Istrien – eine Wanderwoche in Kroatien

Am Pfingstsonntag begaben sich 20 Mitglieder der PSC Wander- und Touristikabteilung auf Auslandswanderreise: Istrien mit Wanderungen und Kultur stand auf dem Programm.

Ein angenehmer Flug brachte uns nach Venedig, wo wir von „Anita“, einer sympathischen, österreichischen Reiseleiterin empfangen wurden. Von dort brachte uns ein Bus ins Hotel „Valamar Riviera“ im Zentrum von Porec, zwischen Altstadt und Uferpromenade gelegen.

Ausgangspunkt der ersten Etappe am Montag war der Vorplatz einer stattlichen Kirche und Campanile des Ortes Zavrsje-Piemonte, der schon vor der Römerzeit besiedelt war. Viele der italienisch-stämmigen Einwohner haben im Verlauf der wechselhaften Geschichte das unter kroatischer Kontrolle stehende Städtchen verlassen, um in ihre Heimat zurückzukehren. Ihre Häuser existieren teils noch als Ruinen, andere wurden von den wenigen verbliebenen Einwohnern erhalten und sind heute noch bewohnt. Die ehemalige Stadtmauer ist nur noch teilweise vorhanden, ebenso eines der beiden Stadttore. Wegen ihrer historischen Bedeutung wurden einige markante Bauwerke mit EU-Unterstützung restauriert. Auf der alten Bahntrasse „Parenzana“, die zwischen 1902 und 1935 Porec und Triest verband und der Beförderung von Erholungssuchenden und dem Transport verschiedenster Güter (Wein, Salz, Olivenöl, Früchte, Gemüse und Holz) diente, strebten wir unserem Tagesziel Groznjan entgegen. Heute befördert eine Kleinbahn Touristen zwischen Vizinada  und dem besonders sehenswerten Ort Motovun. Unterwegs legten wir mehrere Stopps ein, wobei Anita uns sachkundig die Fauna und Flora rechts und links des Weges erklärte. Durch sanfte Täler, ausgedehnte Olivenhaine und über Weinberge erreichten wir das mittelalterliche Bergdorf Groznjan mit seiner typisch istrischen Steinarchitektur. Heute ist der Ort als Domizil vieler Künstler und für die sommerlichen Konzerte berühmt. Nach Einkehr in ein Café mit origineller Dekoration und einzigartigem Flair erkundeten wir die engen Gässchen mit einer bemerkenswerten Ansiedlung von Galerien, Ateliers und Kunstwerkstätten.

Am Dienstagvormittag ging es auf einer Halbtagswanderung an der Küste entlang und über endlos grüne und schattige Strände mit herrlichen Ausblicken auf das Adriatische Meer von Cervar Port zurück nach Porec. Der freie Nachmittag bot sich auf vielfältige Art an, Porec zu erkunden, dessen historischer Stadtkern auf einer kleinen Halbinsel gelegen ist. Die Häuserfassaden und Plätze spiegeln die von Römern, Byzantinern, der österreichisch-ungarischen Monarchie und von Italien und Jugoslawien geprägte Geschichte wider. Hauptattraktion der Stadt ist die frühchristliche, dreischiffige Euphrasius-Basilika aus dem 6. Jh. mit imposanten Ausmaßen und kostbarer Ausstattung: 18 Marmorsäulen mit byzantinischen und romanischen Kapitellen und prächtigen Mosaiken. Der Aufstieg auf den Glockenturm wird mit einem Panoramablick über die Altstadt und die Umgebung von Porec belohnt. Die Basilika wurde 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben. Zum Spazieren und Relaxen nutzten einige Reiseteilnehmer die in Sichtweite unseres Hotels gelegene Insel Sveti Nikola, die in wenigen Minuten per Bootstransfer zu erreichen ist und deren Bade- und Wellness-Einrichtungen auch den Hotelgästen vom Festland zur Verfügung stehen. Schließlich (ver)lockten beim Bummel durch die malerischen und gepflegten Gassen zahlreiche Boutiquen zum Shoppen und Souvenirkauf.

DSC02293
Licht- und Schattenspiel am Wegesrand

Anitas ausführliche Beschreibung der für Mittwoch vorgesehenen Wanderung erweckte schon am Vorabend unsere Neugier: Das Festungsdorf „Motovun“ sollte das Ziel sein. Zwischen Feldern, Wiesen und kleinen Weihern ging es zunächst nach Vizinada. Dort folgten wir wieder der Trasse der „Parenzana“, heute als „Weg der Gesundheit und Freundschaft“ bezeichnet und wegen ihrer spektakulären Ausblicke und der Wegführung über Viadukte und durch Tunnels, eine bei Radfahrern und Wanderern gleichermaßen beliebte Strecke. Für die Mittagsrast hatte Anita einen besonders interessanten Ort ausgewählt: An der Bahnstation Rakotule wurden wir vom uniformierten „Stationsvorsteher“ mit Klängen istrischer Volksmusik begrüßt und unterhalten. Vom  angegliederten Landgut aus genossen wir mit Blick auf Motovun die dekorativ angerichteten landestypischen Köstlichkeiten aus Oliven und Trüffel, für deren reiche Vorkommen die umliegenden Wälder bekannt sind. Auch die in originellen kleinen Keramikkrügen servierte istrische Suppe war gefragt. Wie bestellt, fuhr auch noch der „Parenzana train“, besetzt mit einer vergnügten,  singenden Kinderschar, ein. Beim Anblick der erhabenen Zypressenallee, des mit Zinnen gekrönten Wehrturms und den am steilen Hang „klebenden“ Häusern  Motovuns fühlte man sich in die Toskana versetzt. Tatsächlich war der strategisch günstig gelegene Ort ab dem 13. Jh. für mehrere Jahrhunderte in venezianischer Hand und wurde von den Besitzern mit einem inneren und äußeren Mauerring mit Wehrtürmen und Stadttoren befestigt. Der Anstieg (277 m) über eine steile Straße und ebensolche rustikalen Stufen führte schließlich zur Loggia und dem Hauptplatz mit der Stefanskirche, dem Campanile und Kastell, in dem heute ein Hotel mit schöner Aussichtsterrasse unter alten Kastanienbäumen etabliert ist. Der Rundgang auf der 500 m langen inneren Altstadtmauer mit Panoramablick in die Weiten des Mirna-Tales war im wahrsten Sinne des Wortes einer der Höhepunkte der Wanderwoche.

Für Donnerstag war keine Wanderung, sondern eine Fahrt nach Pula angesagt. Ein Stadtführer vor Ort führte uns zunächst zum Wahrzeichen der Stadt, dem von den Römern erbauten Amphitheater, eines der größten Europas. Die Arena wird in den Sommermonaten sowohl für Klassik-Aufführungen als auch für volkstümliche Unterhaltungsveranstaltungen genutzt. Beim anschließenden Rundgang durch die Innenstadt besichtigten wir die geschichtlich bedeutenden Bauwerke Pulas und erfuhren Interessantes zur Geschichte der Stadt und des Landes. Anschließend bestand Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden und weitere Sehenswürdigkeiten, wie Augustus-Tempel, Rimski-Mosaik oder die im Jugendstil  erbaute Markthalle zu entdecken.

Eine Tageswanderung führte uns am Freitag vom Hafenstädtchen Vrsar landeinwärts Richtung Limski-Kanal. Durch lichte Karstlandschaft erreichten wir einen Aussichtpunkt. Während ein Teil der Wandergruppe mit Anita über einem steilen Felspfad zur „Grotte der Piraten“ hinabstieg, genoss die Restgruppe den schönen  Ausblick auf den von einzigartiger Naturlandschaft umgebenden fjordartigen Kanal, der 10 km ins Landesinnere reicht. Weiter ging unser Weg durch die Macchia-Landschaft, die in dichten Laubwald überging, nach Klostar. Nach der Mittagsrast in einem für seine Grillspezialitäten bekannten Ausflugslokal brachte uns der Bus zurück in das reizvolle Fischerstädtchen Vrsar, das einst den Bischöfen von Porec als Sommerresidenz diente. Anitas Empfehlung, das Panorama am besten von der auf dem Berg gelegenen Altstadt genießen zu können, konnten die meisten Wanderer nicht widerstehen. Nach moderatem Aufstieg durch die terrassenförmig am Hang angelegten pittoresken Gässchen mit dem überragenden Glockenturm der Kirche St. Martin, eröffneten sich dem Betrachter immer wieder bezaubernde Ausblicke auf die Hafenanlagen und die Inselgruppe aus 18 kleinen, unbewohnten und mit mediterranen Pflanzen bewachsene Inseln. Dieser Anblick soll auch schon Casanova begeistert haben. Ein Spaziergang über die Hafenpromenade und durch einen Skulpturenpark beendete diesen Wandertag. Dank der sommerlichen Temperaturen war uns am Abend vor der Kulisse der Hafeneinfahrt mit ihren beiden Leuchttürmen als i-Tüpfelchen noch das begehrte Fotomotiv eines jeden Aufenthaltes am Meer beschert: ein opulenter Sonnenuntergang.

Am Samstag, unserem letzten Wandertag, bot sich je nach Kondition und Interesse zunächst eine Alternative für Weitwanderer und Strandliebhaber. Der Weg führte die Weitwanderer durch ein sehr schönes Naturreservat mit Tierbeobachtungsstationen. Nach 6 Kilometern trafen sie auf die Strandgenießer, um dann gemeinsam weitere 11 km entlang der Küste in die historische Hafenstadt Rovinj zurückzulegen. Der Aufenthalt in diesem Bilderbuchstädtchen mit ineinander verschachtelten Häusern und einem Geflecht winkeliger Gassen, Bars, Läden und Künstlerateliers wurde  einschließlich des Aufstiegs zur barocken Basilika der Schutzheiligen Euphemia als krönender Abschluss dieser Reise empfunden.

Am Sonntag, dem letzten Urlaubstag, traten wir in bester Stimmung via Venedig die Heimreise an.

Einhellig waren alle Teilnehmer der Meinung, eine Mittelmeerreise mit optimalen Bedingungen für traumhafte Wanderungen durch artenreiche, unberührte oder historische Landschaften bei guter Stimmung und vor allem super Wetter erlebt zu haben.

Beeindruckend waren auch die Begegnungen mit den überaus freundlichen und aufgeschlossenen Menschen unseres Gastlandes, die uns immer wieder mit ihren ausgezeichneten deutschen Sprachkenntnissen überraschten, so dass ihre eigene, uns nicht geläufige Sprache, kein Hindernis für die Verständigung darstellte.

Wir bedanken uns bei Anita, unserer Reiseleiterin, die den Istrien-Aufenthalt engagiert begleitet und bereichert hat.

Monika Biehl, Ursula Pietschker

Schreibe einen Kommentar