Der lange Weg der Schokolade – Teil II

Der Extremsportler Guido Kunze (Höhenweltrekord mit dem Rad auf den Ojos del Salado, in 86 Std. mit dem Rad zum Papst) startete sein neues Projekt – Der lange Weg der Schokolade – bei dem wir ihn als Sponsor unterstützen.

Im Vordergrund steht hierbei der nachhaltige Aspekt: Guido reist von Ecuador über Kolumbien zurück in seine Heimatstadt Erfurt. Dabei fährt er 10.000 Kilometer mit Rad und Segelboot, um Kakaobohnen zu transportieren (rund 50 kg) und damit zu zeigen, was es bedeutet Fair Trade Schokolade zu produzieren.

 

Den ersten Teil findet ihr hier –> Der lange Weg der Schokolade – Teil I

 

Fortsetzung…

Durch Kolumbien

25. März

Mittags erreichen Guido und das Team die ecuadorianisch-kolumbianische Grenze. Es fällt allen nicht leicht, sich vom bisherigen Team von Surtrek zu trennen, aber die Fahrt geht weiter. Nach ein paar Stunden Wartezeit bekommt Guido den Stempel für Kolumbien kann über dir Brücke, die auch die Grenze ist, radeln. Neues Ziel ist Pasto, die Hauptstadt des Departements Cauca, zwei Stunden von der Grenze entfernt. Hier verbringen Guido und Marvin eine Nacht. Für Naturliebhaber lohnt ein längerer Aufenthalt; Pasto ist von einer spektakulären Landschaft umgeben. Der Ort stellt eine gute Basis für einen Besuch der Laguna de la Cocha, der Laguna Verde und des unruhigen Volcán Galeras dar.

In San Juan ist eine kleine Pause angesagt. Es gibt Eis und alle können die Sonne und den Sonntags-Straßenmarkt im Herzen des Dorfes genießen. Das Team wollte diesen Moment natürlich festhalten und erzeugt damit einige Aufmerksamkeit. Offen und neugierig fragen die Einheimischen, wer denn „der Fahrradfahrer“ sei. In Kolumbien ist Fahrradfahren als Leistungssport sehr beliebt – gleich nach dem Fußball. Es gilt als eines der Nationalsportarten.

 

  1. März

Die Fahrt über die Straße führt in Serpentinen am sehr schönen Atriz-Ta vorbei. An der sehr viel befahrenen Panamericana wohnen zahlreiche Menschen in kleinen Häusern am Straßenrand, darunter auch verschiedene indigene Völker. Die Gefahr zu verhungern ist recht gering, denn alle paar Kilometer gibt es Verkaufsstände, die Eis, Papaya, Wassermelone oder gegrilltes Fleisch verkaufen. Dazu bieten viele kleine Hotels für LKW-Fahrer ihre Dienste an, insbesondere auch die Möglichkeiten, die Laster wieder sauber zu machen. Der Weg führt weiter durch das Nariño Departement mit teilweise sehr karger Landschaft. Es gibt keinen Schatten und die Temperaturen liegen um die 30° Celsius.

Auf dem Weg nach Popayan muss das Team aufgrund eines Staus eine dreistündige Zwangspause einlegen. Ein LKW ist mehrere hundert Meter eine Böschung hinabgestürzt, die einzige Straße ist komplett gesperrt. Es gibt mehr als drei Kilometer Stau in jede Richtung. Nichts geht mehr. Guido ist zwischen den LKWs, Chivas (eine Art Cargo-Bus) und Autos einfach weitergefahren.  Das Team hat inzwischen lustige Begegnungen mit einheimischen Kinder aus dem Dorf Piedrasentada. Die Jungen und Mädchen werden zu Fotografen und haben jede Menge Spaß. Kurz vor 21.00 Uhr erreicht das Team Popayán – die Stadtbesichtigung muss auf den nächsten Tag verschoben werden.

Popayán ist die Hauptstadt des kolumbianischen Departements Cauca. Sie befindet sich im südwestlichen Kolumbien zwischen zwei Bergketten. Diese Stadt ist für ihre koloniale Architektur und ihre Beiträge zum kulturellen und politischen Leben des Landes bekannt. Popayán war die Heimat von 17 kolumbianischen Präsidenten sowie von berühmten Dichtern, Malern und Komponisten.

Ein Großteil der ursprünglichen Pracht wurde am 31. März 1983 zerstört, als ein Erdbeben viele Gebäude einstürzen ließ. Im Jahr 2009 erklärte die UNESCO die Semana Santa Prozessionen während der Karwoche zum Meisterwerk des Erbes der Menschheit. Leider können die Kunzes nicht so lange bleiben um sich dieses Spektakel anzuschauen. Nach einer kurzen aber sehr schönen Stadtbesichtigung geht es vormittags weiter nach Silvia.

 

  1. März

Silvia Cauca ist eine Stadt mit einem Wochenmarkt auf dem sich die einheimischen Guambianos der Region treffen, um Lebensmittel zu kaufen, zu verkaufen und zu tauschen. Sie leben nicht in Silvia, sie treffen sich dort aber jeden Dienstag zum Markttag. Sie kommen aus den höhergelegenen Dörfern wie Pueblito, La Campana, Gumbia und Caciques. Das Gebiet von Silvia wird auch die Schweiz Kolumbiens genannt, da es grün und gebirgig ist.

Marvin hat sich mit Hilfe von Stephan (unser Reiseleiter in Kolumbien) über die Region und den Lebensstil der Guambiano Kultur kundig gemacht. Die Leute sind sehr offen und erlauben dem Filmteam, alle Bilder zu machen, die sie wollen. Übernachtung in Cali. Die nächsten Tage geht es weiter auf Kaffee & Kakaoplantagen der Region.

 

  1. März

Heute geht die Fahrt von Cali in Richtung Calarca (Kaffeeplantage). Zur Abwechslung verlassen wir die Panamericana. Der Weg führt durch das Valle del Cauca (Cauca-Tal). Rechts und links der Straße wird Rohrzucker angebaut.  In Calarca ist fünf Tage Zeit, verschieden Plantagen zu besuchen.

Die Landschaft ist hier wieder dicht bewachsen und sehr grün, sie erinnert schon fast wieder an einen Urwald. Auf der Kaffeeplantage wird das ganze Jahr angebaut und geerntet. Die Kaffee-Region ist ohne Übertreibung ein Paradies.

Nach einer kurzen Begrüßung mit leckerem, frisch gemahlenen Kaffee geht es direkt auf die Felder. Guido und Marvin haben die Gelegenheit, mit Mitarbeitern der Kaffeeplantage zu sprechen und mehr über die Produktion zu lernen. Die Finca umfasst 30 Hektar. Um 16.00 Uhr kommen die Plantagen-Mitarbeiter von den Feldern zurück. Don Jairo, der Manager der Finca, wiegt den Ertrag seiner 40 Mitarbeiter. Heute sind es über 1.500 Kilogramm Kaffeebohnen. Im Schnitt pflücken die Mitarbeiter der Plantage 60 bis 70 Kilogramm pro Tag. Der Rekord des Tages lag übrigens 178 Kilogramm.

Guido ist nicht der einzige (Extrem-) Sportler der hier auf die Finca übernachtet – ein sehr berühmter Motorradfahrer erholt sich zurzeit von seiner Verletzung.

Morgen geht es über den Pass La Linea bis nach Nilo, wo die Kunzes auf eine Kakao Finca das Osterfest verbringen wollen.

Fotos: © Michael Günther 

 

  1. März

Guido ist früh gestartet, um den Andenpass „La Linea“ zu überqueren. Auf den 60 Kilometern muss er bis auf 3.400 Meter Höhe hinauf. Die Fahrt ist landschaftlich wieder spektakulär und sehr abwechslungsreich. Es ist zwar teilweise sehr nebelig und regnerisch, deshalb ist stellweise nicht viel sehen. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung beim Drehen und Fotografieren super. Auf der heutigen Etappe radelt Guido auch einmal nicht allein, es sind mehrere (Renn-)Radfahrer zu sehen.

Abends kommt das Team in der San Luis Finca bei Liniana und Germán an. Die Kakao-Expertin und Papst-Bewunderin Liliana empfängt uns mit offene Armen. Marvin versteht sich mit ihrem sportlichen 17-jährigen Sohn sehr gut. Die Kunzes und das Filmteam werden die Oster-Feiertage auf der Kakao Finca verbringen. Zum Verschnaufen bleibt wenig Zeit, denn die drei Tage dürften wohl ziemlich arbeitsreich werden.

 

  1. März bis 1. April

Liliana und Germán betreiben seit sieben Jahren die zu 100 Prozent biologische und organische Finca „San Luis“ im Magdalena Tal in der Cundimarca Region. Auf ihrer 90 Hektar großen Finca bauen sie auf circa zwei Hektar Kakao an. Hier besteht die beste Gelegenheit, alles von Kakao-Expertin Liliana alles über die „Nahrung des Gottes“ aus erste Hand zu erfahren.

Die Gastgeberin ist nicht nur eine Kakao-Expertin und arbeitet täglich auf ihrer Finca, sondern sie engagiert sich auch aktiv für die Region und die Kakao-Bauern der Region. Sie ist die Vorsitzende des „PROASEAGRO – Verband landwirtschaftlicher Erzeuger Nilo/Cundinamarca” und Präsidentin der Bio-Bauern-Gruppe innerhalb der Organisation. Außerdem repräsentiert sie auf nationaler und internationaler Ebene die 38.000 Kakaobauern des Landes als „Maria del Campo“. Genauso wie der Nationale Verband der Kaffee-Bauern als ikonisches Bild „Juan Valdez“ hat, um den kolumbianischen Kaffee in der ganzen Welt zu repräsentieren, hat der Nationale Kakaoverband seit 2016 das „Maria del Campo“ Bild.

Dieses Bild ist eine Hommage an die ländlichen Frauen und Kakaobauerinnen. Liliana erzählt uns sehr stolz, dass der Wettbewerb für den Titel der Maria del Campo von der Fedecacao (dem Bund der Kakaobauern) organisiert wurde. „Ich bin aus 640 Bewerberinnen ausgewählt wurden, um die kolumbianischen Kakaobauern weltweit zu repräsentieren.“ Bei dem Wettbewerb ging es nicht nur um die Schönheit, sondern es war auch Wissen über die Kultur den Kakaoanbau gefragt, erzählt sie. Die ehemalige Reporterin und Quereinsteigerin beweist Guido mit ihrem Auftreten, dass sie definitiv die richtige Frau für den Titel ist.

Jeden Tag zeigen Liliana und Germán nach einem leckeren Frühstuck mit heißer Schokolade aus ihrem eigenen Kakao Guido und Marvin die vielen einzelnen Schritte vom Kakao-Anbau bis hin zur fertigen Köstlichkeit. Das Filmteam dreht fleißig und macht tolle Aufnahmen über den gesamten Prozess.

Es ist unglaublich, mit welcher Leidenschaft Liliana über Kakaopflanzen spricht. Sie erkennt sofort alle möglichen Krankheiten an den Kakaoschotten. Als Biobauern benutzen sie weder „Chemie“ noch Pestizide, sondern setzen auf biologische Schädlingsbekämpfung bzw. auf die vorsorgliche Ernte befallener Früchte. Liliana und die Finca-Mitarbeiter sind inzwischen zu echten Experten geworden und bilden selbst Landwirtschaftsingenieure in diesem Bereich weiter. Sie arbeiten auch eng mit den Nachbarn-Bauern und anderen Verbandsmitgliedern zusammen. Durch regelmäßige Weiterbildungen und persönliche Besuche auf den benachbarten Fincas versuchen sie die Ausbreitung von Kakaoschädlingen zu vermeiden. „Bei einer guten Ernte sind über 70 Prozent der Kakaoschotten gesund“, erklärte Liliana vor der Kamera. Kakao und Obst auf eine rein biologisch-organische Art anzubauen und zu ernten ist sehr aufwendig, aber – so ihr fester Glaube – er lohnt sich.

Hier auf dem Land gibt es keine richtigen Feiertage. Es muss geerntet werden sobald die Schoten und das Obst reif sind, auch zu Ostern. Obwohl die Erntezeit in diesem Teil des Magdalena-Tals erst in ein paar Monaten richtig anfängt, müssen die bereits reifen und erkrankten Kakaoschotten eingeholt werden. Henry (ein Finca-Mitarbeiter), Liliana und ihr Sohn zeigen, wie das richtig geschieht, damit die Kakao-Pflanzen nicht beschädigt werden.

Die beschädigten und gesunden Schotten werden von unterschiedlichen Teams geerntet, um Krankheitsübertragungen zu vermeiden.

„Die richtige Pflege und Ernte sorgen für gesunde und aromatische Kakaobohnen, aber der Prozess nach der Ernte ist entscheidend für die Kakao- bzw. Schokoladen-Qualität“, betont Liliana. Direkt nach der Ernte müssen die Kakaobohnen aus den Schoten geholt werden. Die frischen Kakaobohnen werden anschließend für ungefähr acht Tage fermentiert, bevor sie zum Trocknen ausgelegt werden.

Guido darf bei der Aussortierung der trockenen Kakaobohnen mithelfen. Die Schalen und kleine oder flache Kakaobohnen müssen per Hand aussortiert werden, ansonsten würden sie beim Rösten verbrennen und der Kakao und später die Schokolade würden besonders bitter werden“ erklärt Finca-Mitarbeiter Henry.

Am nächsten Tag steht die Schokoladen-Produktion im Mittelpunkt. Die Verarbeitung der trockenen Kakaobohne zu „Licor“ (100-prozentiges Kakaopulver) und Schokolade übernimmt Lilianas Mann Germán. Zwei Jungs der „PROASOAGRO Jugend Gruppe“ helfen ebenfalls mit. Der Verein unterstützt nicht nur Bio-Bauern, sondern auch lokale Jugendliche, die in der Schokoladenherstellung eine Perspektive suchen.

Lilianas Agenda ist immer voll. Umso glücklicher sind die Kunzes, dass Sie auch bei einem PROASOAGRO- Treffen mit dabei sein dürfen. Liliana und ein paar Mitglieder erklären dabei interessierten Bauern die Vorteile und die Arbeitsweise des Vereins. Die potentiellen Mitglieder haben viele Fragen zum Thema Zertifizierungen und Unterstützung durch den Verein. PROASOAGRO ist bekannt für seine umweltbewusste Ausrichtung und die Förderung der Produktion unter ökologischen Bedingungen. Der Verein ist seit 2014 unter anderem von der deutschen Firma BCS ÖKO zertifiziert.

 

  1.  April

Auf der Finca hat Guido die nächsten Kakaobohnen bekommen. Vollgepackt macht er sich auf die 80 Kilometer lange, teils sehr bergige Strecke nach Bogotá auf. Unterwegs gibt es noch einen kleinen Halt bei der Abteilungsleiterin für „Sozialangelegenheiten“, die zugleich die Frau des Bürgermeisters von Nilo ist. Sie ist von Guidos Projekt begeistert und bedankt sich für den Besuch.

Bogotá liegt auf einer Höhe von über 2.600 Meter. Für Guido bedeutet harte Arbeit bergauf. Das Wasser kommt nicht nur vom Himmel, sondern auch von den vorbeirasenden Autos und LKWs – keine angenehme Fahrt. Das Team behält Guido immer im Auge.

 

  1. April

In Bogotá werden die Kunzes und das Team ein paar Tage verbringen. Zuerst geht es mit der Seilbahn auf den „Cerro de Monserrate“ der über 3100 Meter hoch gelegen ist. Der Blick auf die Hauptstadt ist großartig. Auf einer Seite ist die Stadt Bogotá und auf der anderen Seite die Savanne zu sehen. Nachmittags entschließt sich Guido, das historische und kulturelle Zentrum der Stadt – La Candelaria – mit dem Fahrrad zu erkunden. Die bunt bemalte Häuser gefallen allen sehr gut.

Fotos: © Michael Günther 

 

Fortsetzung folgt …

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