Kleine (Wander)Kartenkunde

Du läufst und läufst und läufst, doch die ersehnte Hütte taucht einfach nicht auf. Dabei sah die Strecke auf der Karte doch gar nicht so weit aus… Eine Situation, die dir bekannt vorkommt? Eine kleine (Wander)Kartenkunde kann dir helfen in Zukunft die Orientierung zu behalten.

Wanderkarte vs. Panoramakarte

In vielen Touristenregionen bekommst du im Hotel oder an der Information schöne, kostenlose, bunte Karten, die eine Übersicht über Wanderwege, Orte und Attraktionen der Region geben. Meist handelt es sich dabei um Übersichts- oder Panoramakarten. So wie diese hier:

Kostenlose Touristen-Info-Karte
Die Panormakarte zeigt den Blick auf die Umgebung. Hier ein Blick auf’s Karwendel von Pertisau aus gesehen.

Sieht schön aus, gibt einen Überblick, aber zur Orientierung im Gelände taugt diese definitiv nicht. Streckenlängen sind oft verzerrt dargestellt, da diese über keinen Maßstab verfügen (steht meist sogar auf der Karte: „nicht maßstabsgetreu“). Diese Karten liefern keinerlei Anhaltspunkte über Höhe, Kilometer, markante Wegpunkte oder Wegbeschaffenheit. Zur Hütte könnte es eine Stunde dauern oder eben auch fünf.

Bevor du dich auf Wandertour – vor allem in Gebirgsregionen – begibst, solltest du also noch weitere Infos über Wegbeschaffenheit, Gehzeiten etc. einholen – und am besten noch eine (topographische) Wanderkarte zur Orientierung organisieren.

Wanderkarte – Was ist das?

Wie sieht sie nun aus, DIE Wanderkarte? Zunächst einmal erkennst du eine „richtige“ Wanderkarte daran, dass sie „maßstabsgetreu“ ist. So wie eine gute Straßenkarte spiegelt sie die Realität auf papiergebracht in klein wieder (z.B. im Maßstab 1:50.000). Du siehst die Welt sozusagen „von oben“. Desweiteren sind gute Wanderkarten zur Orientierung im Gelände eingenordet (Norden ist immer oben) und verfügen über wichtige Angaben wie

  1. Höhenlinien
  2. verschiedene Wegekennzeichnungen
  3. Schraffierungen
  4. markante Punkte.
Zur Orientierung: topographische Wanderkarten

Höhenlinien

  • zeigen die Höhe über dem Meeresspiegel an
  • vor allem im Gebirge sehr wichtig zur Orientierung
  • sind meist grau oder bräunlich dargestellt > Achtung: Höhenlinien nicht mit Wegekennzeichnung verwechseln!
  • verraten, wie steil ein Gelände ist und welche Formation du vorfindest (Rücken, Joch, Grat…)

Wegemarkierungen

  • machen erkenntlich ob der Weg beispielsweise eine Straße, Forstweg oder Steig ist
  • markieren „typische“ Wanderwege, die ggf. mit Wegnummer, Name oder Symbol versehen sind
  • zeigen z.T. ob der Weg für Wanderer, Radfahrer, Skitourengeher oder Kletterer geeignet ist
verschiedene Wegemarkierungen
Diese Karte hat Wegemarkierungen für Wanderer, Radfahrer und Skibegeisterte

Farbliche Abstufungen und Schraffierungen

  • unterschiedliche Farben und Schraffierungen lassen darauf schließen, welche Landschaft/ Geländeform du vorfindest: z.B. Wiese, Geröll, Wald, Moor, Stadtgebiet, etc.
  • helfen durch die Schummerung einen 3-D-Effekt zu erzeugen
  • ebenso kannst du Landesgrenzen oder Naturparkgrenzen ablesen

Markante Punkte

  • sind z.B. (Schutz)Hütten, Sehenswürdigkeiten, Parkplätze, Gipfel …
  • helfen, um „Fixpunkte“ auf der Tour festzugelegen und unterstützen bei der Orientierung
  • Informieren über vorhandene Infrastruktur, z.B. Bushaltestellen, Bergbahn, Touristinformationen

Eine Zeichenerklärung findest du immer am Blattrand. Zusätzlich gibt dir die Wanderkarte – je nach Herausgeber – weitere wichtige Informationen zum Hangneigung und enthält ein UTM-Gitternetz. Dieses Netz dient dazu deine genauen Standort-Koordinaten aus der Karte abzulesen oder deine Position anhand der Koordinaten auf der Karte ausfindig zu machen.

Eigene Position mit UTM-Gitter ablesen
Dank des UTM-Gitters auf der Karte kannst du deine genaue Position ablesen

Fazit: Wanderkarte zur Orientierung, Panoramakarte zum Anschauen

Du siehst, eine Wanderkarte enthält eine Fülle an Informationen. Sie ist damit ein echtes Werkzeug für den Wanderführer, aber auch gelegentlichen Freizeit-Wanderer. Eine Karte in der Tasche ist damit jedoch noch keine Garantie, sich nicht zu verlaufen. Übung macht ebenso bei der Handhabung einer Karte den Meister. Das gilt übrigens gleichfalls für Online-Karten. Sie sind nützlich und sehr praktisch, wenn die Technik mitspielt 😉 Ich habe deshalb meine „analoge“ Faltkarte zusätzlich im Rucksack.

Eine Panoramakarte ist meist sehr nützlich und schön, um eine Vorstellung über ein Gebiet zu vermitteln. Vor allem für nicht-Kartenleser kann sie einen groben Überblick über umliegende Gipfel, Dörfer und Wege vermitteln. Während die Wanderkarte die Welt von oben gesehen darstellt, zeigt die Panoramakarte die Umgebung von einem Standort aus gesehen: du siehst Tal, Berg, Himmel. Als Ergänzung zur Wanderkarte also perfekt.

Ein gutes Duo: die Informationskarte der Region Achensee und die Wanderkarte des Alpenvereins

Welcher Maßstab darf’s sein?

Das hängt zum einen von dem Gebiet ab, in dem du dich bewegst und zum andern von deinen Ambitionen. Karten mit beispielsweise Maßstab 1:50.000 bilden ein größeres Gebiet ab als jene mit 1.25.000. Dafür enthalten sie weniger Details. Doch lass‘ dich nicht verwirren: wenn du beide Karten nebeneinander legst, sieht der Weg zur ersehnten Hütte auf der 1:25.000er Karte allerdings länger aus als auf der 1:50.000er. Warum das so ist, kannst du im Beitrag zum Kartenmaßstab nachlesen.

Dazu kommt in dicht besiedelten Gebieten noch eine Fülle an Kartenanbietern. Achte beim Kauf auf das Druckdatum, die Gebietsabdeckung und Papierqualität. Bei Alpenvereins-, Tabacco und Kompass-karten triffst du meiner Erfahrung nach immer eine gute Wahl.

Und wenn du doch einfach keine Lust auf Kartenlesen und wissen willst, wie lange der Weg noch ist, mach’s ganz einfach und buch dir eine Wikinger-Reise mit Wanderleitung 😉

Viel Spaß beim Wandern, Orientieren und Genießen

Eure Jenni

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