Island – Liebe auf den zweiten Blick!

Mein erstes Mal Island und das nur für zwei Tage, ein nordischer Crashkurs sozusagen. Von meinen Eindrücken möchte ich euch hier berichten…

Eigentlich bin ich ja eher so der südliche Typ.

Es kann nie warm genug sein, eine vielfältige und bunte Flora, als auch die mediterrane Lebensart, begeistern mich. Der nördlichste Punkt an dem ich bislang war, ist London. Auch wenn fast alle in meinem Bekanntenkreis von Island und Skandinavien schwärmen, setzte sich in meinem Kopf das Bild vom nasskalten Wetter, Mückenplagen und grimmigen Eigenbrötlern fest. Alles Klischees, ich weiß. Umso mehr wurde es Zeit mich vom Gegenteil zu überzeugen!

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Island heißt uns Willkommen!

Zwei Tage Island durfte ich erleben.

Unsere Ankunft war kurz vor Mitternacht. Während des Landeanfluges wurde die Wolkendecke immer dicker. Eigentlich hatte ich erwartet einen ersten Blick auf die Insel aus Feuer und Eis erhaschen zu können… Pustekuchen! Die Brühe wurde immer dicker und dann fing es auch noch an zu regnen. Na toll, dachte ich mir. Klischee Nummer eins wäre hiermit bestätigt! Was ich nicht erwartet hatte, war die Helligkeit zu dieser Uhrzeit. Natürlich hatte ich schon davon gehört, dass es im Sommer nachts nicht dunkel wird, aber es selbst mitzuerleben hatte mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich war absolut nicht müde, als ich kurz nach halb zwei in unserem Hotel in Grindavík ankam. Doch eine heiße Dusche später fielen auch mir die Augen zu.

Island in zwei Tagen, das heißt ein straffes Programm erwartete mich.

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Geysir Strokkur

Geysir und Strokkur, das Butterfass

In nur sechs Stunden erlebten wir den Golden Circle als „Express“ Variante. Erster Halt: Geysir und Strokkur, das Butterfass. Der Urvater aller Geysire befindet sich auf Island, und genau vor dem stand ich nun. Leider ist eine sprudelnde Fontäne eher selten anzutreffen. Nicht so beim Strokkur, dieser bietet ca. alle 10 Minuten ein atemberaubendes Spektakel. Wenn nur der Himmel nicht so grau gewesen wäre, dann wären die Fotos viel besser geworden!

Der „goldene Wasserfall“ Gullfoss

Weiter ging es zum „goldenen Wasserfall“, dem Gullfoss. Der Name basiert auf dem goldenen Schimmer, der den Wasserfall bei Sonnenuntergang umspielt. Doch auch bei Regen war ich beeindruckt von den tosenden Wassermassen, der sprühenden Gischt und der Ehrfurcht vor der Naturgewalt, die einen augenblicklich in den Bann schlägt. Leicht durchnässt erwartete uns im Besuchercenter ein heißer Lammeintopf. Selten habe ich eine wärmende Mahlzeit so genossen.

Nationalpark Thingvellir

Gestärkt fuhren wir weiter in den Nationalpark Thingvellir. Ein historisch sehr wichtiger Ort für die Isländer. Aber auch geographisch einer der Hot Spots der Insel. Hier treffen die eurasische und die amerikanische Platte aufeinander und driften pro Jahr ca. 2 cm auseinander. Geologie zum Anfassen!

Reykjavik

Nachdem wir uns also ausgiebig den Naturphänomenen gewidmet hatten, ging es nach Reykjavik. Kürzlich erst habe ich in einer Reisezeitschrift gelesen, dass Reykjavik zu den Top-Ten der europäischen Trendmetropolen zählt. Die Stadt mit ihren 121.230 Einwohnern (im Stadteinzugsgebiet 200.000) ist im Vergleich zu deutschen Großstädten eher klein, jedoch umgibt sie ein ganz besonderes Flair. Rund um die neue Konzerthalle Harpa und die Fußgängerzone Laugavegur entfaltet sich eine Mischung aus Kunst und Szeneviertel. Viele lokale Designer und Künstler haben hier ihre Läden und auch die Museumsdichte von mehr als 30 Stück im Stadtgebiet ist beeindruckend. Auch die Vielfalt an Bars, Kneipen und Restaurants ist erwähnenswert. Allgemein hatte ich während meines Aufenthaltes den Eindruck, dass die Isländer eine sehr ausgeprägte Gastrokultur zelebrieren. Ich kann von mir nur sagen, ich war begeistert. Und Reykjavik ist auf jeden Fall mehr als nur einen Abstecher wert. Ich komme wieder und dann für länger 🙂

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Inlandsflug mit Fokker50

Akureyri – Vulkane und Gletscher

Den zweiten Tag verbrachten wir im hohen Norden Islands. Morgens um 7 Uhr flogen wir in einer Fokker50 von Reykjavik nach Akureyri. Bei guten Sichtverhältnissen hätten wir die Vulkane und Gletscher des Hochlandes bestaunen können. Da wir aber wieder in eine dicke Wolkendecke eingehüllt waren, blieb zumindest Zeit für ein kleines Nickerchen 🙂

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Godafoss

Angekommen in Akureyri erwartete uns ein beschauliches kleines Städtchen mit ganz eigenem Charme. An einem Fjord gelegen, mit Blick auf schneebedeckte Berge im Hintergrund, hat man direkt das Gefühl abschalten und zur Ruhe kommen zu können. Von Akureyri ging es mit dem Bus in Richtung Myvatn-Gebiet. Erster Stop, der Wasserfall Goðafoss. Auch um diesen Wasserfall ranken sich zahlreiche isländische Sagen. Was ich allerdings viel spannender fand, war meine Begegnung mit dem Wikinger-Reiseleiter Volker Boehlke, den ich zuletzt auf Teneriffa getroffen habe. Ihn dort am Goðafoss anzutreffen, damit hätte ich niemals gerechnet. Island ist halt doch nicht so groß, wie man denkt 🙂

Highlights des Nordens

Von Wassermassen, die in die Tiefe stürzen, fuhren wir weiter zu ruhigerem Gewässer, dem Myvatn. Der „Mückensee“ ist eines der Highlights im Norden Islands. Zahlreiche „Pseudovulkane“ säumen die Ufer und Ornithologen geraten ins Schwärmen, aufgrund der hohen Vielfalt an Vögeln. Wir fuhren entlang des Sees und immer wieder gab es tolle Zwischenstopps für das ein oder andere Foto. Unsere Reiseleiterinnen berichteten uns begeistert von der „neuen“ Berühmtheit dieses Gebietes. Viele Szenen der Kultserie „Game of Thrones“ wurden hier gedreht. Es gibt bereits die ersten Fantouren, die gezielt die einzelnen Drehorte ansteuern und die Szenen wieder aufleben lassen.

Lavaburgen von Dimmuborgir

Wir fuhren weiter zu den Lavaburgen von Dimmuborgir, der Heimat der isländischen Weihnachtsmänner (ja Plural, die Isländer haben 13 Weihnachtsmänner) und Trolle. Und tatsächlich, während man durch die gehärteten Lavaformationen wandert, kann man seiner Phantasie freien Lauf lassen. Stundenlang hätten wir uns hier noch aufhalten können, doch leider nahm der Regen immer weiter zu, also schnell los.

Schwefelquellen in Námaskarð

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Schwefelquellen von Namaskard

Unser nächstes Ziel waren die Schwefelquellen in Námaskarð. Kaum waren wir aus dem Bus ausgestiegen, umhüllte uns eine Wolke aus intensivem Schwefelduft. Das der nicht gut riecht, brauche ich an dieser Stelle nicht zu erwähnen. Interessant war jedoch unsere Schuhbekleidung. Damit sich der aggressive Schlamm nicht in unseren Wanderschuhen festsetzt, banden wir uns Mülltüten um die Schuhe. Sah komisch aus, hat aber tatsächlich geholfen. Und die anderen Touristen haben uns neidische Blicke zugeworfen, als wir mit sauberen Schuhen zurück in den Bus steigen konnten, während sie noch am Stampfen und Schrubben waren. Die Schwefelquellen an sich sind absolut sehenswert. In zahlreichen Löchern brodelt, gluckert und dampft es. Die Farbpalette reicht von Weiß, über Gelb bis Anthrazitschwarz. Ein Augenschmaus!

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Schuhschutz der anderen Art

Blaue Lagune am Myvatnsee

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Kleine Blaue Lagune am Myvatn

Nach den intensiven Besichtigungen hatten wir uns eine Erholung verdient. Also gab es eine Pause in der kleinen blauen Lagune am Myvatnsee. Nicht so bekannt wie die große Schwester in Reykjavik, dafür aber auch bei Weitem nicht so überlaufen, bietet die Lagune mit ihren heißen Quellen wahre Entspannung bei großartigen Ausblicken. So gefällt mir Island 🙂

Entspannt und aufgewärmt ging es zurück via Akureyri nach Reykjavik. Vor unserem Abflug nach Deutschland um kurz nach Mitternacht wurden wir noch zu einem phänomenalen Dinner in der Blauen Lagune von Reykjavik eingeladen. Allein am Empfangsbereich wurde der Unterschied zur Blauen Lagune am Myvatn deutlich. Das Marketing hat keine Kosten und Mühen gescheut um hier ein professionelles Wellnessresort aufzubauen. Das Restaurant jedoch hat ein tolles Ambiente und ist in die Umgebung hervorragend eingebettet. Und das Essen schmeckt auch super 😉

Noch ein abschließender Transfer zurück zum Flughafen Keflavik, einige Einkäufe im DutyFree Bereich (es gibt ganz tolle Bücher mit isländischen Sagen und Märchen) und schon war mein Aufenthalt auf Island auch schon wieder zu Ende.

Zum Schluss noch mein Fazit:

Ja Island ist karg, aber in seiner Kargheit so vielfältig und formschön wie ich es nie erwartet hätte.

Das Wetter ist durchwachsen. Ich hatte während meiner zwei Tage nur bewölktes oder regnerisches Wetter. Es gibt laut unserer Reiseleiter aber wohl auch zahlreiche Sonnentage und über 20°C. Mir persönlich hat das „schlechte“ Wetter aber ehrlich gesagt sogar gefallen. Es verleiht Island einen unglaublichen Charme wenn die Wolken tief über dem Land hängen, sich Nebelschleier über dem Hochland bilden oder sich winzige Regentropfen auf den Moosen und Flechten niederlassen. Island bei Sonne wäre da schon eher merkwürdig.

Am „Mückensee“ wimmelt es vor Mücken?! Auch das ist falsch 🙂 Es sind kleine, schwarze Fliegen, die dem See seinen Namen verliehen haben. Die Fliegen sind zwar lästig, aber sie stechen nicht (Durchatmen für Allergiker wie mich).

Von wegen, die nordische Bevölkerung ist eigenbrötlerisch. Absolut falsch. Ich habe noch nie so viele, so herzliche Menschen in so kurzer Zeit kennengelernt. Ein so sympathisches Völkchen, immer einen Witz auf den Lippen und so liebenswürdig, wie wohl kaum ein anderes.

Supper Club Akureyri
Isländische Weihnachtsmänner
Ich kann abschließend nur sagen: ich fahre definitiv noch einmal nach Island! Mit mehr Zeit. Ich bin vielleicht nicht infiziert und muss jeden Urlaub dort verbringen, aber ich habe die Insel und seine Bewohner schätzen gelernt. Die Vielfalt, das Außergewöhnliche, den Abenteuercharakter. Auch wenn Island kein weißer Fleck mehr auf der Karte ist, so hat man doch das Gefühl, dass man kein Tourist ist, sondern ein Entdecker. Und dieses Gefühl hatte ich bisher nur auf Island!
Eure Nicole

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