Jordanien – Auf den Spuren der Nabatäer

1. & 2. Tag: Die Anreise nach Jordanien war recht gemütlich. Die Maschine der Royal Jordanian flog pünktlich um 15.40h ab Frankfurt und landete um 22.10h in Amman. Wir wurden herzlich von Osama, unserem Reiseleiter, empfangen, problemlos durch die Passkontrolle geleitet und zu unserem Hotel gebracht. Gut ausgeschlafen starten wir am nächsten Morgen unsere erste Wüstentour. Wir sind eine „bunte Truppe“, zwischen ca. 39 und 73 Jahre alt, 10 Damen und 8 Herren, und beschnuppern uns auf der Busfahrt hinaus aus Amman zu den berühmten Wüstenschlössern Quasr Amra und Kharrana. Nach einem nachdenklichen Spaziergang durch das Naturschutzgebiet nahe der Oase Azraq erleben wir erstmals die gute Jordanische Küche. Wir probieren „MAQLUBA„ heißt: „Umgekipptes“ – ein köstlicher Eintopf aus Gemüse, Reis, Nüssen und Hühnerfleisch, der gestürzt wird und für uns frisch zu bereitet wurde. Dazu wird Joghurt gereicht. Nach diesem guten Essen fahren wir zurück nach Amman und genießen vom Jabal al-Qala den schönsten Blick über die Stadt, lassen das bunte Treiben in den Gassen des Suqs auf uns wirken und sind spätestens beim Abendessen in einem Altstadtlokal bei „Mezze“ – vielen verschiedenen Vorspeisen – und anregenden Gesprächen in diesem wunderbaren Land angekommen.

3.Tag: Wir verlassen Amman und fahren nach Norden in das Ajlun Naturreservat. Osama hat gestern im Suq für uns alle ein Picknick eingekauft und wir verteilen die Leckereien auf unsere Rucksäcke, bevor wir unsere Wanderung über den „Soap maker`s trail“ beginnen. Erst jetzt begreifen wir das Erlebte des gestrigen Tages, an dem wir leider nur noch den winzigen Rest eines einst riesigen Feuchtgebietes sahen und damit hautnah die Folgen des ständig steigenden Wasserbedarf der Großstädte. Heute sind wir im regenreichsten Gebiet Jordaniens, in einer vollkommen anderen Landschaft, Blümchenwiesen, Feigen – und Olivenhaine, fast mediterran anmutend. Kaum einer von uns wusste, dass diese Landschaft eben auch zu Jordanien gehört. Glücklich fahren wir nach der Wanderung weiter nach Jerash – der einstigen römischen Provinzstadt, auch als das „Pompeji des Ostens“ bezeichnet. Wer Pompeji kennt, sieht, dass der Vergleich stimmt. Es ist beeindruckend. Wir fahren weiter zum Toten Meer und fallen tot müde ins Bett.

4.Tag: Der Tag fängt sehr entspannt an. Kein Weckruf! Abfahrt ist erst nach 10h. Obwohl die Sonne es heute Morgen nicht gut mit uns meint, gehe ich im Toten Meer schwimmen. Witzig – schwimmen geht irgendwie nicht – man tanzt eher wie ein Flummi auf dem Wasser! Aber toll war es. Dann fahren wir los. Wir besuchen den Berg Nebo, wo Moses das gelobte Land erblickte und fahren weiter nach Madaba, schauen uns die berühmte Mosaiklandkarte des Heiligen Landes an. Osama hat ein nettes kleines Lokal zum Mittagessen ausgesucht. Nach machen wir uns auf zu unserem ersten großen Abenteuer – wir fahren in das Naturschutzreservat Dana und übernachten im Rummana Camp in Zelten. Wir können unser Hauptgepäck nicht mitnehmen, da wir die letzten Kilometer auf einem Transporter befördert werden, auf dem gerade mal wir Platzt haben. Also nur das Nötigste im Tagesrucksack. Es ist bei unserer Ankunft bereits dunkel, Strom gibt es nicht, die Taschenlampe ist unser Begleiter. Liebevolle Menschen kümmern sich um unser Wohl. Es ist kalt, sehr kalt. Heute Abend ist die “Vorstellungsrunde“ im Zelt bei Kerzenschein, offenem Feuer, heißem Tee und eingemummt in Decken. Jeder erzählt etwas von sich, es ist ein schöner Abend. Gegen 22h krabbeln wir alle in unsere Zelte und schlafen irgendwann ein.

5.Tag: Nachts trommelte Schauerregen auf unsere Zeltdächer, doch bei Sonnenaufgang ist der Regen vorbei. Ich mache die Augen auf und sehe zum ersten Mal mein Zelt im Hellen und nicht nur im Taschenlampenschein. Ich muss echt lachen! Ich liege auf einer Matratze in drei dicke Decken gepackt und höre wie die ersten Reißverschlüsse meiner Zeltnachbar aufgezogen werden. Jetzt schnell anziehen und raus – mein Gott, was für eine Landschaft! Zum Duschen ist es einfach zu kalt, Katzenwäsche ist angesagt. Wir sind alle fasziniert von der Landschaft und dem Erlebten, auch von den Menschen, die sich hier um uns kümmern. Es gibt heißen Tee und Frühstück bevor wir uns auf die Wanderung nach Dana aufmachen. Atemberaubende Landschaft! Unterwegs gibt es ein Picknick mit einem heißen, frisch aufgebrühten Tee – es könnte uns gar nicht besser gehen. Die Gruppe ist toll, wir sind gestern ein Stückchen mehr zusammengewachsen und machen uns nun auf zu unserem nächsten Highlight – die Felsenstadt Petra!

6.Tag: Osama hatte gestern Abend noch eine Überraschung für uns alle. Wir wurden am Hotel abgeholt und zu einem Restaurant gebracht. Dort haben wir unser Abendessen unter fachmännischer Anleitung selbst zubereitet. Wir hatten sehr viel Spaß – eine tolle Idee und ein schöner Abend. Nun ist es so weit – mein persönlicher Höhepunkt dieser Tour ist zum Greifen nah. Wir wandern durch den Sik, den Hauptzugang zu Petra, eine steilwandige Felsschlucht. Meine Spannung steigt und urplötzlich taucht es durch einen schmalen Schlitz zwischen dunklen Felswänden auf – das Schatzhaus des Pharao. Ich bin überwältigt und muss mich kneifen. Ist es wahr – klare Antwort: ja! Heute haben wir uns vorgenommen zum Ed-Deir – zum Kloster – aufzusteigen. 800 Stufen und zahllose Kehren bergan mit immer wieder wunderbaren Ausblicken auf die Königswand! Dann auch hier wieder überraschend öffnet sich der Blick auf eines der schönsten und imposantesten Felsbauten Petras – Ed-Deir. Wir verweilen hier gemeinsam noch eine Zeit bei Picknick und Tee, bevor jeder den Nachmittag nutzen kann um Petra auf eigene Faust zu erkunden.

7.Tag: Petra – die Spannung ist immer noch da, obwohl wir den Weg durch den Sik heute ja schon zum zweiten Mal gehen. Osama erzählt uns unterwegs Interessantes zu Petra und den Nabatäern, zeigt uns Weihrauch, Myrrhe und Sandelholz, lässt uns riechen…Waren die Heiligen Drei Könige Nabatäer? Heute geht es steil bergauf zum großen Opferplatz und durch die Fararaschlucht wieder zurück ins Tal und zur Königswand. Toll ist das Zusammenspiel Wandern und Sehen: ein fantastischer Blick von der Gipfelplatte auf die bizarre Bergwelt, später sehen wir eine 5 m hohe Löwenfigur, dann den Gartentempel, das Renaissancegrab und den Bunter Saal. Es gibt so viel zu entdecken! Der Nachmittag gehört wieder uns, jeder vertieft noch einmal die Eindrücke, die ihn persönlich am Meisten beeindrucken. Ich laufe noch einmal zur Byzantinischen Kirche und weiter zu den Königsgräbern, gönne mir mit Maria und Ulrike einen Tee in der Nachmittagssonne und bin glücklich.

Viele Grüße, Heike Empting

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