Huskytouren & Nordlichter in Schwedisch-Lappland

Einmal wie die Eskimos auf den Kufen eines Hundeschlittens durch die stille Winterlandschaft des Hohen Nordens gleiten – ein unvergessliches Abenteuer, auf das ich mich gegen Ende des letzten Jahres selbst begeben durfte.

Von Düsseldorf aus startet am 18.12.15 meine 6-tägige Huskytour durch Schwedisch-Lappland. Nach einer längeren Wartezeit in Stockholm, die sich gut mit einem Besuch des Stadtzentrums überbrücken lässt, landet unsere Propellermaschine nach ca. zwei Stunden am verschneiten Flughafen von Lycksele. Dank seiner Überschaubarkeit dauert es nicht lang, bis sich unsere 8-köpfige Gruppe zusammengefunden hat. Thorben, unser Fahrer und einer unserer späteren Guides, nimmt uns bestens gelaunt in Empfang. Während des Transfers zur Huskyfarm haben wir schon einmal die Gelegenheit, uns untereinander näher kennenzulernen und zusammen auf die kommenden vier Tage zu freuen. Es ist schon spät als wir die Farm erreichen, dennoch werden wir von unserer Gastfamilie bereits mit leckeren Keksen und heißem Glühwein erwartet.

In den naheliegenden Zwingern ist es still, unsere Huskies scheinen bereits Kraft für die erste gemeinsame Tour zu sammeln, die gleich für den nächsten Morgen auf dem Plan steht. Etwas geschafft von der Anreise, beziehen wir noch unsere gemütlichen Hütten und fallen schon wenig später, begleitet vom angenehmen Knistern des Ofenfeuers, in den ersehnten Schlaf…

Unsere kleinen Hütten
Unsere gemütlichen Hütten

Ein Tag als Musher

Nach einem herzhaften Frühstück im Haus unserer Gastfamilie mit regionalen Köstlichkeiten wie Moltebeerenmarmelade und Elchsalami, steigen wir gestärkt in unsere Overalls und machen uns an die Versorgung der Hunde. Eine Rentiersuppe dient ihnen als idealer Energielieferant, um auch weitere Strecken problemlos zurücklegen zu können. Während wir die leeren Näpfe einsammeln, steigt das Rudel aus insgesamt 65 Huskies nach und nach in das morgendliche Jaulkonzert ein – ein Ritual, um die Vorfreude auf die anstehende Tour zu signalisieren.

Jedem von uns wird ein eigenes, 4-köpfiges Gespann zugeteilt, das nacheinander aus den Zwingern geführt wird, um es an den Schlitten zu spannen. Schon jetzt hat man das Gefühl, die Hunde wollten ihre enorme Zugkraft unter Beweis stellen. Sobald jeder seinen Platz eingenommen hat, kann die erste unserer beiden Huskytouren beginnen! Aufgeregt stehen wir auf den Kufen, die Leinen sind auf Spannung und die Huskies können es kaum erwarten, endlich loszulaufen.

Mit dem Hundeschlitten durch schwedische Winteridylle

Mit einer schnellen Handbewegung löst Tord, der uns als erfahrener Hundeschlittenfahrer auf den Touren begleitet, den Anker des Schlittens vom Boden, worauf wir hintereinander in die verschneite Winterlandschaft Lapplands aufbrechen. Zunächst fahren wir über den zugefrorenen See, der direkt an die Farm grenzt, immer der Sonne entgegen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten das Gleichgewicht zu halten, bekommen wir schnell ein Gefühl dafür, wie man seinen Schlitten geschickt durch den Schnee manövriert. Während wir unsere Blicke in die Ferne schweifen lassen, umgibt uns – vom Hecheln der Hunde abgesehen – absolute Stille. Das Farbenspiel aus dem türkis-gelben Himmel und der in der Sonne glitzernden Schneekristalle zieht uns alle in seinen Bann. Wir durchqueren eine verträumte Waldlandschaft, bevor wir erneut über den See, über den sich mittlerweile eine dichte Nebeldecke gelegt hat, zur Farm zurückkehren.

Unterwegs auf mit dem Hundeschlitten
Unterwegs auf mit dem Hundeschlitten

Nordlichter-Paradies

Dort wartet bereits ein leckeres Mittagessen aus frischen Zutaten der Region auf uns. Anschließend werden natürlich auch unsere Hunde für ihre Leistung belohnt: Neben einer ausgiebigen Streicheleinheit gibt es für jeden ein 2-Gang-Menü aus Elch- und Rentierfleisch. Mittlerweile ist es 15 Uhr und über unseren Köpfen ist klar das Sternenbild des Großen Wagens zu erkennen. Doch nicht nur das, wir haben sogar das Glück, Zeugen eines einzigartigen Naturschauspiels zu werden. Die Polarlichter tauchen Teile des Himmels in ein Gemisch aus tiefem Grün und zartem Rosa, dessen reges Zusammenspiel einer Lichtorgel ähnelt. Ein wahres „Highlight“ auf unserer bisherigen Reise! 🙂

Das sagenumwobene Nordlicht
Das sagenumwobene Nordlicht

Bis zum Abendessen haben wir noch genügend Zeit, in der selbstgebauten Sauna zu entspannen, mit einem der Hunde spazieren zu gehen oder es uns in unserer Hütte mit einem Buch vor dem Ofen gemütlich zu machen.

Auch abends werden wir jedes Mal auf’s Neue mit verschiedenen landestypischen Gerichten überrascht. Ob selbst gefangener Fisch, Elchgulasch oder Köttbullar, die typisch schwedischen Hackfleischbällchen – es bleiben keine Wünsche offen. Die anliegende Grillhütte, in der wir zweimal unser Abendessen einnehmen, eignet sich hervorragend, um die Erlebnisse der vergangenen Tage mit der Gruppe bei offenem Feuer Revue passieren zu lassen.

Schneemobil-Abenteuer

Am letzten Tag steht eine Fahrt mit dem Schneemobil an, es wird also lauter und schneller, als wir es von den vorherigen Schlittentouren gewohnt sind. Thorben führt uns heute auch an Orte, die mit den Hundeschlitten aufgrund der unebenen Bodenbeschaffenheit nicht erreichbar sind. Wir sitzen jeweils zu zweit auf einem Schneemobil, fahren bei bestem Wetter durch unberührte Wald- und Hügellandschaften und auch über den weitläufigen See. Da es keinerlei Hindernisse gibt, können wir hier auch etwas mehr Gas geben. Mit Tränen in den Augen schließen wir so unseren letzten Programmpunkt ab. Ob das wohl am Fahrtwind liegt, oder doch der Tatsache, dass uns das baldige Ende unseres Urlaubs bevorsteht?

Unterwegs mit dem Schneemobil
Unterwegs mit dem Schneemobil

Den letzten gemeinsamen Abend lassen wir noch einmal in gemütlicher Runde ausklingen, bevor wir uns von unserer lieben Gastfamilie und den so ins Herz geschlossenen Vierbeinern verabschieden müssen. Für mich war diese Tour eine tolle neue Erfahrung, an die ich mich auch noch in vielen Jahren immer gern zurück erinnern werde.

Wenn auch Ihr Lust auf Schwedisch-Lappland bekommen habt, hier geht’s zu meiner Reise: Huskyabenteuer in Lapplands Drag.
Euer Eric

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