Indiens Perle Rajasthan

Indien! Rajasthan! Bei dem Begriff erstrahlen sofort Bilder von Frauen in bunten Saris, kunstvollen Paläste, opulenten Tempel und undurchdringlichen Basaren vor meinem inneren Auge. Doch das, was ich während dieser Rundreise erleben sollte, dem konnten kein Dokumentarfilm, kein Reiseführer und keine Berichte gerecht werden. Man muss es erLEBEN.

3 Wochen, über 3.500km und 18 muntere Wikinger. Mit Bus, Tuktuk, Fahrradrikscha, auf Kamelen und hoch auf dem Elefantenrücken bereisten wir diese Region Indiens. So vielfältig die Bewegungsmöglichkeiten, so zahlreich die Erlebnisse.

Tag 1-2. Ankunft am Flughafen in Delhi. Neugierig wird bereits am Gepäckband Ausschau gehalten. Wer könnte wohl ein mitreisender Wikinger sein? Eine halbe Stunde später waren wir versammelt. Bunt zusammengewürfelt standen sich vier Paare, 8 allein reisende Damen und ein allein reisender Herr gegenüber. Sohan, unser einheimischer Reiseleiter, begrüßte uns mit fließendem Deutsch und schaffte es die heitere und erwartungsvolle Stimmung noch ein wenig zu steigern. Auf der Fahrt ins Hotel erklärte er, dass wir die nächsten 3 Wochen wie eine Familie sein würden. Was am Anfang noch ein wenig absurd klang, sollte sich aber im Laufe der Reise bewahrheiten.

Während unserer Reise waren wir durchgehend in guten Hotels der Mittel- bis gehobenen Klasse untergebracht. Einige davon waren sogenannte Heritage-Hotels, ehemalige Paläste, die zu Hotels umgebaut wurden. Nach einer kurzen Pause zum frisch machen, begann das Abenteuer Indien!

Mit unserem Reisebus, klimatisiert, erkundeten wir die Sehenswürdigkeiten Delhis und waren zunächst eingeschüchtert von dem Trubel auf den Straßen. Sohan führte uns gewissenhaft von Ort zu Ort und erklärte ausführlich die Bedeutung und geschichtlichen Hintergründe der einzelnen Monumente. Immer wieder erheiterte er mit netten Anekdoten die Erläuterungen, sodass wir ihm gerne zuhörten. Auf unserer Streife durch Delhi besichtigten wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt und besuchten am Abend einen Sikh-Tempel. Nachdem wir unsere Schuhe ausgezogen und unsere Köpfe bedeckt hatten, durften wir ins Innere eintreten. Gläubige murmelten in einem Singssang Gebete, Glocken und Gongs erklangen und fremde Gerüche hingen in der Luft. Dies war eine der intensivsten Erfahrungen, die wir machen sollten.

Nach einem aufregenden ersten Tag fielen wir erschöpft ins Bett. Am nächsten Tag sollte auch schon ein Höhepunkt der Reise folgen.

Das Taj Mahal

Tag 3. Taj Mahal

Das vielleicht berühmteste Bauwerk der Liebe versetzte uns mal wieder in Staunen. Wie auf Wolken scheint es zu schweben und ein nicht enden wollender Besucherstrom bewegte sich zu seinen Füßen. Doch allein dieser faszinierte uns. Noch nie wurde ich in so kurzer Zeit so oft angelächelt und gefragt ob man mit mir ein Foto machen dürfte wie dort. Gerne, im Gegenzug erhielt ich wunderschöne Aufnahmen von Frauen in kunstvollen Saris, jungen Indern und ganzen Familien. Die wahrscheinlich schönsten Erinnerungen. Überwältigt von der Pracht und der Wirkung auf die Menschen saßen wir abends lächelnd im Bus und waren mit uns und der Welt im Reinen.

Tag 4. Früh am Morgen des nächsten Tages erreichten wir das UNESCO-Weltkulturerbe „Fathepur Sikri“. Da wir als erste Gruppe vor Ort waren, konnten wir die Stille und mystische Stimmung, die über der Anlage schwebte, ganz für uns genießen. Man spürte wahrhaftig den Geist der einstigen Herrscher in den fein ziselierten Mauern. Papageien flogen durch die Luft und Affen grinsten vom Dach. Eine andere Welt! Als Kontrastprogramm zur reichen Kultur, durchstreiften wir am Nachmittag per

Fahrradrikscha den Nationalpark Bharatpur. Zahlreiche Vogelarten lassen sich erspähen wie z.B. der Kingfisher oder der Buntstorch.

Indien auf dem Land

Tag 5.-7. Wir hatten nun die Großstädte hinter uns gelassen und befanden uns in ländlicheren Regionen. Wir begegneten Frauen mit Wasserkrügen auf dem Kopf, Kamel- und Ochsenkarren im Straßenverkehr und Chai trinkenden Herren am Wegesrand. Langsam fühlte sich auch unsere Familie heimisch. Nur für die Bewohner waren wir eine Sehenswürdigkeit, sodass sogar ein Reporter des Lokalfernsehens auftauchte um mit Sohan und uns ein Interview zu führen. Im Jeep begaben wir uns auf Tigersafari. Zwei Mal suchten wir, leider vergeblich, den König des Djungels im Ranthambore Nationalpark. Dennoch hatte die Fahrt tolle Aufnahmen der Tierwelt Rajasthans hervorgebracht. Hirsche und Antilopen, ein Krokodil und unglaublich vielfältige Landschaften. Eifersüchtig waren wir trotzdem, als wir eine andere Reisegruppe trafen, die ganze 20 Minuten lang einen Tiger beim Verspeisen einer Antilope ablichten konnte.

Tag 8.-9. Wir verließen die Natur und begaben uns über Bundi als Zwischenstation nach Udaipur, dem Venedig des Ostens. Der berühmte Stadtpalast mit Blick auf das „Lake Palace Hotel“, das schon als Drehort für einen James Bond Film diente, verschlug uns abermals die Sprache. Bunt bemalte Fassaden, unzählige verschnörkelte Fenster und überall Mosaike aus bunten Glas- und Spiegelscherben. Ein Hauch von tausend und einer Nacht!

Tag 10.-11. Nach zwei Tagen reinen Kulturprogramms zog es uns Wikinger wieder in die Natur. Dieses Mal aktiv, wie auch das Motto von Wikinger verspricht. Also Wanderstiefel geschnürt und ab in die Aravelli Berge. Wir unternahmen zwei Wanderungen von ja drei Stunden Gehzeit. Die erstere führte uns von einem Fort zunächst über deren Burgmauern entlang zu einem leicht steilen Abstieg ins Tal. Einen Bachlauf folgend lernten wir so die grüne Landschaftsvariante Rajasthans kennen und einige meiner Mitwanderer erspähten sogar Flusskrebse im Wasser. Große Freude bereiteten wir den Kindern in einem Dorf, als wir ihnen ein wenig Süßes zusteckten. Touristen verirren sich nur selten in diese Gegend und so bekamen wir einen authentischen Eindruck in den Alltag des Bergdorfes. Während der zweiten Wanderung liefen wir konstant zu Füßen der Kumbhalgarh Festung. Auch hier erspähten wir einheimische Tiere. An die Affen in den Bäumen waren wir mittlerweile gewöhnt, aber die Eidechsen taten es unseren Kameras an. Erschöpft von der ungewohnten Bewegung, nach so vielen Busfahrten, waren wir glücklich als wir nach unserer Mittagsrast wieder von unserem lächelnden Busfahrer abgeholt wurden.

Jaisalmer und Kameltrekking

Tag 13. Das nächste Highlight für mich sollte schon bald folgen. Jaisalmer! Allein der Klang des Namens bereitet mir schon Freude. Unwirklich schwebt die Stadt über dem Wüstensand. Die Altstadt betörte mich mit seinen unzähligen, verwinkelten Gassen, kunstvollen Havelis und dem bunten Basar. Da schlägt das Herz höher und das nicht nur wegen der unzähligen Souvenir Einkaufsmöglichkeiten. Dem Bann Jaisalamers ist nur schwer auszuweichen und so wundert es nicht wirklich, dass hier zahlreiche Aussteiger hängen geblieben sind. Uns blieb leider nur ein Nachmittag in diesem Märchen, denn am nächstenTag sollte unser 3-tägiges Wüstenabenteuer beginnen.

Tag 14.–16. Man hört ja viel von Kameltouren. Schaukeln soll es, anstrengend für den Rücken sein, ungewohnt hoch… Aber keiner bereitet einen darauf vor, was der Perspektivwechsel bewirkt. Die Landschaft wird komplett anders wahrgenommen. Aber der Reihe nach. Wir treffen also am Ausgangspunkt unserer Tour ein. Nach einem köstlichen Mittagessen (inklusive) wurden uns die Kamele mit jeweiligem Kameltreiber zugeteilt. Ich durfte die kommenden 3 Tage auf dem Rücken von Kali verbringen. Ob sie mir deshalb zugeteilt wurde, weil sie mit rosa Schleifchen geschmückt war, oder ihre Glöckchen zu meinen in Jaisalamer erstandenen Fußkettchen passten, ich weiß es nicht. Tatsache ist, dass ich mit dieser Fügung sehr zufrieden war. Nachdem das Aufsitzen und Aufstehen!, was die wahre Kunst ist, überstanden waren, schritten wir gemächlich los. Erst am zweiten Tag trauten die Kameltreiber uns das Traben zu. Wir übernachteten in für uns aufgebauten Zeltcamps. Bei unserer Ankunft stand bereits alles bereit, Doppel- sowie Einzelzelte, das Essenszelt, sowie für Männlein und Weiblein getrennte Toilettenzelte. Selbst der Chai war schon aufgesetzt und wurde mit Keksen gereicht. Zum Abendessen erwartete uns ein 3-Gang-Menü, wovon keiner von uns es für möglich gehalten hätte, dies in der Wüste zu zaubern. Wirklich schmackhaft. Nach dem Essen lud uns Sohan noch zu einer Rum-Cola am Lagerfeuer ein. Die Sterne über uns waren zum Greifen nah und als ein Mitreisender ein Lied anstimmte sangen wir nur zu gerne die melancholische Melodie mit. Es war definitiv einer der unvergesslichsten Momente dieser Reise.

Das Kameltrekking an sich verband unsere „Familie“ noch ein wenig fester miteinander. Und selbst die Kameltreiber wurden Teil davon. Dank Sohan, der uns immer wieder einige leichte Redewendungen auf Hindi beibrachte, konnten wir uns sogar ein wenig verständigen. Mein Kameltreiber war so angetan davon, dass er mich immer wieder Sätze auf Hindi wiederholen ließ, deren Bedeutung ich erst viel später von Sohan erfahren sollte. Sab tik tak he! Alles ist bestens! Am dritten Tag viel der Abschied von Kali und der Begleitmannschaft unerwartet schwer. Doch unsere Reise sollte noch weiter gehen…

Tag 17. Die nächste Etappe führte uns nach Pushkar. Einer der Wahlfahrtsorte Indiens! Die Badetreppen erstrecken sich rund um den See und eifrige Priester baten uns gegen ein kleines Entgelt an, für uns und unsere Liebsten zu beten. Für unsere Gruppe zeichnete sich Pushkar hauptsächlich durch unser wunderbares Hotel aus. Das Jagat Palace Hotel, ein 4**** Haus, ist im Stil eines alten Maharadscha-Palastes erbaut. Jedes Zimmer ist individuell gestaltet. Mit Himmelbett, Wandmalereien und Chaiselongues. So ließe es sich als Maharani aushalten. Leider schwelgten wir nur eine Nacht an diesem Ort, den der letzte Höhepunkt stand bevor.

Tag 18.-19. Eine Halbtagesfahrt brachte uns nach Jaipur. Die Pink City, Wohnort von Sohan und Standort des berühmten Palast der Winde. Unsere letzten zwei Programmtage in Rajasthan sollten uns noch einmal überwältigen. Der Besuch bei Sohans Familie Zuhause gab tiefe Einblicke in den Alltag und das Leben einer mittelständischen, indischen Familie. Es wurden Fotoalben ausgepackt und Stolz von der Hochzeit der Söhne und der Geburt der ersten Enkelin erzählt. Frau und Schwiegertochter lächelten uns schüchtern zu und servierten Chai. Und wieder einmal konnten wir zwei Herzen mit unseren paar Brocken Hindi für uns gewinnen. An kulturellen Sehenswürdigkeiten hat Jaipur auch einiges zu bieten. Auf einer Riksha-Fahrt bekamen wir einen ersten Einblick in die Altstadt und den Basar. Am Folgetag sollten die ausführliche Besichtigung des Observatoriums, Stadtpalastes und der wohl schönsten Fassade der Welt folgen. Unübertrefflich war natürlich der Ritt auf dem Elefanten hoch zum Amber-Fort. 100 Elefanten dürfen täglich 1000 Touristen auf ihrem Rücken befördern. Und so stellten wir uns nur zu gern in die Touristenschlange um zu diesen tausend zu gehören. Bunt bemalt, mit Glöckchen an den Füßen und munter trompetend erwarteten uns die Dickhäuter. Ein wenig mulmig war mir schon beim Einstieg in die Howda, aber ein Erlebnis war es alle Mal. Hoch oben, im Innenhof, wurden wir von indischen Musikern unter lautem Getrommel in Empfang genommen. Und wieder einmal spürte ich meinen Herzschlag!

Tag 20.–21. Und schon waren drei bezaubernde Wochen vorbei. Der nächste Tag brachte uns einen 8-stündigen Rücktransfer nach Delhi, bevor es nach einer kurzen Nacht zum Flughafen ging und zurück nach Deutschland.

Was lässt sich letztendlich über die Reise sagen? Sie zieht einen in den Bann, hält einen gefangen und erscheint so unwirklich, wie man es nicht für möglich hält. Selbstverständlich gab es Magenverstimmungen, Dreck und hin und wieder ein Ziehen in der Nase. Doch all dies wird nach wenigen Tagen zu einer Selbstverständlichkeit, dass man nach der Rückankunft in Deutschland die Kühe auf der Straße sucht. Was für mich unvergesslich bleibt, ist die Offen- und Herzlichkeit der Menschen. Ich habe noch nie in einem Leben 3 Wochen am Stück nur gelächelt. Ich wünsche mir für mich, ein wenig davon für den Alltag hier beibehalten zu können, als Gegenleistung für das Stück meines Herzens, das ich an dieses Land verloren habe…

Und wann reist du nach Indien?
Phir milenge, Nicole Kuhn

Ein Kommentar zu „Indiens Perle Rajasthan“

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