Der WWF auf der Suche nach den „Geisternetzen“

Es sind 18° Celsius und es regnet in Strömen im sonst so schönen Warnemünde. Wir laden die letzten Materialien auf die „Koralle“ und sind bereit für die Suche nach Geisternetzen in der Ostsee…

Einen Tag zuvor reise ich mit der Bahn nach Stralsund. Auf dem Plan steht der Besuch des Ostseebüros unseres Partners, dem WWF, sowie die Vorbereitung auf ein sehr spannendes Projekt am Folgetag. Andrea Stolte – verantwortlich für das Projekt „Geisternetze in der Ostsee“ – nimmt mich in Empfang und erklärt mir bei einem Spaziergang durch die beschaulichen Gassen Stralsunds was es damit auf sich hat.

WWF Ostseebüro

 

Am Platz vor der Marienkirche erläutert mir Andrea, dass es bei „ihrem“ Projekt darum geht, verloren gegangene Fischereinetze in der Ostsee zu lokalisieren und anschließend auch zu bergen. Die Gründe – so denkt man – liegen auf der Hand: die Netze fischen in den Tiefen der Ostsee weiter, Tiere verfangen sich und verenden qualvoll. Doch gleichzeitig geht es auch darum den Meeresmüll zu verringern – und dazu gehören auch die sogenannten Geisternetze. Zu meiner Nachfrage nach der Anzahl oder Masse solcher Netze in der Ostsee erzählt mir Andrea, dass bei einer Aktion des WWF mit dem Deutschen Meeresmuseum und dem Verein archaeomare e.V. schon 2014 mehr als zwei Tonnen Netze geborgen wurden. In meinen Ohren hört sich das schon nach sehr viel an, bis die Expertin von einer ähnlichen Aktion des WWF Polen berichtet: dort waren 2015 fast 100 Fischkutter in der polnischen Ostsee unterwegs, wo sie unglaubliche 270 Tonnen (!) Netze an Land brachten.

Doch woher kommen diese enormen Massen an Geisternetzen? Hier ist es meist anders als bei anderem Meeresmüll, denn sie werden nicht bewusst entsorgt. Es geschieht häufiger, dass die Grundschleppnetze der Fischer an Hindernissen wie Felsen oder auch Schiffwracks hängen bleiben und einfach abreißen. Da können die Fischer wenig für und müssen gleichzeitig den Verlust von Netzen, mit einem Wert von mehreren tausend Euro, verkraften. Noch ärgerlicher kann es aber bei den Stellnetzen werden. Die Markierungen dafür werden nämlich oft von Schiffen oder Sportbooten übersehen und überfahren, wodurch es somit anschließend ein weiteres Geisternetz im Ozean gibt.

An der berühmten „Gorch Fock“ im Hafen von Stralsund angelangt, kommen wir auf die Planung für den folgenden Tag zu sprechen. Morgens früh soll es mit dem Auto nach Warnemünde gehen, wo der Tauchsportclub Warnemünde e.V. uns sein Boot samt Besatzung zur Verfügung stellt. Die Wetteraussichten sind leider nicht optimal, sodass die Ausfahrt noch nicht gesichert scheint an diesem Abend. Sollten zu starke Winde wehen, dürfen wir leider nicht rausfahren, so Andrea.

Am nächsten Morgen geht es dann wie besprochen los und wir machen uns mit einem vollbepackten Auto auf in Richtung Warnemünde. Dort angekommen wartet auch schon die „Koralle“, das Schiff des TSCW, mit zwei immer hilfsbereiten Kapitänen auf uns. Es regnet ununterbrochen, jedoch weht kaum ein Wind, sodass der Ausfahrt nichts mehr im Wege steht. Wir beladen die Koralle mit dem Equipment und machen uns auf in das Zielgebiet. Dieses wurde von den Fischern selber bestimmt, denn die wissen am besten, wo sie in letzter Zeit Netze verloren haben.

Die Lokalisierung der Geisternetze ist in der Theorie relativ simpel: man fährt ins Zielgebiet, wirft einen Anker mit mehreren Haken über Bord und zieht diesen auf dem Grund hinter dem Boot her – in Schrittgeschwindigkeit. Sollte sich der Anker verhaken und entsteht eine enorme Spannung auf dem Seil, an welchem dieser hängt, wird er wieder hochgezogen und es wird geschaut, ob ein Geisternetz der Grund dafür war. In der Praxis ist es natürlich etwas mühsamer und man kann leider nicht immer auf Erfolgserlebnisse hoffen. So war es auch an diesem Tag. Nach mehrstündiger Suche war es lediglich ein schweres Tau, welches wir vom Grund entfernen und an Bord ziehen konnten. Am nachfolgenden Tag wollte Andrea noch einmal rausfahren und dieses Mal mit Tauchern im Gepäck, welche den Grund direkt absuchen sollten. Dabei sind die Erfolgsaussichten wesentlich höher.

Trotz der diesmal erfolglosen Suche durfte ich an zwei sehr spannenden Tagen ein tolles Projekt begleiten. Der WWF bleibt natürlich weiterhin dran, um die Ostsee von Geisternetzen und Meeresmüll zu befreien.

 

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