Die Karawane zieht weiter…

 

 

Nachdem wir fünf Tage lange in Marrakesch königlich genächtigt, fürstlich gespeist und uns ausreichend akklimatisiert hatten, wollten wir endlich mehr von Marokko erkunden. Nur, wie bekommt man am meisten von einem fremden Land und einer andersartigen Kultur mit? Insbesondere ohne ausreichende Sprachkenntnisse und mit nur wenig Zeit? Wir entschieden uns, auf die Erfahrung von Experten zurückzugreifen und schlossen uns für zehn Tage Guide Brahim und seiner „Wikinger“ Reisegruppe an: Eine kompakte Mischung aus Kultur und Geschichte entlang der Straße der Kasbahs verbunden mit ausgiebigen Wanderungen im Atlasgebirge und fremdartigen Wüstenabenteuern in der Sahara. Perfekt!

Kaum hat man Marrakech hinter sich gelassen, verändert sich die Landschaft deutlich.
Kaum hat man Marrakesch hinter sich gelassen, verändert sich die Landschaft deutlich.

Willkommen in unserer Karawane
Nachdem Tourguide Brahim all seine „Schäfchen“ samt Gepäck in einem Hotel in der Neustadt Marrakeschs eingesammelt hatte, zog unsere Karawane los – in einem Minibus raus aus der Roten Stadt. Schnell wurde die Landschaft karger, die Besiedlung dünner und die alten Mercedes-Taxen mehr und mehr von Mofas und Eselskarren abgelöst. Wir hingen an den Fenstern, bestaunten die vorbeiziehenden fremde Welt und die rotbraunen Dörfer an den Hängen des gewaltigen Gebirges. Erstes Highlight der Etappe (im wahrsten Sinne des Wortes) war der Tizi-n-Tischka-Pass auf 2.260 m.

Die Straße der Kasbahs
Eine Kasbah ist keine marokkanische Kneipe, sondern (wie Brahim zu sagen pflegte) »eine Berber Burg«. Von außen eher unscheinbar und zuweilen vom Einsturz gefährdet, entpuppten sich diese Bauwerke als wahre Schatzkammern. Kein Wunder, denn in der Kasbah von Telouet, zum Beispiel, lebte einst der Pascha von Marrakesch, der von hier aus große Teile des marokkanischen Südens beherrschte. Die mit Kacheln, Stuck und Malereien geschmückten Wände und Decken zeugen von höchster islamischer Handwerkskunst und unterstreichen den einstigen Wohlstand des Berberfürsten. Wir waren entzückt.

 

Diese Lehmburgen sind wirklich malerisch, wirken beinahe fiktiv. Wir mussten häufig an »Gladiator« und andere Monumental-Blockbuster denken – und tatsächlich wurde in der Region bereits einiges Filmmaterial produziert, unter anderem »Babel« und »Lawrence von Arabien«. In der Nähe von Ouarzazate befinden sich Marokkos größte Filmstudios – und natürlich eine weitere Kasbah, die wir besichtigten. Unser lokaler Guide (Insider nennen ihn auch »das Schlitzohr«) konnte es sich nicht verkneifen, uns ausgiebig davon zu berichten, wie er mit Samuel L. Jackson Marokkanischen Whiskey (= Minztee) getrunken hat. So, so… damals…

 

Saharaträume unter Millionen von Sternen
Nach zwei spannenden Tagen Berber-Kultur entlang der Strasse der Kasbahs, hieß es für unsere Truppe an Tag 3 endgültig »Adieu Zivilisation – Willkommen in der Einsamkeit«. Eingedeckt mit reichlich Trinkwasser, rund 40 Liter pro Person, tauschten wir am Fuße der Jebel Bani-Berge unseren Minibus gegen ein paar Dromedare und Wanderschuhe ein. Das ganze sollte ja schließlich ein Aktivurlaub werden. Wer braucht schon ein Hotelbett, wenn man unter zig Millionen Sternen schlafen kann? Wir freuten uns wie kleine Kinder beim ersten Zelt-Aufbau auf die Vorstellung, die kommenden Tage zusammen mit echten Nomaden und ihren Dromedaren durch die »Mondlandschaften« der marokkanischen Bergwelt bis an den Rand der Sahara zu wandern.

 

Mit den ersten Sonnenstrahlen krochen wir am nächsten Morgen mehr oder weniger ausgeschlafen aus unserem Zelt, packten schnell unsere Sachen zusammen und präparierten uns (zusammen mit einer Milliarde summender Fliegen) bei frisch gebackenem Brot, Kiri Käse und Kaffee für die erste anstehende 18 km Wanderetappe. Unser Gepäck wurde glücklicherweise von den freundlichen Dromedaren getragen. Budsradin, unser possierliches Begleit-Dromedar hatte zusätzliches Frischwasser im Gepäck sowie Nüsse und Feigen als Pausensnack in den Satteltaschen.

 

Kaum in den Bergen angekommen, konnte man die spannende Metamorphose unseres Guides Brahim verfolgen. Hatte er zuvor mit Hemd und Anzughose noch wie ein marokkanischer Geschäftsmann gewirkt, verwandelte er sich im Atlas in einen waschechten Berber, der allerdings, wie er selbst sagte, aktuell ein wenig zu viel „Schatten“ wirft. Um diesen überflüssigen Schatten abzutrainieren legte Brahim dann auch gleich mal ein ordentliches Tempo vor.

Unser Guide Brahim in seinem traditionellen Berber-Outfit.
Unser Guide Brahim in seinem traditionellen Berber-Outfit.

 

So durchquerten wir als illustre Wandergruppe in den folgenden Tagen die Stein-, Lehm- und schließlich auch Sandwüsten des Landes, machten Rast unter schattenspendenden Dattelpalmen, übernachteten in Oasen und bestiegen die gewaltigen Sanddünen der Sahara.

 

Natürlich konnte ich es mir nicht entgehen lassen, einmal im Leben auf einem Dromedar zu reiten. Wie ich schnell feststellte ist das ganze allerdings eine recht wackelige und weniger bequeme Angelegenheit – besonders beim „Start“, wenn das Tier sich aufrichtet – sodass ich bereits nach kurzer Zeit vom treuen Budsradin (inzwischen nannten wir ihn nur noch liebevoll Budzi) wieder abstieg. Auf dem weichen Sandboden der Sahara ist das Laufen für uns alle ohnehin anstrengend genug, auch ohne zusätzliche menschliche Last. Trotzdem danke, Budzi!

 

Wie immer verging die gemeinsame Zeit viel zu schnell. Nach unzähligen Schwaben-und Berber-Witzen (Brahim ist wohl der schwäbischste unter den Marokkanern), vielen Anekdoten und Geschichten aus 1001 Nacht, von denen wir bis heute nicht wissen, wie viele davon nur Berber-Quatsch waren, Lektionen in der Tamazight und auf Arabisch, nach unzähligen gemeinsam gewanderten Kilometern und gemeinschaftlich erklommenen Dünen, war es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Ein letztes mal genossen wir gemeinsam den Sonnenuntergang, schon war die Zeit in der Wüste vorbei.

Der gemeinsame Sonnenuntergang ist zur täglichen Zeremonie innerhalb der Gruppe geworden.
Der gemeinsame Sonnenuntergang ist zur täglichen Zeremonie innerhalb der Gruppe geworden.

Nach sechs Tagen als Karawane mussten wir uns nicht nur von Dromedar Budzi und den hilfsbereiten Berber-Jungs, die uns im Camp betreut hatten, verabschieden, sondern auch von Brahim und den restlichen »Wikingern«. Für sie ging es noch weiter nach Agadir an den Atlantik-Strand – für uns bereits zurück nach Berlin.

Reich an Erfahrungen, Eindrücken und dank Brahim auch jeder Menge Berber-Wissen hieß es für uns Abschied nehmen. Kostprobe des neu gewonnenen „Wissens“ gefällig? Was heißt Kuhstall auf Arabisch? Muh-Barak…

Unsere Wikinger-Gruppe
Unsere Wikinger-Gruppe

Wir bedanken uns bei Wikinger Reisen, Brahim, seinen Team und allen Teilnehmern für die tolle Zeit, für viel Lachen und viel Schwitzen, für viel Blödelei und viele gute Gespräche. Für alles!

Hier geht’s zur Reise!

Von ihren Erlebnissen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt berichten Katharina und Henryk regelmäßig auf ihrem Blog OUT OF OFFICE.

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