wurde vor weniger als einem Jahrzehnt neu geschrieben, wie der lokale Guide Don Jorge erzählt.

Bis vor ungefähr zehn Jahren wurde angenommen, dass der Schokoladenkonsum seinen Ursprung in Mesoamerica (Mexico, Guatemala und Honduras) hatte. Allerdings haben Archäologen und Wissenschaftler Spuren vom Kakao, die über 5300 Jahre alt sind, in Ecuador entdeckt. Das Team um die Wissenschaftlerin Dr. Claire Lanaud fand die archäologischen Relikte im Grab eines „Yachag“, eines Schamanen, der Mayo-Chinchipe-Marañon Kultur. Es handelte sich um ein Gefäß mit Kakaoresten. Dr. Terry Pawis datierte diese Spuren zurück auf das Jahr 3300 vor Christus. Weitere Opfergaben zeigen zudem auch Kakaobohnen, die in Stein gemeißelt wurden. Diese archäologischen Traueropfergaben befinden sich inzwischen in einem Museum in Zumba im Süden Ecuadors.

Des Weiteren erzählt Don Jorge, dass das Mayo-Chinchipe Volk den Kakao komplett anders gebrauchte. Schokoladebohnen wurden nicht verarbeitet und als Getränk getrunken, sondern sie nutzten nur den Saft der Kakaobohnen. Dieser süße Saft wurde fermentiert. Lediglich der Yachag hatte das Privileg, dieses Getränk während besonderer Zeremonien zu trinken.

Trotz der unterschiedlichen Bedeutung des Kakaokonsums ist der in Mesoamerica dem in Ecuador sehr ähnlich, denn auch dort war der Kakao für die Götter reserviert. Diese Besonderheit spiegelt der wissenschaftliche Name der Pflanze wider: „Theobromoma Cacao“. „Theo“ steht dabei für das griechische „göttlich“ und „bromoma“ bedeutet „Getränk“ in der Nahuatl Sprache.

Und was macht eigentlich Kunze Junior? Er sitzt fleißig an seinen Hausaufgaben und dokumentiert alle Erlebnisse für seine Mitschüler. Für sie hat er auch schon zwei ganz besondere Souvenirs im Gepäck – eine Kakaoschote von einem 80-jährigen Baum, der immer noch geerntet wird und eine, deren Baum sogar 200 Jahre auf der Rinde hat.


Dienstag, 20. März 2018

Nach einer kurzen Stadtbesichtigung in der wunderschönen Altstadt von Cuenca ging es am Dienstag wieder Richtung Norden in die Anden. In den Provinzen Morona Santiago und Pastaza wartet der Urwald. Hier wollen Guido und Alex in den kommenden Tagen weiter den Spuren des Kakaoanbaus in Ecuador folgen. Dazu steht der Besuch weiterer Fincas auf dem Programm.

 

Auf dem Weg nach Kolumbien

 

Dienstag, 20. März (Fortsetzung) bis Donnerstag, 22. März

In Palanda haben Alex, Guido und Marvin weitere Facetten der Kakaoproduktion erkundet. Mitten im Amazonía-Gebiet haben sie dazu drei recht unterschiedliche Kakaoplantagen besucht.

Im „Centro de Captación Agroecológico Arajuno“ in Pastaza, konnte das Filmteam die ganze Kakaozucht, von der Saat bis zur Ernte dokumentieren. In einer ihrer vier Gewächshäuser zeigten die Gastgeber Laura und David dem Erfurter Trio geduldig jeden Schritt, beginnend von der Aussaat im Gewächshaus und der Veredelung nach einigen Monaten. Sobald danach die Wunde richtig verheilt ist und die Pflanze eine entsprechende Größe erreicht hat, kommen sie nach draußen und stehen dann auch zum Verkauf. Gezüchtet wird in Pastaza die Kakaosorte CCN51, die für den industriellen Markt gedacht ist. Alex suchte indes weiter „seine“ Bohnensorte, die „fino de aroma“.

Auf dem Weg zur nächsten Plantage entdeckte er zunächst am Straßenrand eine Frau, die Wildkakao verkauft. Später, auf einer Insel im Napon-Fluss., ist er dann auf ein kleines Kakao-Paradies gestoßen. Don Cesars Plantage verkörpert die Tradition des Kakaos in Ecuador. Auf der Plantage werden seit Generationen „Trinitario“, „Nacional“ und „fino de aroma“ angebaut. Der Plantagenbesitzer ist ein gebürtiger Insulaner und auf dem Eiland auch großgeworden – genauso wie seine acht Kinder. Die kleineren von ihnen müssen täglich das motorisierte Kanu zur Schule nehmen; aber das ist für sie normal. Don Cesar erzählte seinen Gästen stolz, dass er auch Kunden aus dem Ausland hat. Nach einem Rundgang über seine Plantage lud er Alex und Guido zu sich nach Hause ein, um den Fortgang ihrer Beziehungen zu besprechen.

Mittlerweile hat es sich in der Region rumgesprochen, dass unser Team unterwegs ist. Alex, Guido und Marvin machten einen Zwischenstopp auf einer weiteren Kakao-Plantage in der Nähe von Tena. Hier wird eine andere Kakaosorte gezüchtet, die sogenannte „Super-Arbol“ (Super-Baum). Welche „Super-Power“ hat diese gezüchtete Sorte? Der Kakao-Plantagen Inhaber, der frühere Bürgermeister von Tena, erzählte überzeugt, dass dies die Pflanze die Zukunft sein wird: „Die Rentabilität ist viel größer, da dieser Baum das ganze Jahr geerntet werden kann und der Ertrag ist bis zu 30 Prozent höher als der von den traditionellen Sorten“, warb er für sein Produkt. Für den Thüringer Chocolatier heißt es aber auch nach diesem Gespräch „Qualität geht vor Quantität“.

Die letzte Station in diesem wunderschönen Dschungelgebiet war gleichzeitig eine der lustigsten und süßesten. Alex, Marvin und Guido haben die Klasse für die 7- bis 11-Jährigen in der ländlichen Schule „Galo Plaza“ besucht. Das Erfurter Trio wurde von den 15 Schülern und ihrer Lehrerin mit offenen Armen empfangen. Nach einer kurzen Vorstellung unterstützt das ganze Team das lokale Wiederaufforstung-Projekt und pflanzte mit Hilfe der Kinder insgesamt zehn Bäume.


Freitag, 23. März

Bei wechselhaften Wetter sind Alex, Guido und Marvin in Quito angekommen. Für Sightseeing blieb aber leider keine Zeit. Zu groß ist das Interesse an dem Project. Der erste Termin führte zu La Cho. Dort hatte Alex die Gelegenheit sich über seine Leidenschaft für Schokolade mit der Kakaoexpertin und Forscherin Lourdes Páez auszutauschen. Die Autorin des preisgekrönten Buches „Ecuador Tierra del Cacao“ und Präsidentin der Schokoladen Akademie Ecuadors empfing die drei Thüringer in ihrer 300 Jahre alt „Hacienda“ in der Nähe von Quito.

Sie erklärte ihnen ihre Botschaft: „Kakao ist ein wichtiger Bestandteil der ecuadorianischen Geschichte. Dennoch sollte der traditionelle Trink-Schokoladen Konsum nicht verloren gehen. Mit meinem Start-up La Chó will ich zeigen, dass Schokolade viel mehr ist als eine ungesunde Süßigkeit – Kakao ist sehr vielfältig und gesund“. Ihr Sohn, der in der Nähe von Stuttgart studiert hat, erklärte Alex in sehr gutem Deutsch alles über die Produktlinie und den Betrieb.

Als Belohnung für die lange Fahrt durften die drei Männer ein paar von La Chó´s Rezepten probieren. Es gab unter anderem Schoko-Gnocchi, Kürbis-Schokoladentorte und traditionelle „Humitas“ – zermahlener Mais, eine Art Polenta, in Bananenblättern mit Trink-Schokolade. Viel Zeit hatte das Team indes nicht, um 19 Uhr mussten sie im Ministerium für Außenhandel zur Pressekonferenz sein. Guido Kunze wurde von Javier Latorre, dem Staatssekretär für Handel und Wirtschaftsintegration im Ministerium zum Projekt interviewt.

Der Extrem-Sportler erklärte vor der ecuadorianischen Presse wie er und Alex Kühn in der Zamora Chinchipe Provinz dieses Abenteuer begonnen hatten, um die Herkunft des Kakaos bis zu seiner jetzigen Produktion in Ecuador zu erkunden. „Hochwertige Schokolade braucht die beste Kakao-Qualität“ betonte Guido Kunze „und das haben wir hier gefunden.“ Außerdem erzählt er, dass sie das Privileg hatten, die Kakao-Plantagen zu besuchen und selbst mit den Produzenten sprechen und Vorort Kakao-Bohnen bester Qualität kaufen zu können. Fairer und transparenter geht es nicht, so sein Fazit.

Es gab nicht nur ein großes Lob für die sportliche Leistung, sondern auch großes Interesse an dem Dokumentarfilm, der im Nachgang der Reise entstehen soll. Der Staatssekretär unterstrich, dass fairer Handel nicht nur in der Kakao-Produktion gelebt werde, sondern auch in weiteren Top-Export Bereichen wie dem Bananen-Export. Für die ecuadorianische Regierung ist nach seinen Worten auch die Anerkennung der Arbeitsrechte von höchster Bedeutung. Er dankte Guido und Alex sehr für ihr ehrliches Interesse an den Themen Kakao und Fairer Handel.

Für Alex ging die Zeit in Ecuador damit zu Ende. Guido und Marvin konnten viel über Kakao und Schokolade von den ecuadorianischen Produzenten lernen. Das erlangte Wissen ist für die beiden jetzt wichtig, denn sie müssen nun auch für Alex weiter forschen.


Samstag, 24. März

Den Äquator hat Guido hinter sich gelassen. Ab jetzt geht es nur noch Richtung Norden.


Sonntag, 25. März

Guido und Marvin haben sich nicht nur von Alex verabschiedet, sondern auch von Quito. Das Abenteuer geht weiter. In der Nähe von Quito hatte Guido nicht nur unter dem Höhenunterschied zu leiden, ihn machte auch das instabile Wetter zu schaffen.

Auf der Panamericana änderte sich landschaftlich alles komplett. Guido fuhr an Vulkanen und Seen vorbei. Die Wolken zogen sehr schnell, es war kalt und regnerisch. Nichtsdestotrotz war die Landschaft atemberaubend schön.

An der Provinzgrenze zwischen Pichincha und Imbabura gab es Zeit und Gelegenheit für eine Verstärkung und um wieder etwas trocken zu werden. An einem nicht besonders schönen Platz gegenüber einer Tankstelle gab es in einem lokalen Café leckere Bizcochos mit Käse und zum Trinken eine heiße Schokolade.

Der Vulkan Imbabura ließ sich kurz blicken, aber schon nach wenigen Augenblicken verschwand er schon wieder hinter den Wolken. Guido hat den San-Pablo-See und den Imbabura hinter sich gelassen und macht sich nun weiter auf dem Weg Richtung Kolumbien. Auf der Fahrt durch die nördlichste Region Ecuadors, Carchi, gab es schöne Blicke auf Bergketten und Täler. Die kolumbianische Grenze ist nicht mehr weit.

 

Fortsetzung folgt … 

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