Nachhaltiges Wüstenleben: Dabis Farm in Namibia

Manche Leute sollte man lieber in die Wüste schicken. Vor allem solche, die hierzulande von Nachhaltigkeit reden und versuchen, sie zu leben. Ein Besuch der Dabis Farm im südlichen Namibia , während der Wanderreise „Nambias Naturschauspiele“, vermag dem Reisenden einen anderen Blick auf diese Welt zu vermitteln.

Nördlich von Helmeringhausen, an der Hauptstraße C14, erstreckt sich über 19 000 Hektar die Schaffarm von Jörg und Michelle Gaugler, die in vierter Generation die Familientradition der deutschstämmigen Farmer in Namibia weiterführen. Nach stundenlanger Rumpelei im umgebauten Reise-Truck durch trockene Steinwüste, vorbei an Kameldornbäumen, Sträuchern und Felsbrocken, huschen die Blicke der Wanderrundreisenden durch das karge Konkiep-Tal. Man wagt kaum, die Frage laut auszusprechen, wovon denn hier bitteschön ein einziges Schaf satt werden soll. Bei etwa 28° C im langsam beginnenden Winter werden auf der schattigen Terrasse bei Kaffe und Kuchen dann aber die verregneten Ansichten skeptischer Europäer von Jörg Gaugler ganz schnell luftgetrocknet. Dabis bedeutet nämlich in der einheimischen Nama-Sprache: „Fruchtbare Fläche der Salzbüsche“ und Gauglers Motto lautet: Regenunabhängiges Farmen.

Jörg Gaugler erklärt
Jörg Gaugler erklärt

Als von Westwindtiefs gebeutelte Deutsche denkt man ja spontan, dass dies gar nicht möglich sein kann. Eine Fahrt im offenen, mit Sitzbänken bestückten Pickup über die Farm bringt schlussendlich doch jeden zum Staunen über die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung. „Was ein Jahr Trockenheit nicht übersteht, können wir hier nicht gebrauchen“, erklärt der 35jährige Farmer. Die beweideten Koppeln dürfen drei Jahre ruhen. Dann können die abgeknabberten Trockenbüsche in aller Ruhe nachwachsen. Problemschakale dürfen abgeschossen werden. Was jedoch andere Raubtiere vom Schafbestand reißen, wird als natürliche Gabe an die Natur angenommen. Pestizide, Impfungen oder Geburtshilfe werden überflüssig. Die Dimensionen sind immens: Die Dabis Farm verfügt über 500 Kilometer Zäune, 148 davon gelten als schakalsicher, sind also auf beiden Seiten mit dicken Wackersteinen gesichert. So können sich die Wildhunde der Savanne nicht so einfach durchbuddeln. Nur etwa einen Kilometer Zaunstrecke schaffen die Mitarbeiter mit ihren Pferden auf diese schweißtreibende Art im Monat. Der Farmer erzählt unterhaltsam von den Anfängen der Farm 1926, als sein Urgroßvater beim Kauf fünf Dattelkerne pflanzte. Von den riesigen Palmen steht seit dem Tornado 2010 allerdings nur noch eine. Begeistert berichtet Jörg von seiner Oma mit der Wünschelrute, die hier schon in sieben Metern Tiefe Zugang zum Grundwasserreservoir Namibias fand. Andere Farmer mussten bis zu 350 Meter tief bohren, um an das lebensnotwendige Nass zu kommen.

Tatsächlich sehen wir auf der etwa zweistündigen Jeeprundfahrt dann auch eine kleine Schafherde in der Weite der riesigen Koppeln. Das angepasste Schaf wurde aus allen afrikanischen Rassen gekreuzt und hat einen schwarzen Fellschutz ums Auge und kurzes Drahthaar, das zum Leben zwischen den Dornenbüschen so wichtig ist. Das Fleisch wird zum größten Teil nach Belgien verkauft, die Produktion von Handschuhleder befindet sich gerade im Aufbau.

Auf Jeeptour
Auf Jeeptour

Der holprige Trip in die unbekannte Welt wüstenhafter Nachhaltigkeit endet vorerst zum Sundowner auf einem Hügel. Vier große Berge markieren die optischen Grenzen der Farm, die von 58 Kilometern Grenzzaun umgeben ist. Die geologischen Randstufen zwischen Kalahari und Namibia sind hier gut zu erkennen und geben dem Auge Haltepunkte in der trockenen Weite. Im Sonnenuntergang leuchtet der Erdschattenbogen am gegenüberliegenden Dämmerungshorizont graublau, umgeben von kräftigem Rosa, das sich bald in intensives Orangerot verwandelt – phänomenales Ambiente zum kühlen Getränk.

Zurück auf der Farm gesellt man sich abends am großen Außengrill, wo Jörg schon das traditionelle namibische „Braai“, zubereitet. Auf dem Feuer mit Holz vom Kameldornstrauch brutzeln schon kräftig gewürzte Wildwürste und Lammkoteletts: Biofleisch vom Feinsten. Dazu zaubert Michelle dann noch Krautsalat und Butternut-Auflauf auf den Tisch, gekrönt von Milchpuddingkuchen mit Zimt als Dessert. Obwohl man doch aus der Küche ständig Kindergeschrei hört und die Köchin meist mit dem zweijährigen Bjorg auf dem Arm hin und her huschen sieht. Am Vormittag hat sie außerdem schon die Kids nach dem namibischen System des Homeschoolings unterrichtet, sowie das Essen für die Familie vorbereitet, das im Solarbackofen draußen im Hof bis Mittags zu Ende garen kann. Bei dieser Arbeitsmenge sieht man das romantische Farmleben mit ganz anderen Augen.

Jörg Gaugler vertreibt zudem auch noch Solarkocher. Der steht gleich neben dem unscheinbaren Sonnenofen und kann 5 Liter Wasser innerhalb von 12 Minuten zum Kochen bringen. Schließlich scheint hier an 350 Tagen im Jahr die Sonne zehn bis vierzehn Stunden. Achtzehn Solarmodule versorgen mit nur 3,2 Kilowattstunden insgesamt die gesamte Farm. Beim Gartenrundgang am nächsten Morgen nimmt das Staunen der europäischen Besucher immer noch kein Ende, denn Fischzucht für die Eiweißproduktion, Weinreben, die mit dem eiweißhaltigen Fischwasser gedüngt werden, Obst- und Gemüseanbau oder Marmeladenproduktion aus Kaktusfeigen („1 mm Regen ergibt 1 Kilogramm Wachstum!“), dienen der nachhaltigen Bewirtschaftung der Farm. „Das Klima wird eigentlich günstiger in Namibia“, davon ist Farmer Jörg überzeugt. „Dass die Wüste sich immer mehr ausbreitet, liegt nicht am Klimawandel, sondern daran, dass die Farmer nicht aus den Fehlern ihrer Vorfahren lernen wollen!“. Aktuell ist die fünfte Generation schon immer mit dabei und lernt vom Vater. Dass Julia, Anjo, Vanja und Bjorg oder zumindest eine/r von ihnen die Farm einmal übernehmen wird, das ist Jörg und Michelle Gauglers größter Wunsch für die Zukunft.

Schaut doch auch mal bei der Dabis Farm vorbei. Auf der Reise „Namibias Naturschauspiele“ kann man zudem noch viele weitere interessante Orte der afrikanischen Wildnis entdecken.

Eure Sabine

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