Kurz mal weg – Bilbao

 Städtereisen sind der perfekte Urlaub zwischendurch: Abstand vom Alltag, kulturelle Sehenswürdigkeiten, kulinarische Ausflüge, Shopping und einfach das Savoir Vivre genießen. In Europa zählen Rom, Paris und London zu den Dauerbrennern, mir persönlich gefallen aber oft die kleineren Städte noch besser. Dieses Mal verschlug es mich nach Bilbao:

Ongietorri Bilbao!

Flugzeit Frankurt – Bilbao sind genau 1 Stunde und 35 Minuten. Ideal also für ein verlängertes Wochenende. Angekommen am Flughafen, der vom Stararchitekten Santiago Calatrava entworfen wurde und an eine weiße Taube erinnert, machen wir uns auf in die Stadt am Nervion.

Blick vom Monte Artxanda

Den ersten Stopp legten wir am Aussichtsberg Monte Artxanda ein, von wo aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt und das Guggenheim Museum hat. Perfekt zur Einstimmung und um einen ersten Überblick zu erhalten!

Da das Baskenland auch wohlbekannt für seine Gastronomie ist, ließen wir es uns nicht nehmen im Restaurant Atea Platz einzukehren. Tolle Gerichte aus regionalen Produkten und auch den ersten Txakoli, den Weißwein des Baskenlandes, konnten wir bereits kosten. So kann ein Städtetrip beginnen!

Von dort aus spazierten wir über die schöne Flusspromenade zum Guggenheim-Museum. Das von Frank O. Gehry entworfene Gebäude ist Wahrzeichen der Stadt und weltweit bekannt. Der Architekt selbst bezeichnet das Gebäude als „gestrandetes Schiff im Nervion“, was auf die Vergangenheit Bilbaos als wichtige Hafenstadt verweist. Wir zückten unsere Fotoapparate, denn auch als Fotomotiv kann das Museum überzeugen. Vorbei an der bronzenen Spinne von Louise Bourgeois und den Tulpen von Jeff Koons erreichten wir „Puppy“, das Maskottchen des Museums. Ein Stahlgerüst in Welpenform besetzt mit über 12.000 Blumen. Nachdem wir das Äußere des Museums ausgiebig inspiziert hatten, folgten nun die Werke im Inneren. Ausreichend Zeit sollte man einplanen, da sich die Ausstellungsfläche über drei Etagen zieht und es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Wer mag kann sich auch einer Führung anschließen.

Am Abend machten wir uns ganz auf baskische Art auf zur „Pintxos-Tour“. An unserer Seite zwei echte Bilbainas, die uns in die passenden Lokale führten. Maru und Itxaso erklärten nochmal ganz ausführlich das Pintxos keine Tapas seien, und die Basken sehr stolz darauf sind. Das Wort Pintxo kommt vom Verb Pinchar (etwas aufspießen), da bei Pintxos in der Regel mehrere Zutaten mit einem Holzspießchen auf eine Scheibe Weißbrot „aufgespießt“ werden. Mittlerweile gibt es regelrechte Wettbewerbe und Kunstformen der Pintxos. Fisch, Fleisch oder Vegetarisch? Bei Pintxos ist alles möglich! Onegin (Guten Appetit)!

Auf in die Altstadt

Der zweite Tag würde unseren Füßen einige Kilometer abverlangen. Bilbao ist zwar eine Großstadt, mit seinen 350.000 Einwohnern aber klein genug die Sehenswürdigkeiten zu Fuß zu erkunden. Falls man doch lieber mobil unterwegs sein möchte, gibt es viele Möglichkeiten sich ein Rad oder Kajak zu mieten oder auch die U-Bahn zu nutzen. Wir liefen aber lieber per Pedes, so sieht man meiner Meinung nach am Meisten. Das Wetter spielte mit, 18 Grad morgens um 09:00 Uhr.

Erster Punkt auf unserer Tagesliste ist das Freizeit- und Kulturzentrum Azkunoa. Aus einem ehemaligen Weinkontor entstand dieses Multifunktionsgebäude in dem heute neben einem Fitnessstudio und einer Bücherei auch Restaurants und Mehrzweckräume untergebracht sind. Auffällig dabei sind die verschieden gestalteten Säulen, zwischen denen bei Regentagen die Jugend der Umgebung Fußball spielt und sich frisch verliebte Pärchen treffen.

Im Gassengewirr der Altstadt

Von dort aus liefen wir entlang der Gran Via, der Haupteinkaufsstraße mit zahlreichen, spanischen Modeketten, in Richtung der Siete Calles in die Altstadt. Bevor wir den Nervion überquerten, blieb noch Zeit für einen Fotostopp am schönen, im Jugendstil gestalteten Bahnhofsgebäude, das den Wohlstand vergangener Zeiten erahnen lässt, als Bilbao noch durch Bergbau und als Hafenstadt in aller Munde war.

Gegenüber dem Bahnhofsgebäude befindet sich das Teatro Arriaga, ein wichtiger kultureller Bestandteil der heutigen Touristenstadt Bilbao. Wir besuchten es zwar nicht von Innen, doch dieser soll sich unbedingt lohnen. Beim nächsten Mal also. Uns zog es weiter durch die von Bäumen gesäumte Allee des „El Arenal“. Nicht von Palma de Mallorca, nein von Bilbao! Eine schöne Grünanlage mit Flussblick, untermalt von den Klängen der Straßenmusiker. Auch verschnaufen gehört zu einer Städtereise.

Unser Weg führte uns weiter durch kleine verwinkelte Gassen, vorbei an süßen kleinen Boutiquen und unzähligen Pintxo-Bars. Kein Wunder also, dass es langsam wieder Zeit fürs Mittagessen wurde. Vorab besuchten wir aber noch die Ribera-Markthalle, in der von frischem Fisch über Obst und Gemüse, vor allem Pilze, bis hin zu Fleisch- und Käsewaren alles angeboten wurde, was das baskische Herz begehrt. Da lief einem echt das Wasser im Mund zusammen. Also auf zu Pintxo und co. Topa (Prost!).

Das Thermometer zeigte inzwischen 31°C an. Eigentlich trägt das Baskenland den Beinamen „Schottland Spaniens“, davon können wir aber nicht berichten. Es erklärt aber die sattgrüne Farbe der umliegenden Wälder und Wiesen, die wir am nächsten Tag erkunden sollten. Wir genossen die Sonne auf jeden Fall in vollen Zügen und spazierten entlang des Nervion in Richtung Geschäftsviertel. Dort befindet sich auch das Museum der Schönen Künste, das drittwichtigste Kunstmuseum Spaniens. Den Besuch ließ ich mir nicht nehmen. Mein persönliches Highlight war die temporäre Ausstellung von Renoir! Großartig!

Kochen können die Basken, das beweisen nicht nur unzählige Michelin-Sterne, sondern auch die Gastronomen jeden Abend. Das Abendessen ließ nicht zu wünschen übrig. Frischer Fisch und Meeresfrüchte, raffiniert angemachte Steinpilze (und das im April) und ein angeräucherter Lachs an Oliventapenade und Tomatenessenz von dem ich heute noch Träume. Köstlich!

Städtereise heißt für mich auch immer abends nochmal Auszugehen. Dazu bietet sich die Rooftop Bar des Kulturzentrum Azkunoa super an. Eine gute Getränkekarte, lauschige Musik und ein toller Blick über die Dächer der Stadt. Dort treffen sich die Reichen und Schönen Bilbaos zum Sehen und Gesehen werden. Und wir mittendrin!

 

Weinberge, Picasso und Urdaibai

Nach zwei Tagen in der Stadt, machten wir uns heute auf in die nähere Umgebung von Bilbao. Erste Station war das gemütliche Städtchen Gernika. Unwiderruflich mit der Geschichte der Basken verknüpft sind die Heilige Eiche und das Versammlungshaus. Bekannter ist der Name der Stadt aber durch Picassos berühmtes Gemälde, das der Bombardierung der Stadt im spanischen Bürgerkrieg gedenkt.

Von dort aus ist es nicht weit in die grünen Weinberge des Baskenlandes. Den Txakoli haben wir ja bereits verkostet, nun wollten wir auch sehen wo er angebaut wird. Die Bodega Berroja bietet geführte Rundgänge zum Thema Wein an. Hier finden auch Events namenhafter deutscher Automobil-Hersteller statt und der Besitzer ist ein echtes Unikat. Mit Baskenmütze auf dem Kopf und diesem wunderbaren Akzent.

baskische Weinberge

Die frische Meeresluft und die vielen Eindrücke erzeugen in mir immer ein Gefühl von Hunger. Hunger auf mehr Zeit für die Region, Hunger auf weitere lukullische Köstlichkeiten und Hunger und Sehnsucht die Eindrücke einzufangen und auf ewig fest zu halten. Zumindest den leiblichen Hunger kann man hervorragend stillen. In einem Lokal mit Blick auf das Oka-Delta verflog die Zeit wie im Flug.

Der letzte Punkt des Tages wird alle Serien-Fans erfreuen. Die neueste Staffel von Game of Thrones wurde teilweise im Baskenland gedreht und somit erfreut sich San Juan de Gaztelugatxe wachsender Bekanntheit. Der Wanderspaziergang ist nicht anspruchsvoll, hat es aber in sich. Zunächst über enge Kurven und Windungen führt uns der Weg auf dem Festland hinunter um dann in einen steilen Treppenweg hinauf zur Kapelle. Der Anblick könnte direkt aus einem Geschichtsroman entsprungen sein!

Im Bann von Biskaya

Bevor wir gegen Mittag Nordspanien wieder verlassen würden, blieb uns noch Zeit die berühmte Hängeseilbrücke zu besuchen. Man sieht sie schon von weitem und je näher man kommt, umso unrealistischer erscheint sie einem. Fahrzeuge und Fußgänger nutzen im Alltag diese Möglichkeit den Nervion zu überqueren. In den vergangen Jahren kamen noch die Touristen hinzu. Für Schwindelfreie ist es ein besonderes Erlebnis die Brücke oberhalb zu Fuß zu überqueren.

Die letzten Stunden verbrachten wir noch im Strandviertel Getxo. Die Sonne schien, das Eis schmeckte und die Wellen rauschten. Kaum zu denken dass wir in knapp vier Stunden wieder zurück im nasskalten April-Deutschland sein würden.

So abwechslungsreich und beeindruckend können einem vier Tage vorkommen. Kunst und Kulinarik, Kultur und Natur und das alles gar nicht so weit weg. Mir kam der Trip vor als wäre ich mindestens eine Woche weg von zuhause. So frisch durchlüftet kommt man daheim dann auch wieder besser in den Alltag.

Also, packt die Koffer und macht euch auf zum Kurztrip. 😉

FAQ:
  • Anreise:                       Nonstop ab Frankfurt mit Lufthansa, andere Airlines mit Umstieg
  • Beste Reisezeit:        Ganzjährig
  • Anbieter:                    Wikinger hat eine Natur und Kultur Reise ins Baskenland im Programm
  • Kosten vor Ort (Stand Mai 17):
                                           ein Pintxo kosten 2-3 €, Eintritt ins Guggenheim-Museum 16,-€,
                                          Museum der Schönen Künste 9,-€, einfache Fahrt mit der Hängeseilbahn  0,40€
  • Nicht Verpassen:  Mittags auf der Plaza Nueva/Plaza Berria Pintxos essen und ein Glas Txakoli trinken

 

 

Schreibe einen Kommentar