Marokko …aus tausend und einer Nacht!

Marokko… Märchen aus 1001 Nacht, orientalische Gewürz-Basare, Dromedare im Straßenverkehr und Wüste soweit das Auge reicht. Das sind nur einige der Assoziationen, die wir mit dem nordafrikanischen Land verbinden. Doch Marokko bietet und ist noch viel mehr. Dies durfte ich zusammen mit 13 anderen Gästen innerhalb von 12 Tagen erleben.

Von Frankfurt aus flogen wir mit der Royal Air Maroc nach Casablanca. Gegen Abend trafen wir dort ein. Schnell fand sich die Gruppe und wurde von unserem Reiseleiter, Abdeslam Ourbati, in Empfang genommen. Ein kurzer Transfer brachte uns ins Hotel, wo wir sogleich ins Bett fielen um am nächsten Tag fit für die erste Etappe unserer Reise zu sein.

Kulturelles Marokko

Hassan II Moschee

Nach dem Frühstück durchquerten wir die Millionenstadt und gelangten zur Hassan II Moschee, dem höchsten religiösen Bauwerk der Welt. Eine ausführliche Besichtigung erläuterte uns die Besonderheiten dieses Baus, mitunter ein zu öffnendes Cabriodach. Einmalig!  Danach ging es direkt weiter nach Rabat, wo uns bereits der lokale Stadtführer erwartete. In eineinhalb Stunden lernten wir alles Sehenswerte der Königsstadt mit aktuellem Regierungssitz des Königs kennen. Mich faszinierte am meisten die unvollendete Moschee, ein Platz mit zahlreichen in den Himmel ragenden Säulen und dem kunstvoll anmutenden Grab Mohammed des V. Laut unserem Reiseleiter das 3. schönste Grab der Welt nach dem Taj Mahal und dem Tal der Könige. Ich glaubte ihm gern 🙂 Von Rabat aus fuhren wir weiter nach Meknès, wo wir unser erstes Riad bezogen.

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Innenhof unseres Riads in Fes

Ein Riad ist ein traditionelles marokkanisches Haus mit Innenhof (oft mit Garten oder Pool). Besonders ist die persönliche Note der Besitzer und die liebevolle Gestaltung der Zimmer, die oft alle unterschiedlich sind.

Der nächste Morgen begann mit einem köstlichen Frühstück auf der Terrasse, bevor wir uns aufmachten mit Meknès die zweite Königsstadt auf unserer Reise zu erkunden. Meknès besticht vor allem durch die zahlreichen aufwändig verzierten Stadttore, die mit bunten Kacheln, Kaligraphien oder römischen Säulen verschönert wurden. Außerdem besuchten wir eine ehemalige Getreidespeicheranlage und das Grab von Moulay Ismail. Nicht weit von Meknès entfernt liegt die weiße Pilgerstadt Moulay Idris, eine bedeutende Pilgerstadt, die wir auf einem kurzen Rundgang kennenlernten. Von dort aus begaben wir uns die römische Ruinenstadt Volubilis. Zahlreiche bestens erhaltene Mosaiken zieren das Hochplateau der ehemals wichtigen Handelsstadt. Gegen Abend erreichten wir schließlich Fès und unser atemberaubendes Riad, wo wir sofort mit einem Glas „Berberwhisky“ (grüner Tee mit frischer Minze) begrüßt wurden. Zum Abendessen suchten wir ein örtliches Restaurant mit Live-Musik auf. Es gab köstlich duftende Tajines und aromatischen Couscous.

Königsstadt Fès

Den vierten Tag widmeten wir voll und ganz der ältesten Königsstadt Fès. Wir besichtigten das Prachttor der Stadt, das noch nie geöffnet wurde, streiften durch das jüdische Viertel, besuchten eine traditionelle Töpfer- und Mosaikmanufaktur und bewunderten das Durchhaltevermögen der Arbeiter im Gerberviertel des Souks. In der Medersa Attarine wurden uns die Unterschiede der arabischen Kaligraphie erläutert und die Besonderheit der „Frauenfenster“ nähergebracht. Zum Abendessen trafen wir uns auf der Dachterrasse unseres Riads und machten ein Picknick bei sternenklarer Nacht.

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Familie Ourbati

Nach so viel Stadterlebnissen wurde es Zeit für ein wenig Natur, denn davon hat Marokko reichlich zu bieten. Eine Fahrt über den mittleren Atlas, durch grüne Wälder und verstreute Orte zeigte uns ein ganz anderes Gesicht dieses Landes. Gegen Nachmittag erreichten wir unseren Standort für die nächste Nacht, Afourer im Herzen der fruchtbaren Tadla-Ebene. Üppige Felder, weite Olivenbaumplantagen und ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem machen diese Region zur Kornkammer Marokkos. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen, machten wir uns noch auf zu einer kleinen Wanderung durch diese herrliche Landschaft. Für den Rückweg, hat sich unser Reiseleiter etwas ganz Besonderes einfallen lassen: den Besuch seiner Familie zu Hause. Wir wurden sehr herzlich empfangen und köstlich mit Minztee und Mandelgebäck bewirtet. Die Schwester zeigte uns stolz ihre Küche; der Bruder, von Beruf Lehrer, interessierte sich für das deutsche Schulwesen; und die Eltern waren einfach freudig erstaunt über die vielen Europäer in ihrem Haus. Eine einmalige Begegnung, die so schnell nicht vergessen wird.

Begegnung mit Marrakesch

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Gruppenfoto an den Wasserfällen von Ouzoud

Auch der nächste Tag war ein langer Transfertag. Zunächst querten wir einige Bergpässe bis wir zum Ort Ouzoud kamen. Sehenswert dort sind die Wasserfälle, die sich kaskadenartig in die Tiefe stürzen. Wir erkunden diese auf einer Rundwanderung von allen Seiten und haben die Gelegenheit genutzt, ein spektakuläres Gruppenbild zu schießen. Im Anschluss fuhren wir weiter zum Highlight, meiner Meinung nach. Marrakesch- allein der Klang dieses Wortes verzaubert mich. Voller Spannung erwartete ich die erste Begegnung mit den Gauklern auf dem Platz Djemma el Fna. Gegen späten Nachmittag war es dann soweit, wir erreichten unser modern-puristisches Riad, nicht weit vom Zentrum entfernt. Nach einer kurzen Pause zum frisch machen, machten wir uns auf zum Hauptplatz. Abdou schlug vor, eine Berberapotheke zu besuchen, was wir begeistert annahmen. Uns wurden traditionelle Naturprodukte vorgestellt mit Inhaltsstoffen wie Arganöl oder Schwarzkümmel, aber auch Gewürze und deren Anwendung. Danach bummelten wir noch kurz durch den Basar und beendeten den Abend mit einem typisch marokkanischen Abendessen.

Der Folgetag begann mit einer Stadtführung der Metropole. Wir besuchten die Majorelle-Gärten, bewunderten den Bahia-Palast und erblickten die Gräber der Saadier. Unser ortskundiger Stadtführer geleitete uns durch das Gassengewirr ins Herz des Souks, abseits der großen Touristenströme. Hier schmiedeten die Handwerker, säumten die Näher, es wurde poliert, geknüpft und gewerkelt, was einige Gassen weiter verkauft wird. Ein tolles Erlebnis. Abschließend wurden wir zurück zum Djemma el Fna gebracht. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung und wurde intensiv für Erkundungen, Einkäufe und zum Postkarten schreiben genutzt. Zum Abendessen kamen wir wieder zusammen, denn es erwartete uns ein Dinner auf einer Panoramaterrasse mit Blick aufs Getümmel. Wasserträger klingelten, Berberaffen kreischten, Schlangen zischten… über alldem lag ein rhythmisches Trommeln der Musiker, das einem das Blut in den Adern pulsieren ließ. Unvergleichlich!

Das Wüstenabenteuer beginnt

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Im hohen Atlas

Zum nächsten Morgen packten wir wieder die Koffer und verließen die letzte Königsstadt unserer Reise. Über den Tichka-Pass (2.260m) querten wir den hohen Atlas. Beeindruckende Wolkenformationen ließen unsere Fotoapparate nicht stillstehen. Im Dra-Tal machten wir eine Mittagsrast, die wir dazu nutzten, die Kasbah Ait Ben Haddou zu besichtigen. Der kolossale Lehmbau diente schon zahlreichen Hollywoodproduktionen als Kulisse und dies zu Recht. Wir setzten unsere Fahrt entlang des von Palmen gesäumten Dra-Flusses fort, bis wir unseren Übernachtungsort Zagora erreichten. Unser Hotel war wie eine Bungalowanlage aufgebaut, kleine runde Hütten in einem Palmenhain verstreut, ein erfrischender Pool, der ausgiebig genutzt wurde und ein komfortables Beduinenzelt, das als Restaurant diente. Einfach toll!

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Wegweiser in der Wüste

Nun begann das Wüstenabenteuer. Auf dem Weg zum Rand der Wüste besuchten wir die Bibliothek Tamegroute, die zahlreiche Schriften zu jedem wissenschaftlichen Thema beherbergt. In Mhamid schließlich bekamen wir die Gelegenheit fakultativ, einen Kamelritt zu buchen. Die meisten waren dabei und so ritt unsere kleine Karawane in Richtung Dünen. Ein großer Spaß für alle und bei dem Panorama erst recht 🙂 Anschließend wechselten wir die Reittiere von Kamel zu Jeep. Mit drei Fahrzeugen machten wir uns auf den Weg zu unserem Wüstencamp. Durch Steinwüste, über Sanddünen und ausgetrocknete Flussbette bahnten wir uns den Weg. Teilweise auf der Strecke der ehemaligen Rallye Dakar. Ein super Abenteuer! Bei Ankunft im Wüstencamp erwartete uns bereits unser Campteam. Das Mittagessen war vorbereitet, der Minztee aufgebrüht und es herrschte eine luxuriöse Atmosphäre, wie ich Sie nicht erwartet hätte. Den Nachmittag dösten wir vor unseren Zelten vor uns hin und genossen die Muße, einfach mal nichts zu tun. Gegen Abend starteten wir zu einer Dünenwanderung die mit einem tollen Sonnenuntergang endete. Nach dem Abendessen wurde ein Lagerfeuer entfacht und wir und unsere marokkanischen Begleiter sangen abwechselnd marokkanische oder auch deutsche Volkslieder. Textsicher waren wir zwar nicht alle, aber hoch auf dem gelben Wagen passiert schon nichts 😉

Wer wollte, begann den nächsten Morgen mit einem Dünenaufstieg. Kurz vor sieben saßen wir also in erwartungsvolle Haltung im Sand und warteten auf die Sonne. Kaum war Sie erschienen, machten wir uns auch schon auf den Weg zurück ins Camp, wo uns das beste Frühstück der ganzen Reise erwartete. Oben auf einer Düne, von frisch gepressten Orangensaft über Nuss-Nougat-Creme bis zu würzigem Käse war alles vorhanden, was man sich wünscht. Nach dem Frühstück wurden wir wieder von den Jeeps abgeholt und wurden nach Foum Zguid gebracht. Hier wechselten wir wieder in unseren normalen Bus, mit dem wir nach Tata fuhren. Dort bezogen wir unser kleines, uriges Riad. Auch hier sah jedes Zimmer anders aus. Von unserer Dachterrasse hatten wir einen tollen Blick auf den Palmenhain im Tal, den wir am nächsten Tag durchwandern sollten.

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Palmenhain

Nach dem Frühstück ging es dann auch direkt los. Vorbei an Dattelpalmen mit vollen Fruchtständen bahnten wir uns unseren Weg. Dabei erklärte uns Abdou auch die Anbauweise und die Arten der Palmen. Anschließend ging es weiter über Taroudant (wo das Thermometer 42° C zeigte) nach Agadir. Wir begannen unsere Tour am Atlantik und beendeten diese auch dort. Unser großzügiges Hotel empfiehlt sich auch für eine Badeverlängerung. Die meisten jedoch genossen den Abschlussabend in einem Fischrestaurant mit Meerblick.

Am nächsten Tag hieß es also Abschied nehmen. Viel lernten wir während dieser 12 Tage kennen, Bekanntes und Neues, die ein oder andere Überraschung, die Bedeutung von Plastiktüten in Moscheen und welche Geräusche ein Kamel macht. Ich kann nur sagen, eine Reise wie aus tausend und einer Nacht!
Eure Nicole
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Ziegenbäume

 

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