„Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unserer Kultur“

Tiervâ!

Was bedeutet “Nachhaltigkeit” in der Praxis im Tourismus?

Klar, Wikinger Reisen hat große Anstrengungen unternommen, um das CSR Siegel führen zu dürfen. Eine Rezertifizierung erfolgte 2015 (siehe den Nachhaltigkeit-Bericht). Wir sind stolz darauf diese Siegel führen zu dürfen. Doch wie sehen dies unsere Partner vor Ort. In den Ländern, in denen unsere Reisen statt finden.

In einer Serie von kleinen Interviews möchte ich Euch einige unsere Partner vor Ort vorstellen. Selber sollen Sie erklären, was Nachhaltigkeit für sie bedeutet. Wie wirkt sich ihre Vorstellung von Nachhaltigkeit im Alltag aus? Was merkst Du als Reisegast davon oder was geschieht eher unbemerkt im Hintergrund?

Kaisu ja Heikki Nikula am Juunta Fluss, im Hintergrund das Hotel Kultahovi zu sehen.

Starten möchte ich mit Kaisu Nikula. Zusammen mit ihrem Bruder führt Kaisu in Nord Finnland das Hotel Kultahovi und das Restaurant Aanar. Es liegt direkt am Juutua Fluss, der 400 m weiter flussabwärts in den Inari See (mit über 3.000 Inseln der drittgrößte See Finnlands) fließt. Kaisu liebt finnisches Design. Sie hat nach und nach fast alle Zimmer des Hotels im zeitlosen praktischen finnisches Design eingerichtet. Diese Finnischen Design-Klassiker sind teilweise schon in den 1930’r Jahren entstanden und bis heute beliebt. Dabei liegt auch immer ein Schwerpunkt auf der Natur Nordfinnlands und der Kultur der Sami. Jedes Zimmer hat seine individuellen Züge.

Tobias: Was bedeutet “Nachhaltigkeit” für Dich persönlich?

Kaisu: Für mich bedeutet Nachhaltigkeit unser Natur zu respektieren. Gleichzeitig auch unsere Sami Traditionen zu erhalten. Das bedeutet zu Nutzen, was uns die Natur schenkt. Sei es zum Essen, als Kleidung, für Alltags Gebrauchsgegenstände und zur Erholung. Nachhaltigkeit ist für mich ein sehr wichtiger kultureller Aspekt der Sami. Es ist ein integraler Bestandteil unserer Kultur und kein Wiederspruch. In der Familie vermeiden wir unnötigen Energieverbrauch und zuviel Müll. Beim Einkaufen achten auch schon meine Kinder darauf, dass z.B. das Obst nicht vom anderen Ende der Welt kommt.

Tobias: Wie setzt Ihr Nachhaltigkeit Im Hotel Kultahovi und im Restaurant Aanar um?

Kaisu: Wo immer möglich, nutzen wir regionale Produkte. Wir kaufen lokal ein. Ganz wichtig ist uns, dass wir unsere Sami Kultur in allem respektieren. Dazu gehört für uns die Ablehnung jeder Art von Massentourismus. Wir wollen keine fake Touristen Programme anbieten. Auch wirst Du bei uns keine billigen Touristen Souvenirs aus Fernost Produktion finden. Die Unterstützung der lokalen Kultur, das wiederbeleben der örtlichen Sami Sprachen und die wirklich authentischen Sami Feste feiern wir hier.
Blick aus der Vogelperspektive im Sommer auf das Hotel Kultahovi am Junta Fluss, das Örtchen Inari und den Inari See (Foto: Markku Inkilä; mit freundlicher Genehmigung)
Im Praktischen versuchen wir so viel, wie möglich, wieder zu verwerten. Im Gebäudebereich haben wir in den letzten Jahren stark in energie-Sparmaßnahmen investiert. Unsere Ausstattung der Räumlichkeiten mit Finnischen Design-Klassikern kann man zeitlos nennen. Ich denke, dies ist auch eine wichtige Sache, wenn man über Nachhaltigkeit nachdenkt. Wenn das Design zeitlos ist und die Dinge von guter Qualität, dann muss man nicht so oft erneuern.
Auch haben alle unsere Angestellten ordentliche mit den Gewerkschaften abgesprochene Arbeitsverträge. Wir nutzen keine Billig Arbeitskräfte oder Firmen, die solche beschäftigen.

Tobias: Am Inari See sind die Inari See Samen zuhause. Du gehörst selber dieser Volksgruppe der Sami an. Denkst Du, dass die Sami eine spezielle Beziehung zu Nachhaltigkeit und Umwelt Bewusstsein haben?

Kaisu: Traditionell haben wir eine sehr starke Beziehung zu unserer Umwelt.Die Inari-Sami-Mentalität ist traditionell sehr ökonomisch geprägt. Das Leben war hart. Heute kommt diese Mentalität gerade bei den Handarbeiten durch. Die Rohmaterialien sind sehr teuer und so wird jedes Stück genutzt. Das beste Beispiel ist das Rentier. Jedes Teil des Rentieres hat seinen Nutzen und wird verarbeitet. Idealerweise wird nichts entsorgt. Jedoch in den modernen Zeiten mit einer sich ändernden Gesellschaft ist das Rentier Hüten nicht mehr, wie früher. Und doch stellen wir eine Bewusstseinsveränderung fest. Gerade Teile des Rentieres, die vor ein paar Jahren noch als unbrauchbar galten, kehren plötzlich als Leckerbissen auf die Menüs zurück. Doch ich denke, dass die motorisierte Art des Rentier Herden auch eine Belastung für die Umwelt darstellt. Nur ist dies nicht mein Spezial Wissensgebiet.

Tobias: Was ist Dein persönlicher Ratschlag für Reisende, die nach Lappland kommen möchten?

Kaisu: Die authentische Erfahrung ist wichtig. Unbedingt darauf achten, das die meisten Touristen Angebote Sami Erlebnisse im Süden Lapplands anbieten. Die meisten davon sind alle fake. Fragt einfach nach!
Und bitte erwartet nicht, dass hier Sami “ausgestellt” sind. Dies ist unsere Gemeinschaft und unser Zuhause. Wir leben unser Leben hier. Fragt uns alle möglichen Fragen. Wir antworten gerne.
Wenn Ihr eine Familienfeier in traditioneller Tracht seht, dann könnt Ihr ruhig zuschauen. Doch es wird als unhöflich angesehen, wenn Ihr ungefragt Fotos macht, da dies eine besondere Feierlichkeit für die Beteiligten ist.
Respektiert die Natur und die Wege, Brücken und Strassen, die uns allen ermöglichen in die Natur zu kommen. Denkt auch über die Situationen, wie Wetterwechsel und anderes,  nach, die in der Wildnis auftreten können. Fragt immer bei Einheimischen nach bevor Ihr zu einem individuellen Abenteuer in die Natur aufbrecht.

Tobias: Und wohin fährst Du in Urlaub?

Kaisu: Wir fahren meist in die Natur hier rund um den Inari See. Fast immer sind wir aktiv unterwegs mit den Ski, Fahrrad oder Wandern.
Einmal im Jahr versuchen wir andere Länder in Europa zu besuchen. Dann tauchen wir in ein Stadt Ambiente ein, das Gegenteil von unserem Alltag hier in der Natur. Meinen letzten weiteren Urlaub verbrachte ich in England.
Tobias: Kaisu, vielen Dank für dies spannende Interview.

Auf unserer Natur & Kultur Reise “Kultur der Sami aktiv erleben” dürfen wir eine Woche lang die Gastfreundschaft von Kaisu und ihrem Bruder Heikki genießen.

im Winter am Hotel Kultahovi sind bezaubernde Nordlichter zu beobachten (Foto: Markku Inkilä; mit freundlicher Genehmigung)

Schreibe einen Kommentar