Nepal: Kleider machen Leute und warum die Frau niemals den Namen ihres Mannes aussprechen soll

Von der Kleiderordnung in Nepal und anderen Sitten und Gebräuchen

„You are not here to change Nepal, Nepal is here to change you“

B. Düchting nepalesische Frau 3
B. Düchting nepalesische Frau 
B. Düchting entspanntes Nepal
B. Düchting entspanntes Nepal

 Wenn Kleidung Verhaltensweisen auslöst

Haben Sie schon mal im Touristenviertel „Thamel“ eine Dame mit Hotpants gesehen, gepaart mit koketter Bluse und die Reaktionen der nepalesischen Männer verfolgt?  Nein, sicherlich nicht, da die meisten von uns noch nicht in Nepal waren. Das Beispiel  ist sicher ein Extrem, es kommt allerdings häufiger vor als „man“ so denkt. Oft ist uns nicht bewusst, welche Kleidung, welche Verhaltensweise, in bestimmten Situationen in einer anderen Kultur die richtige ist, oder was sie bei einem Gegenüber auslösen kann. Oder war Ihnen klar, dass für den nepalesischen Mann der Knöchel, gepaart mit Unterschenkel, einer der erotischsten Körperteile der Frau darstellt? Quasi wie bei uns in  viktorianischer Zeit.

Blick Richtung Annapurna Massiv bei Sonnenaufgang
B. Düchting. Blick Richtung Annapurna Massiv (8091 m) bei Sonnenaufgang

Kleiderkodex, Verhaltens- und Kleidungstipps

Nepal ist eine fremde Welt für uns und deswegen fahren wir ja auch hin. Wir wollen das Land verstehen, landestypische Eindrücke gewinnen und uns inspirieren lassen durch Natur, insbesondere die Berge, und die Kultur.  So kommt es für den Westler öfter zu Orientierungsproblemen  bei der  Befolgung angesagter landestypischer  Verhaltensweisen, so z.B. auch des Kleiderkodexes. Bei den Vorstellungsgesprächen meiner  Reisen nach Nepal, Tibet  und Myanmar versuche ich deswegen den Gästen als eine der ersten Dinge Verhaltens- und Kleidungstipps mit auf den Weg zu geben.

Nepal Nagharkot
B.Düchting Nepal Nagharkot

Nepal  ist ein sehr konservatives Land. Der Großteil der Bevölkerung, von der immerhin noch 2/3 in der Landwirtschaft arbeitet, hat erst seit kurzer Zeit Kontakt mit anderen Kultureinflüssen, z.B. den westlichen. So konnten sich traditionelle Einflüsse bis jetzt halten. Prägend sind im mittleren und südlichen Bereich des Landes der Hinduismus mit seinem Kastensystem und viele animistische (beseelte Natur) Bräuche, welche als wirkend aufgefasst werden.

Dieses traditionelle Denken hat Auswirkungen für den westlichen Nepalbesucher

In den Augen der Nepalis sind wir Westler ausnahmslos reich, wie könnten wir sonst nach Nepal fliegen? Durch die in weiten Teilen traditionelle hinduistische Verwurzlung belegen wir  Westler im Hierarchiesystem des Hinduismus eine hohe Stellung (offizielle Einordnung:  3. Kaste, mittlere Kastenebene, Alkohol trinkend; aber Geld wirkt und so werden Westler fast immer als hochkastig angesehen) und somit sind z.B., aber nicht nur, kurze Hosen ein No Go.

Kurze Hosen als No Go – Warum ist das so?

Ein Bauer trägt kurze Beinkleider, da er auf dem Feld arbeitet und somit lange Kleidung hinderlich ist. Der Bauer steht in der Hierarchie aber unterhalb des Reichen (auch wenn die Benachteiligung durch das Kastensystem offiziell verboten ist, so ist es trotzdem noch wirkend).  Sowohl der Bauer als auch der Reiche haben gemäß ihrem Stand in der Sozialordnung die entsprechende Kleidung zu tragen.

Dies bedeutet z.B., dass kurze Trekkinghosen für Westler  eher unschicklich sind. In der Regel sind die Nepalis äußerst wohlwollend und tolerant und so merken wir ihre Irritationen eher nicht, erst recht nicht in der Stadt, wo andere Kultureinflüsse schneller umgesetzt werden. Und trotzdem… man sollte sich nicht täuschen. Ein reicher älterer Nepali wird nie kurze Hosen tragen (auch keine kurzen Tekkinghosen!). Mit einer Hose, die die Knie bedeckt und dezenter Kleidung, ist man schon recht weit „auf der sicheren Seite“. Ich persönlich trage allerdings nur lange Hosen.

Frauen sollten zudem auf eine eher konservative Kleidung achten und z.B. auch die Schultern bedeckt haben, also z.B. keine Tank Tops tragen.

B. Düchting on the road in Nepal
B. Düchting… on the road in Nepal

Körperkontakt in der Öffentlichkeit

In Nepal ist darüber hinaus der öffentliche Körperkontakt zwischen den Geschlechtern unschicklich, erst recht ein Kuss. Personen gleichen Geschlechts zeigen ihre Freundschaft (nicht Beziehung!) hingegen durch „an die Hand“ nehmen oder durch „den Arm über die Schultern“ legen. Dies ist für uns eher ungewöhnlich.

B. Düchting Morgenmarkt
B. Düchting. Morgenmarkt

Ein paar weitere Beispiele

Wussten Sie, dass bei den Newaris (den Stammbewohnern des Kathmandutals) die Küche im Dachgeschoß liegt? So kann sie nicht rituell durch Niedrigstehende rituell verunreinigt werden. Oder, dass die Ehefrau ihren Mann nach der Hochzeit nicht mehr mit dem Namen ruft? „Geister“ oder „negative Kräfte“ könnten sonst den Namen des Mannes auffangen und ihm Schaden zufügen.

Das Ausfegen der Wohnung am Abend ist untersagt und in einer Wohnung darf man nicht pfeifend Dahinträllern. Dies sind alte Rituale mythischen Ursprungs, die der Nichtreizung evtl. herumschwirrender Geister dient (mehr dazu auf der Reise  „Höhepunkte Nepals – Berge, Dschungel & Kultur“).

nepalesische Frau 2
B. Düchting. nepalesische Frau 

Ein leerer Teller bleibt nicht auf dem Tisch!

Ein leerer Teller bleibt niemals auf dem Tisch stehen, sondern wird unter den Tisch gestellt, sondern wird unter den Tisch gestellt.

Des weiteren vermeidet man Geld in einer Summe zu bekommen, die auf Null endet.

Zudem kommen Nepalis nicht gerne zu dritt zusammen.

Niemals überreicht man irgendwelche Dinge mit der linken Hand, sie gilt als unrein. Ein Übergeben sollte immer mit der rechten, noch besser mit beiden Händen erfolgen, in leicht gebückter Haltung als Zeichen der Ehrerbietung.

Das Handreichen ist bei traditionellen Nepalis nicht verbreitet, da Berührbarkeit Tabus verletzt werden können (traditionelles Kastensystem). Man legt eher die Handflächen auf Brusthöhe zusammen verbunden mit dem Gruß „Namaste“: Ich grüße das Göttliche in dir.

B.Düchting Schulkind
B.Düchting. Schulkind

Geschäftsreisende haben das Problem, dass ein Einheimischer traditionellerweise einen Astrologen kontaktiert um den günstigsten Tag für einen Geschäftskontakt herauszufinden.

Außerdem kommen traditionelle Nepalis nicht an einem Dienstag oder am neunten Tag einer Reise zurück, das bringt Unglück. Der Westler muss dies in seinen Arbeitskontakten berücksichtigen.

Der Alltag der Nepalis

Nepal hat tausende von kleinen Riten, Geschichten, latent wirkenden Geistern und Kräften, die das Alltags- und Berufsleben bestimmen und ist damit in seiner Kultur ein faszinierendes und ursprüngliches  Kleinod. Nicht nur die Berge sind außergewöhnlich und faszinierend. Der Alltag der Nepalis ist fordernd, aber ihre Welt hat etwas wundervoll Märchenhaftes……:

B. Düchting Chitwan Nepal
B. Düchting. Chitwan Nepal

“…Nepal is here to change you“

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