Mission Sea-Eye – Ankunft in Malta

Der erste Tag auf Malta ist geschafft. Müde und voller Spannung erwarte ich den nächsten. Der Streik in Deutschland hat meine Anreise nicht gerade einfach gestaltet. Eigentlich sollte ich gestern schon landen, und auch die Sea-Eye von ihrer letzten Mission schon angekommen sein. Meinen Flug konnte um einen Tag verschoben werden, und auch das Schiff lief heute Nachmittag fast zeitgleich mit mir in den Hafen von Malta ein. Ich sehe das als ein gutes Vorzeichen!

Seesack gepackt – Es geht los!

Auch seine Rückfahrt hatte sich verzögert: 260 Menschen trieben in 2 Schlauchboote auf dem Meer. Die Motoren waren überlastet bei so viel Masse und fielen aus. Die Flüchtlinge konnten alle gesichert werden, bis die Italienische Marine eintraf, um sie aufzunehmen. Ein vermeintlich 3. Boot wurde nicht mehr gefunden.

Der Tag verlief sehr entspannt, eingebettet in ein Gefühl der Aufbruchstimmung – logisch, denn morgen geht es auf die Reise. Die alte und die neue Crew traf sich zum Abendessen und es konnten Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden. Im Kopf gehen wir durch, was bei der Übernahme und dem Briefing wichtig ist.

Morgen früh um 9 Uhr geht es los:

2600 Liter Trinkwasser befinden sich bereits an Bord, die Vorratskammern müssen aufgefüllt werden, und die Kojen bezogen. Die Aufgabenbereiche werden verteilt und übergeben. Neben den beiden Kapitänen und dem Maschinisten gibt es Wachgänger, Schlauchbootfahrer und das medizinische Personal, insgesamt eine 8-köpfige Crew. Auf dieser Fahrt wird auch die Presse dabei sein.

Mein Einsatz bei der Sichtung eines Bootes wird in unserem Schlauchboot sein, mit dem wir die Flüchtlingsboote anfahren, um Kontakt aufzunehmen, die Lage zu scannen und evtl. Schwangere, Kranke und Kinder aufzunehmen. Sollte sich Schiff in Seenot befinden, werden sofort Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Der Kontakt zum Hauptschiff darf dabei nicht abreisen, und neben dem Fahrer muss eine Person den Funk bedienen, das werde ich sein. In der Realität werden sich diese Bereiche jedoch auch vermischen, denn obgleich jeder hat seine Aufgabe hat, so müssen wir trotzdem flexibel bleiben und uns gegenseitig unterstützen.

Morgen wird also jeder Aufgabenbereich an den Nachfolger der neuen Crew übergeben werden. Dann wird ein gemeisamer Gang über das Schiff stattfinden, damit wir den alten Fischkutter genau kennenlernen. Denn ab Sonntag wird Sturm erwartet und dann müssen wir das Schiff „blind“ beherrschen.

Euer Christian

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