Mittsommer – ein Fest zu Ehren der Sonne

Der Beginn des astronomischen Sommers wird seit Jahrhunderten in sämtlichen Kulturkreisen zelebriert. Der Tag an dem die Sonne im größten Abstand zum Äquator, senkrecht über dem nördlichen Wendekreis, steht, ist auch der Tag mit dem längsten Tag und der kürzesten Nacht, Mittsommer. Die Sonne hat nicht nur als Symbol für Leben und Auferstehung essentielle Bedeutung für das irdische überleben. Daher verwundert es nicht, dass in vielen Ländern die Nacht um den 21. Juni ausgiebig gefeiert wird.

Schon im 9. Jh. vor Christus wurde das Wissen um die Sommersonnenwende im Turm von Jericho vermerkt. Auch spätere Kultstätten der Steinzeit, wie z. B. Stonehenge richteten sich im Aufbau zur Messung dieses besonderen Datums aus. Die seit 2013 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende Himmelsscheibe von Nebra ist ein wichtiger bronzezeitlicher Fund, der den Nachthimmel zur Sonnenwende dokumentiert. Auch heute noch wird dieses Datum von Wissenschaftlern und Mystikern hoch geschätzt.

Externsteine im Teutoburger Wald

In Deutschland findet die größte Sonnenwendfeier an den Externsteinen im Teutoburger Wald statt. Stonehenge ist der Austragungsort des größten Festes in Europa, in der Region Alicante findet die südlichste Andacht statt. Besonders bekannt sind jedoch die Feierlichkeiten in Skandinavien und dem Baltikum, wo die Nächte kaum dunkel werden und deshalb auch den Beinamen „weiße Nächte“ tragen:

Jāᶇi in Lettland

Jāᶇi, zu Deutsch Johannesfest, ist der populärste Feiertag in Lettland und findet an den beiden Junitagen 23. + 24. statt. In der lettischen Mythologie werden Gräsern und Blumen, die in der Mittsommernacht gesammelt wurden, spezielle Heilkräfte zugesprochen. Zu Kränzen geflochten schmücken sie die Feiernden, aber auch die Tiere. Die Besonderheit der Kränze liegt in ihrer Ei-Form, die den Ursprung des Lebens nachahmen soll. Typische Speisen, die die Feierlichkeiten begleiten, sind Kümmelkäse und speziell gebrautes Johannes-Bier. Eine besondere Tradition haben die Ligo-Gesänge Dainas inne. Den Überlieferungen nach wurde das Wort Ligo von Gott selbst auf die Erde gebracht um die Felder zu segnen und reiche Ernte zu bringen. Und so ist es heute noch üblich das die Jāᶇa bērni – „Johanneskinder“ in einer feierlichen Prozession, mit Kränzen geschmückt, von Haus zu Haus gehen, die Ligo-Lieder singen um Segen und Glück zu wünschen und anschließend mit den Hausherren Käse und Bier zu teilen.

lena_granefelt_imagebank.sweden.se
Mädchen mit Blumenschmuck/ ©lena_granefelt/imagebank.sweden.se

Joninės in Litauen

In Litauen findet das Mittsommerfest als kirchliche Johannesfeier in der Nacht vom 23. zum 24. Juni statt. Die traditionellen Feiern Rasos oder Kupolės werden nur noch in wenigen Regionen auf dem Land begangen.

Sankt Hans in Dänemark und Norwegen

Mit großen Feuern feiern die Norweger und Dänen in die Nacht zum Johannistag, dem 23. Juni. Die bösen Kräfte sollen verbannt werden. In manchen Orten wird an Sankt Hans auch eine Strohhexe verbannt, die die Symbolkraft des Bösen noch verstärken soll. Vielerorts gibt es über die Feuer hinaus auch Laternenumzüge, die die Nacht erleuchten und das Böse fernhalten.

Jaanipäev in Estland

Jaanipäev , das Mittsommerfest der Esten wird ähnlich gefeiert, wie Sankt Hans bei den Dänen und Norwegern. Eine große Feuerstelle brennt die ganze Nacht zum 24. Juni und darf nie verlöschen.

Juhannus in Finnland

Das finnische Traditionsfest ist nach Weihnachten, der zweitwichtigste Feiertag in Finnland. Die ursprünglichen Namen Vakkajuhla (Korbfest) und Ukon juhla (Fest des Ukko) wurden nach und nach durch den Namen Juhannus abgelöst. Die Ursprünge der Feierlichkeiten gehen auf Ehrungen der Gottheit Ukko zurück, der für das Wetter, den Donner und vor allem die Ernte sorgte. An Uferplätzen wurden große Versammlungen abgehalten, mitgebrachte Speisen und Bier (Ukon Malja), das speziell für diesen Anlass gebraut wurde, verzehrt. Lautes Lärmen und Trinken war nicht nur üblich sondern erwünscht, da es Glück bringen und schlechte Geister vertreiben sollte. Eine alte Volksweisheit besagt sogar, je mehr an Juhannus getrunken wurde, desto besser würde im Herbst die Ernte ausfallen.

©ola_ericson-imagebank.sweden.se
Traditionelle Tänze in Schweden ©ola_ericson/imagebank.sweden.se

Heute finden allerorts Nachtkonzerte und Tanzveranstaltungen statt. Auch die in anderen Ländern üblichen Lagerfeuer dürfen in Finnland nicht fehlen. Eine finnische Besonderheit ist der Blumenschmuck und die aufgestellten Birkenzweige im Hauseingang.

Midsommar in Schweden

Die wohl bekannteste Sonnenwendfeier findet alljährlich zwischen dem 20.-und 26. Juni in Schweden statt. Seit 1952 einigte man sich darauf, Midsommar immer samstags zu feiern, sodass es keinen festen Termin mehr gibt. Demnach finden die Feierlichkeiten dieses Jahr am Samstag den 25.06.16 statt.

Im Volksglauben ist die Mittsommernacht voller Magie. Elfen tanzen, Trolle verstecken sich hinter Bäumen und auch die Natur entfaltet magische Wirkung. So wird dem Tau, den man in dieser Nacht sammelt, eine Heilkraft für diverse Krankheiten von Mensch und Tier zugesprochen. Unverheiratete Mädchen, die in der Mittsommernacht sieben Sorten Blumen von sieben verschiedenen Wiesen pflücken und diese anschließend unter ihr Kopfkissen legen, träumen von ihrem zukünftigen Ehemann. Den Mittsommerkranz, den man während des Festes auf dem Kopfe trägt, soll man bis Weihnachten trocknen und aufheben, ihn anschließend ins Badewasser geben und so den Rest des Winters gesund bleiben.

©ola_ericson-imagebank.sweden.se
Der Majstang ©ola_ericson/imagebank.sweden.se

Aber auch ohne Magie gibt es Traditionen und Brauchtümer auf die kein Schwede an Mittsommer verzichten würde. Der Majstång (bei uns Maibaum) ein geschmückter Baumstamm wird aufgerichtet und ist anschließend Mittelpunkt des Festes. Der Name rührt nicht vom Monat Mai, sondern vom altertümlichen Verb maja (mit Blumen schmücken) her. Von Region zu Region kann der Blumen- und Blätterschmuck variieren, da jede Region ihre Besonderheiten hat. Um den Majstång herum werden verschiedene Spieltänze zu traditionellen Tanzliedern aufgeführt.  Die Feiernden selbst tragen ihre Trachten oder weiße und blumige Kleider. Natürlich dürfen auch die bekannten Blumenhaarkränze nicht fehlen.

Und nun zum kulinarischen Abschluss. In Schweden gehören zum Mittsommer Jungkartoffeln mit Hering (Sill) und Sauerrahm, Schnittlauch, Käse und Knäckebrot zum typischen Festtagsgericht. Zum Nachtisch gibt es Erdbeeren in allen Variationen und ein oder mehrere nubbe (Gläser) Schnaps. Wer hat da keine Lust mitzufeiern?!

Auch eine Wikingergruppe ist gerade in Schweden und erlebt die schwedische Tradition aus eigener Erfahrung. Alles zu unserer Tour „Mittsommer in Schweden!“ findet ihr Hier!

 

Euch einen frohen Mittsommer!

Nicole

Schreibe einen Kommentar