Natur und Ku(h)ltur auf der grünen Insel – Reisebericht Irland

Schafe, saftig grüne Wiesen, viel Regen und gutes Bier. Das fällt mir ganz spontan zum Stichwort Irland ein. Dass Irland aber noch viel mehr ist und nochmals mehr sein kann, durfte ich im Juli selbst erleben.

In Irland ticken die Uhren anders…

Keine zwei Stunden dauert der Flug nach Dublin und schon hat man das Gefühl dass die Uhren anders ticken (was sie ja auch um eine Stunde definitiv tun). Von Hektik am Flughafen keine Spur, alles geht ein wenig gemächlicher und gemütlicher vonstatten. Schnell hat sich unsere Gruppe um unsere Reiseleiterin Helga versammelt und auf geht es in die Wicklow Mountains.

Schafe, Schafe, Schafe

Kaum haben wir den Autobahnring Dublin verlassen, sehen wir sie bereits: unsere ersten Kühe und Schafe. Sofort kommt uns der Name Kerrygold in den Sinn, und wird uns die kommenden Wochen auch dauerhaft begleiten.

Den ersten Nachmittag nutzten wir direkt für einen Besuch von Russborough House, bevor es zur Begrüßung den schönsten Sonnenuntergang der Reise gab.

Am nächsten Tag war das Wetter schon eher „irisch“: Nieselregen und leichter Nebel. Wir fanden es großartig, denn so umgab die Klosteranlage von Glendalough eine mystische Stimmung. Von dort aus machten wir uns auf zu unserer ersten Wanderung. Durch Wald- und Heidelandschaft erwanderten wir uns die Wicklow Mountains. Gerne wären wir an diesem schönen Flecken Erde länger geblieben.

Killarney, Seeblick vom Feinsten

Über den geschichtsträchtigen Rock of Cashel fuhren wir weiter gen Südwesten. Killarney, das Tor zum Ring of Kerry, war unser Ziel. Das schmucke Städtchen mit zahlreichen Pubs und landestypischen Lädchen lädt wahrlich zum Bummeln ein. Doch auch zum Wandern durch den gleichnamigen Nationalpark. Mit See- und Bergblick machten wir uns bei schönstem Sonnenschein, auf den Muckrosslake zu umrunden. Das Muckross House mit seinen schönen Gärten bildete den perfekten Tagesabschluss. Dort gönnten wir uns erstmal eine gute Tasse Kaffee und DAS Gebäck der Iren, einen süßen Scone.

Darf´s was zu essen sein?

Da bietet es sich doch an direkt einen Schwenk zum Thema Kulinarik einzubauen: die Iren essen gut! Deftig darf es gerne sein aber auch Fisch können sie großartig zubereiten. Nicht nur in Form von Fish & Chips 😉 Das Frühstück ist reichhaltig. Neben dem allbekannten Porridge (Haferbrei) gibt es zahlreiche warme Beilagen wie Speck, Würstchen, Kartoffelrösti etc. Sehr beliebt sind auch Black Pudding und White Pudding, eine Art Grützwurst. Die bei uns in der Gruppe beliebten Scones erhält man dagegen eher zum 5 o´Clock Tea als zum Frühstück. Den haben die Iren bereitwillig von den Engländern übernommen. Außer den Scones gibt es jede Menge Kuchen. Leckeren Kuchen, den man überall kaufen kann. Sei es im Pub oder im Museumscafé, Kuchen gehört zu den Iren wie die Kerrygoldkuh zur Butter. Diese, also die Butter, wird übrigens auch zum Kuchen gereicht.

Blauer Himmer, grüne Wiesen, Cliffs of Moher
fleißige Fotografin

Genug vom Essen und weiter zu atemberaubender Natur: denn die Cliffs of Moher sind ein echtes Spektakel! Der Wettergott war uns gnädig und so begleitete uns an diesem Tag die Sonne. Wir wanderten entlang der Klippe und kamen aus dem Fotografieren gar nicht mehr heraus: hinter jeder Biegung und jedem Felsvorsprung bot sich ein anderes Panorama. Grandios und definitiv eines der Highlights dieser Reise. Aber manchmal sagt ein Bild auch mehr, als tausend geschriebene Worte… Nur noch eines sollte gesagt sein: es gibt zwei Wege. Einen für die Schwindelfreien näher am Abgrund und einen Weg etwas weiter entfernt. Die zwei Wege treffen immer wieder aufeinander, sodass auch Wanderer mit Höhenangst das Erlebnis Cliffs of Moher miterleben können.

Inselidylle Inisheer

Am nächsten Tag betrachteten wir die Klippen von einer ganz anderen Seite: nämlich von der Fähre aus, die uns nach Inisheer, der kleinsten der drei Aran-Inseln, bringen sollte. Wir hatten inzwischen schon einige Tage in Irland verbracht und in jedem besser sortierten Souvenir-Shop leuchtete einem die Reklame zu den Strickwaren der Aran-Islands entgegen – entsprechend hatten wir Bilder einer Insel voller Schafe im Kopf. Die Realität war dann aber doch eine andere: auf den Inseln wird zwar gewebt und gestrickt, vor allem während der Wintermonate, aber selbst für Schafe ist die Insel zu rau und wetterumtost. Dafür ist sie ein wahres Naturparadies und Refugium für Seevögel. Wir nahmen uns einen ganzen Tag Zeit, dieses Eiland, das wie aus einer anderen Zeit erscheint, zu erkunden.

I am a Galway Girl

Nach zwei Tagen inmitten der Natur dürstete es uns mal wieder nach etwas Stadtleben. Die wohl derzeit berühmteste irische Stadt, Ed Sheeran sei Dank, ist Galway. Die schmucke Altstadt, direkt am Meer gelegen, bietet zahlreiche Möglichkeiten, es sich gut gehen zu lassen. Sei es bei dem Besuch eines der zahlreichen Pubs mit Live-Musik, die in Galway allgegenwärtig ist, oder beim Shoppen eines der berühmten Claddagh-Ringe. Der historische Verlobungsring Westirlands ist nicht nur ein authentisches Souvenir, sondern auch ein Zeichen für den Beziehungsstatus des Trägers (ähnlich der Schleife beim Dirndl). Wird er  zum Beispiel rechts getragen, mit der Herzspitze zum Träger weisend, wird kundgetan, dass bereits eine Liebesverbindung besteht.

Wandern bei „Soft Rain“ – Nieselregen

Unser Aufenthalt in Connemara fiel im mehr oder weniger ins Wasser. Es regnete in Strömen, wie man es ja eigentlich auch in Irland erwartet, sodass wir unsere geplante Wanderung leider nicht unternehmen konnten. Doch auch ein erzwungener Ruhetag hat etwas Gutes. Wir tankten Energie und machten uns somit am nächsten Tag voller Elan auf nach Dublin.

Flüssiges Gold – Whiskey vs, Whisky

Unterwegs hielten wir im kleinen Ort Kilbeggan, um uns näher mit der Trinkkultur der Iren zu beschäftigen. Neben den zahlreichen Biersorten, gehört nämlich der Whiskey ( ganz wichtig mit „E“ geschrieben!) zu den beliebtesten Getränken. Die traditionelle Whiskey-Destillerie veranschaulicht den Herstellungsprozess und warum der irische Whiskey besser ist, als der des Erzrivalen Schottland: die Reifezeit ist nämlich gesetzlich um einen Tag länger festgelegt, somit ist der irische immer um mindestens einen Tag älter 🙂 Der Theorie erfolgte selbstverständlich die Praxis, und so verkosteten wir die Erzeugnisse.

Von Tür zu Tür durch Dublin

Dublin, bekannt für den Bezirk Temple Bar, das Trinity College und die Rockband U2, den irischen Exportschlager Nummer 3 (nach Guinness und Molkereiprodukten), die hier sogar ein eigenes Hotel betreiben. Während unserer halbtägigen Stadtführung lernen wir die schönsten und wichtigsten Orte der Hauptstadt kennen und sammeln schon Ideen für unseren freien Nachmittag. Wie es sich für eine Großstadt gehört, bietet auch Dublin zahlreiche Möglichkeiten für jeden Geschmack. Ich empfehle einen Besuch des archäologischen Museums mit seiner tollen Ausstellung zur Geschichte Irlands und der größten europäischen Sammlung an Moorleichen (einzigartig!). Das Großartige in Irland ist, dass der Eintritt in alle staatlichen Museen kostenlos ist. In die meisten Kirchen hingegen muss man Eintritt zahlen.

Bevor es am nächsten Morgen zurück nach Deutschland ging, besuchten wir noch das berühmte Trinity-College mit dem Book of Kells und der großartigen Bibliothek, die sogar für den Film Harry Potter als Kulisse diente. Ein erhabenes Gefühl durch die Reihen historischer Bücher zu schlendern und ein grandioser Abschluss dieser sehr abwechslungsreichen und entschleunigenden Irland-Rundreise.

Durch mehrere Nächte pro Standort, den wirklich ausgeglichenen Mix aus Natur und Kultur, die überraschend gute Küche und eine großartige Reiseleitung wurde diese Reise zu einem wahren Genuss. Und wen ärgert da noch der eine oder andere Regenschauer?

Zur Reise: Natur und Kultur auf der grünen Insel

Féach tú go luath (Bis bald auf Gälisch),
Nicole

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