Myanmar und die Welt der Schlangen

„Myanmar/Burma ist das Land mit der höchsten Schlangenbiss Todesrate auf der Welt“. Das weckte mein Interesse, als ich diese Zeilen vor knapp 20 Jahren las. Nicht, weil ich Schlangenbisse erquickend finde, nein, im Gegenteil, mit gruselt vor Schlangen. Aber was muss das für ein rückständiges Land sein, wo die Menschen durch die Büsche laufen und sich von Königkobras ins Bein beißen lassen? Zudem Myanmar, was für ein Name, selten gehört, wenn überhaupt.

Die ersten gesammelten Infos hatten Schlangenbiss-Niveau: Militärs, die Spaß an überkommenen pseudosozialistische Staatsmodellen hatten und  sich mit China verbündeten (Freunde im Geiste?). Das Hoffnungsmodell Asiens in den 50ern nun eines der ärmeren Länder der Welt. Eine Nobelpreisträgerin (Aung San Suu Kyi) die unter Hausarrest steht.

Wenn so viel Negatives berichtet wird, dann muss es umso mehr Grandioses geben, es gibt immer eine „andere“ Seite, meine Neugier war geweckt. Ein Blick auf die Landkarte machte mir erstmal klar, dass Myanmar das größte Land Südostasiens ist und zudem mit einer 1000km langen Küstenlinie gesegnet, vor der sich hunderte von Inseln im Indischen Ozean tummeln. Thailand ist da im Vergleich der arme Bruder. Im Norden grenzt das Land an den Himalaya, hat fast 6000m hohe Berge, 2000km weiter südlich gibt es Tauchgründe die zu den besten der Welt zählen, wo sich u.a. Walhaie tummeln, allerdings noch kaum Reisende, die sie beobachten. Im Westen findet man zum Teil undurchdringlichen Dschungel, bedingt durch Monsun Niederschlagsmengen, die zu den höchsten der Welt zählen. Im Osten hat Myanmar einen Anteil am „Goldenen Dreieck“, der Opium/Heroinschmiede der Welt. Im Zentrum tlw. semiaride Landschaften, die die großen Kulturgüter dieses Landes beherbergen. Hier gibt es die größte Elefantenpopulation in Asien, finden sich Tiger, Pandas, Panther, Leoparden, Nashörner, Kobras div. Vipern usw. Was gibt es nicht in diesem unbekannten Land?

Meine Neugier war geweckt, nichts wie hin. Die Fantasie ist das eine, die Realität oft aufregend anders. Myanmar/Burma hatte noch den morbiden Charme einer gerade in die Unabhängigkeit entlassenen englischen Kolonie, Yangon als damalige Hauptstadt, noch den Reiz des exotischen, die Städte wie Bangkok und Singapur mit den Verkauf ihrer Seele an den Kommerz, längst verloren hatten.

Yangon besitzt mit der 100 m hohen Shwedagon Stupa das wichtigste und pulsierendes Heiligtum des Landes, welcher mehr Gold sein eigen nennt, als die Bank von England. Aber dieser Superlativ ist schnöder Mammon, es sind die Burmesen selbst die das Gold des Landes ausmachen. Hier ist das „Land des Lächelns“, die Offenheit des Blicks, die sensible Höflichkeit, die verbindet: „Das es so etwas noch gibt“. Hat der Buddhismus hier durchdringende „Arbeit“ leisten können, sich in den Seelen der Menschen verankert? Es scheint fast so.

Angkor in Kambodscha war mir seit langem ein Begriff, aber Bagan? Ehemals 10 000 Tempel, Pagoden, Stupas waren im Reich von Bagan zu finden, welches zeitgleich mit Angkor existierte und in Konkurrenz stand. 2000 sind noch erhalten, gesprenkelt in Gruppen, ausgebreitet in dieser Trockenlandschaft umrandet vom Ayeyarwady, diesem Riesenfluss und Lebensader des Landes. Bagan ist nicht Angkor, es ist anders, geschmeidiger, weicher und trotzdem gleichwertig. Aber wer kennt diesen Platz schon? Hier herrscht, noch, ruhende Weite.

Sonnenaufgang über Bagan
Sonnenaufgang über Bagan

Mandalay ist die alte und letzte Königsstadt, Zentrum der buddhistischen Klöster und des Kunsthandwerks, perfekt konzipiert um die Huldigung des Königs zu ermöglichen. Der Inlesee, auf 900 m gelegen, umrahmt von den Shanbergen, Heimat der berühmten Inthas mit ihrer seltsamen Rudertechnik. Die Pindaya Höhlen mit ihren knapp 9000 Buddhafiguren.
Der „Goldene Fels“ entlegen auf der Höhe der Berge, mystisches Heiligtum am Abgrund klebend, Tag und Nacht verehrt.

In Mandalay
In Mandalay

Myanmar hat mich nicht mehr losgelassen. Es ist still dort, aber eine Stille, die Poesie in sich trägt.

…übrigens habe ich noch nie eine Schlange in Myanmar/Burma gesehen….

Die Myanmar Insider-Reise Myanmar – Poesie der zeitlosen Stille findet ihr hier.

Literaturliste Myanmar (Burma) – eine Auswahl:

Schacht Martin : Gebrauchsanweisung für Burma. München 2013. Kultur-Querschnitt. Süppchen und Demokratie, Landschaft und Leute. Zur Einstimmung.

Hein Christoph, Schmidt Udo: Reportage Burma/Myanmar. Der steinige Weg zur Freiheit. Wien 2013. Der große Umbruch wird erzählt. Wohin führt der Weg Burmas? Ausbeutung oder Eigenständigkeit, das schönste Lächeln der Welt oder Raffgier, Loungy oder Zweiteiler.

Saw Myat  Yin: Cultur Shock. A Survival Guide to Costumes and Etiquette. Tarryton 2007. Ich mag diese Reihe sehr. Sehr plaudernd geschrieben.

Vorläufer Karl: Südostasien, Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik. Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009. Hintergründe, Einordnungen, jenseits stimmungsvollen Beliebigkeit.

Lonely Planet: Myanmar (Burma). Der Klassiker für den selbstorganisiert Reisenden. Tipps zu Hotels, Restaurants, Fortbewegung etc. 2012

Klinkmüller Volker: Stefan Loose Reiseführer. Myanmar. Ostfildern 2012. Der Loose gibt eine gute Übersicht und wer kein Bedürfnis hat stärker in  die Materie einzutauchen, der ist mit diesem Buch bestens bedient.

Weiss Walter M.: Reise durch Burma. Würzburg 2008. Foto/Textband. Schöne Bilder der burmesischen Kultur und Landschaft; der Text gibt Basisinfos.

Johannes W. Glauche. Der Stupa. Kultbau des Buddhismus. Köln 1995. das grundlegende Buch zum Thema.

Buntz Michael: Birma. Köln 1998. Schöner Bildband

Ma Thanegi: Pilgerreise in Myanmar. Letzte Auflage glaub ich 2012. Erlebnisbericht einer einheimischen Dame, nett und sehr amüsant, empfehlenswert.

Klemes Ludwig: Birma.  Becksche Reihe Reihe/Länder. München 1997. Grundlagen zu Kultur, Wirtschaft, Politik, Geschichte etc. Eigentlich ein Vorab-Muss für den/die Reisende/n. Neuauflage 2009.

Finger Hans-Wilhelm: Shwedagon – eine Reise in die Seele Birmas. Die Biographie eines Weltwunders. Schweinfurt 2013.

Die Shwedagon verstehen, einer der wesentlichen Schlüssel für das Verständnis Myanmars. Finger fischt die alten Überlieferungen ans Tageslicht und das ist nur großartig.

Borr Markus/ Hoppstädter – Borr Heike: Birma/Burma (Myanmar: Eine Reise durch das Land des Lächelns). Alle Orte unserer Reise werden besucht, be/umschrieben.

Stiller Bernd: Gute Geister im Land der Pagoden. Zeitreisen in Myanmar. 2007. Anekdoten, Legenden; Kurzgeschichten, Informatives, Reisetagebuch. Ein Buch zur seelischen Vorbereitung auf die Reise.

Schröder Klaus R.: Myanmar/Burma. Reisen im Land der Pagoden. Fernwald 2009. Sehr interessante Reisebeschreibung. Sehr lesenswert.

Saw Myat Yin: Myanmar. Cultur Shock. A Survival Guide to Costume and Etiquuette. Tarrytown 2011. Sehr spannende Reihe, spannendes Konzept. Verschiedene Länder von “Innen” vorgestellt. Kultur, Sitten, richtiges Verhalten, Länderbesonderheiten. Gut.

Schwarzer Alice, Flitner Bettina: Reisen in Burma. Köln 2012. Alice hat mehr oder weniger Standardreiseplätze besucht. Ihre Sicht auf die Dinge unterscheidet sich wohltuend von den Allgemeinplätzen der Literaten.

Ein Kommentar zu „Myanmar und die Welt der Schlangen“

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