Keep Walking! – Eine Odyssee um die Insel Jersey

„Wir fliegen nach Jersey und wandern einmal um die Insel!“

„Cool, wie weit ist das?“

„48 Meilen, also 77 km in etwa.“

„Und wie lange nehmt ihr euch dafür Zeit?“

„Unser Ziel sind 15-16 Stunden.“

„An einem Tag???“

„Ja.“

„Ihr seid verrückt!“


Es ist 1:45 Ortszeit als der Wecker klingelt.  Der Rucksack ist gepackt, der Inhalt auf das nötigste beschränkt. Blasenpflaster, Traubenzucker und Sonnencreme dürfen nicht fehlen. Auf dem linken Wanderschuh liegt bereits der dazugehörige Socken. Nach einer kurzen Dusche treffen wir uns in der Hotel-Lobby um zum Registration-Point zu gehen. Der Wettergott ist uns wohlgesonnen und verspricht mit 19 Grad perfektes Wanderwetter für diesen Tag! Draußen ist es, wie zu erwarten, noch stockdunkel. Aber die Insel ist bereits auf den Füßen. Aus allen Ecken sieht man zügigen Schrittes Wanderer in Richtung Ferry Harbour in St. Helier ziehen.

Insgesamt 1.300 Verrückte aus verschiedensten Ländern stellen sich an diesem Morgen der Herausforderung des Collas Crill Island Walk.

Dem verrückten Haufen schließen sich mit Daniel Kraus und Melanie Rood zwei Wikinger und Jochen Beckert von Absolut Tours (Partner-Agentur für Reisen ins südliche Afrika) an.  Für den Wikinger-Geschäftsführer ist es bereits der 2. Island Walk.

Um 3 Uhr nachts ertönt das Startsignal. Während einige der Crazy Walkers losjoggen um sich aus der Masse zu lösen und an die Spitze zu gelangen, sparen wir bei einem moderaten Wandertempo unsere Kräfte im Hinblick auf die Strecke die noch kommen wird.

Nachdem die Route uns zunächst an schicken Häuschen um die Südost-Küste herumführt,  erreichen wir nach etwa 8 Meilen den  ersten Checkpoint in der Nähe von Goreys Castle bei Sonnenaufgang.  Auf insgesamt 13 Checkpoints werden wir bestens versorgt, mit Getränken, Verpflegung und den motivierenden Rufen der Insulaner, die die Läufer anfeuern und mit Worten wie „Keep walking!“ oder „You’re amazing!“ bestärken.

Der Inselnorden ist mit seinen schmalen Küstenpfaden und Klippen der landschaftlich schönste, wenn auch anstrengendste Teil unserer Route. Nicht umsonst darf die Steilküsten des Nordens auf keiner Wikinger-Tour nach Jersey fehlen. Es geht leicht bergauf und bergab, teilweise über Treppenstufen von einem Panorama-Punkt zum nächsten.

Nachdem wir den Norden hinter uns gelassen haben, überqueren wir den kilometerlangen Sandstrand der St. Queens Bay. Mit knapp 35 Meilen haben wir am Ende des Strands den Löwenanteil der Strecke hinter uns. Wer sich bis hier her noch keine Blasen gelaufen hat, kann sich glücklich schätzen, denn weitere 20 Kilometer liegen noch vor uns.

Auf dem letzten Viertel, das längere Passagen über Asphalt und noch einige An- und Abstiege bereit hält, fragt sich jeder von uns was er hier eigentlich tut. Und vor allen Dingen warum.  Für den guten Zweck? Das Startgeld fließt in wohltätige Projekte! Für die persönliche Herausforderung? Für die Inselschönheit, die einen rundherum begleitet? Eine Antwort finden wir nicht, aber an Aufgeben ist nicht zu denken!

Vom vorletzten Checkpoint am Battery Lothringen können wir bereits unser Hotel nahe der Finish-Line erspähen.  Die Augen auf das Ziel gerichtet, heißt es Zähne zusammen beißen, die Blasen unter den Füßen zu vergessen und sich daran zu erinnern, wie weit man es bis hier her schon geschafft hat.  Auch der Zuspruch der Zuschauer wird auf dem letzten Stück immer lauter, bis wir es endlich nach 15 Stunden und 18 Minuten in Ziel schaffen.

Um eine Herausforderung, viele unvergessliche Eindrücke und einige Blasen reicher!

Unser breites Angebot an individuellen und geführten Wander- und Radreisen nach Jersey finden Sie hier.

Lernen Sie die Herzlichkeit und Schönheit Jerseys kennen… und nehmen Sie sich lieber etwas Zeit dafür 😉


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