Radreise durch Mallorca’s Osten – strahlende Strandwelten & einsame Höhen

Wer hoch kommt, kommt auch wieder runter. Dies sollte also das Motto meiner ersten Wikinger-Reise werden. Mallorca. Von vielen geliebt, von vielen verpönt. Mit Vorurteilen gespickt und jene, die sich davon nicht abhalten lassen, die größte Insel der Balearen zu besuchen.

Der Herbst naht in Deutschland, die Tage fangen tatsächlich an wieder kürzer zu werden und auch die ersten Weihnachtslebkuchen finden sich in einheimischen Supermärkten. Nichts wie weg hier.

Endlich bin ich auf Mallorca. Hier werde ich freundlich empfangen. Der Transfer bringt mich und 2 weitere Mitreisende in unser Hotel Canyamel Park, in dem wir für die nächsten Tage unser Quartier aufschlagen dürfen. Die Sonne lacht uns entgegen, hier wird es mir gefallen. Am Nachmittag bleibt Zeit die Gegend zu erkunden, einen Café con leche zu trinken und die erste Runde im Pool zu schwimmen.

Eine Insel die auch mich überraschen sollte.

Die Bucht von Canyamel
Die Bucht von Canyamel

Nachdem die meisten meiner Radfreunde eingetroffen sind, nehmen wir unsere Weggefährten für die nächsten Tage entgegen. Der örtliche Radverleiher ist sehr hilfsbereit und selbstverständlich steht uns unsere Reiseleiterin, Angela Daghigh, besonders in Hinsicht auf die spanische Übersetzung stets zur Seite.

Nach einer ersten Kennenlernrunde beim Abendessen merken wir alle schnell: das wird eine witzige und unterhaltsame Runde.

Die Reise beginnt…

Der erste Radtag startet mit angenehmen Temperaturen und leicht bewölkt. Mit einer ersten Erkundungstour durch den Nordosten der Insel bekommen wir einen ersten Eindruck ihrer Vielfalt und Schönheit. Mittags kehren wir in einer am Wasser gelegenen Bar ein, mit Blick auf das Meer, den Wind in unseren Haaren. Am Nachmittag bleibt uns genügend Zeit in unserem Hotel einen Café zu trinken. Ein kurzes Bad im nahegelegenen Meer macht den ersten Tag perfekt.

Mittelalterliche Stadt Artá
Mittelalterliche Stadt Artá

Was für ein Wetter, die Sonne lacht, wie bestellt. Nach einem kurzen Transfer nach Artá, einem kleinen mittelalterlichen Ort im Landesinneren, startet unsere zweite Radetappe. Wie beschwipst vor Glück sitze ich auf meinem Sattel und strahle der Sonne entgegen. Mir wurde zwar schon oft gesagt, dass Mallorca schön sein soll, aber hier wurde definitiv untertrieben. Auch die etlichen Höhenmeter können all das nicht trüben.

Ich genieße jeden Atemzug, jeden Tritt in die Pedale.

Mittags machen wir eine Pause im Schatten der Bäume und genießen ein leckeres Bocadillo (belegtes Baguette) und bereiten uns mental auf einen weiteren Berg vor, den es zu bezwingen gilt. Außer Atem oben angelangt belohnt uns eine fantastische Aussicht auf das Hinterland. Es folgt eine hügelige und wunderschöne Abfahrt. Hier schlägt es mir das erste Mal bewusst entgegen: Wer hoch kommt, kommt auch wieder runter.

Wer hoch kommt, kommt auch wieder runter!
Wer hoch kommt, kommt auch wieder runter!

Nach jeder Kurve, nach jedem Hügel, sehen wir die Vielfalt dieser Insel. Von einsamen Tälern, über verschlafene Dörfer, bis hin zu einer Kulisse aus Bergmassiven ist an diesem Tag alles dabei. Aber was uns am Ende dieser Radetappe erwartet, überfällt jeden von uns. Eine lange, schier unendliche Abfahrt mit Blick aufs Meer. Das Blau des Meeres und des Himmels scheint uns entgegen. Jeder für sich hat die Möglichkeit, diesem Moment auf sich wirken zu lassen. Unten angekommen strahlen die Gesichter. Ja, so stelle ich mir einen gelungenen Radtag vor. Es belohnt uns zusätzlich ein Café con leche, der bei allen Reiseteilnehmern hoch im Kurs steht.

Abends im Hotel stehen wir alle mal wieder vor der gleichen Frage. Was kommt auf meinen Teller? Nachdem wir uns alle den Bauch vollgeschlagen haben (- wir dürfen das, wir haben bestimmt 5000 Kalorien verbrannt), lädt uns die Hotelbar auf ein kühles Cerveza ein.

Ein neuer Tag bricht an. Eremita de Betlem.

Richtig gelesen, da wollen wir hin. Diesmal fahren wir mit dem Rad nach Artá. Es bleibt ein wenig Zeit für die Besichtigung des wöchentlichen Marktes. Wo soll ich bloß als erstes hin, wohin soll ich gucken? Vielleicht bleibe ich einfach den ganzen Tag hier – das Frauenherz schlägt höher.  Nein, Sonja, wir sind hier zum Radfahren! Also ab auf den Sattel und weiter geht’s.

Markt von Artá
Markt von Artá

 

Frische Feige
Frische Feige

Auf dem Weg zur Eremita, einer verlassenen Klosteranlage auf dem Kamm eines Berges, ist es dann soweit – endlich kann ich mir einen Traum erfüllen. Ich pflücke mir meine eigenen Feigen von großen Feigenbäumen, die unseren Weg säumen. Mir fällt es beinahe schwer weiter zu fahren, wo doch noch so viele Feigen auf mich warten. Nach dem sportlichen Anstieg zur Eremita habe ich jedoch beinahe das Gefühl, die Feigen haben mir unverhoffte Kräfte verliehen. Vielleicht ist es jedoch auch meine Gruppe, mit der ich so viel Lachen kann. Allein das ist Motivation genug, all diese Etappen zu bewältigen.

Alle motivieren sich gegenseitig, ohne dabei zu drängen oder unter Druck zu setzen.

 

Die Höhlen von Artá
Die Höhlen von Artá

Ein weiteres Highlight dieser Reise erwartet mich an unserem freien Tag. Jeder nutzt diesen anders: eine weitere Radtour, ein Ausflug nach Palma oder wie ich und ein paar weitere Mitreisende: einen Ausflug in die Cuevas de Artá. Die Höhlen von Artá, nicht unweit von unserem Hotel entfernt, könnten beeindruckender kaum sein. Riesige Höhlen mit abertausenden Tropfsteingebilden – ich komme mir klein und unbedeutend vor und bin voller Ehrfurcht vor diesem Naturwunder.

Es folgen weitere wunderschöne Touren durch Mallorca. Stets mit einem Schnaufen und einem Lächeln rolle ich durch das Hinterland. Bei jedem Kilometer mehr wird mir bewusst, ich muss wieder kommen. Ganz bald.

Panorama vor Colonia de San Pedro
Panorama vor Colonia de San Pedro

Nach ca. 260 km, etlichen Höhenmetern, einzigartigen Persönlichkeiten als Wegbegleiter, einer wunderbaren Reiseleitung durch Angela, steige ich wehmütig ins Flugzeug, welches mich zurück nach Deutschland bringt. Am letzten Abend unterhalte ich mich mit einer Mitreisenden.

Bei einem sind wir uns beide einig, für gerade mal eine Woche haben wir viel Urlaub bekommen.

Überraschungssnack von Frank

Ich danke allen, die diese Reise zu einem außergewöhnlichen Erlebnis gemacht haben. Meinen 11 Mitreisenden, unserer Reiseleiterin Angela, Frank, unser Mann vor Ort, der uns mit einem Snack aus Feigen und Mandeln unterwegs überrascht hat und selbstverständlich meinen Arbeitskollegen aus der Rad-Abteilung, mit denen die Arbeit einfach mehr Spaß macht.

Und an alle die immer noch an der Schönheit Mallorcas zweifeln: Überzeugen Sie sich selbst, Mallorca hat mehr zu bieten als sich erahnen lässt!
Hier geht’s zur Rad-Reise: Mallorcas Osten – strahlende Strandwelten & einsame Höhen.
Auf bald,
Eure Sonja

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