Reise in die Marken – idyllisches Hügelland zwischen Adria und Apennin

Bisher hatte ich mich in Italien auf den Norden, den äußersten Süden und die tyrrhenische Seite konzentriert. Ein unbeschriebenes Blatt auf der Adriaseite sollte gefüllt werden. Viel mehr, als dass unsere Insider-Reiseleiterin Renata ihre Wurzeln in den Marken hat und sehr von diesem Landstrich schwärmt, wusste ich nicht. Umso gespannter war ich.

Die Flüge klappten reibungslos. Der kleine Zielflughafen wurde rasch überblickt. Nur ein Gepäckband war zu sehen. Hm, ob da wohl auch unser Gepäck eintrifft? 🙂

Nach herzlicher Begrüßung durch Renata Canestrari und einstündigem Transfer, begleitet von ersten Informationen über die Pluralregion (die Marken = le Marche), trafen wir in Mondavio ein. Renata bezeichnete die kleine Stadt als „Kaff“. Nun ja, unser Hotel ist Mittelpunkt an der Piazzetta des Ortes, wo alle Informationen zusammenkommen, wo der Schulbus hält, wo morgens Brot, Getränke und Gebäck gekauft werden, wo Familien abends im Hotelrestaurant essen etc. Darüber hinaus gibt es im Ort eine Apotheke, einen kleinen Supermarkt, wenige Geschäfte und ein tolles Festungsmuseum. Dazu hübsche Altstadtgassen, das war’s.

Unsere Unterkunt – Hotel La Palomba

Das familiengeführte Hotel La Palomba am Rand der Apenninen in den Nordmarken verfügt über 15 Zimmer. Der kleine Pool lädt zur Erfrischung und zu einigen Schwimmstößen ein. Umkleidekabinen und Duschen gibt es separat.

Zu Beginn stellte Francesco, der Hotelchef sich und das Haus (beim Begrüßungsdrink) vor, während Renata übersetzte.

Das Büfett fürs erweiterte Frühstück und das Abendmenü wird im hoteleigenen Restaurant eingenommen. Abends wird jeweils für den Folgeabend eine Menükarte zur Auswahl (3 Primi, 3 Secondi) verteilt. Salatbüffet gibt es als weitere Beilage, also insgesamt mit Dessert 3 gute Gänge. Getränke, die an einem Abend nicht verbraucht werden, werden am Folgeabend wieder serviert.

Das Personal sprach die Gruppe nur auf Italienisch an. Ein großer Teil der Gruppe konnte sich zum Glück auf Italienisch verständigen. Für die anderen war es ein Vorteil, die eigene Zimmernummer auf Italienisch zu memorieren, dann klappte alles reibungslos.

Unsere Reiseleiterin Renata Canestrari ist Halbitalienerin.

Vater und Opa stammen aus den Marken. Sie hatte Italianistik und Kunstgeschichte mit längeren Aufenthalten in Florenz und Rom studiert. Im Bus, in den Städten und auf Wunsch auch vor dem Abendessen brachte sie uns die Kunst- und Geschichtszusammenhänge zwischen den Marken und Rom bei, von Raffael über die Ghibellinen und Guelfen, wohl dosiert, auch mit Vorlesungen oder (im Bus) bei passender Musikuntermalung.

Per Quizfragen prüfte sie humorvoll, was am „Lehrstoff“ hängengeblieben war. Bei Bedarf unterstützte sie beim Kauf von Medikamenten oder beim Planen des freien Tages. Renata organisierte auch die Weinprobe und die fakultativen Besichtigungen und kaufte das Picknick für den spektakulären Monte-Catria-Wandertag.

Renata Canestrari
Renata Canestrari

Die Fahrer sorgten für bekannte Musik aus der Konserve. Da Renata die kopierten Texte verteilte, konnten wir die Canzoni sofort auf Italienisch mitschmettern. Der kleine 20-Sitzer erlaubte es uns, die hügelreiche Landschaft auf unterschiedlichsten Sträßchen und Schleichwegen kennenzulernen. Allerdings bot der Bus für hochgewachsene Gäste wenig Beinfreiheit.

Einstiegswanderung um Mondavio

Das Programm des Tages 2 wurde von Renata aufgrund des unbeständigen Wetters geschickt getauscht. Wir machten also zuerst die Einstiegswanderung um Mondavio bei trockenem Wetter und dann die Führung durch den humorvollen Mario in der Festung Rocca Roveresca des Ortes. Der Aufforderung, im kleinen Apollo-Theater etwas aufzuführen, kam eine Kundin nach, indem sie spontan auf der Bühne humorvoll über auf Kabarettart über Trüffelpralinen rezitierte.

Festung Rocca Roveresca
Festung Rocca Roveresca

Küstenstädtchen Sirolo

Leider fing der Tag 3 auch verregnet an, sonst hätte man im schönen Küstenstädtchen Sirolo noch viel lieber flaniert. Auch für die Wanderung durch den Steineichenwald um den Monte Conero mit Blick auf die Küste um Ancona waren Regenjacken gefragt. Nach der Fahrt zur Küste bei Portonovo setzte sich die Sonne durch, die wir nach der Besichtigung der romanischen Kirche auch für einen kurzen Abstecher zur Kathedrale von Ancona mit Blick auf den riesigen Hafen nutzten.

Romanische Kirche von Portonovo
Romanische Kirche von Portonovo

Der Tag 4 gehörte dem hübschen Städtchen Fossombrone

Fossombrone, wo Alt und Jung – es war schließlich Samstag – in der Fußgängerzone oder unter den Arkadenbögen unterwegs waren. Hier konnten wir die beste Eisdiele der Gegend testen. Nach der einfachen Wanderung in den Cesanebergen hatten wir uns ein Picknick verdient, was die örtliche Agentur organisiert hatte – ein tolles Erlebnis bei sonnigem Wetter im Freien. Nach einem Abstecher in Barchi, wo wir zu allem Überfluss noch eine Weinprobe mit „Markenwein“ und Imbiss genießen konnten, war vor dem Abendessen noch etwas Zeit, das Hotel zu erkunden und im Pool ein paar kräftige Schwimmstöße zu unternehmen.

Den fakultativen Besuch im Papiermuseum von Fabriano am Tag 5 machten alle mit. Danach gab es ausreichend Freizeit für Geschäfte, Gastronomie, eine Sonntagsmesse oder das Fahrradmuseum in der mittelalterlichen Stadt. Am Nachmittag stand ein Besuch in der romanischen Kirche von Frasassi statt, gefolgt von meinem persönlichen Höhepunkt des Tages, dem Besuch einer der größten Tropfsteinhöhlen Europas. Ein gigantisches Erlebnis!

In der Frasassi-Schlucht
In der Frasassi-Schlucht

Den freien Tag 6 nutzten die meisten Gäste für eine Fahrt nach Fano zum Shoppen und Baden.

Ein Gast machte uns nach dem Abendessen darauf aufmerksam, dass man um genau 22:04 Uhr von einer dunklen Stelle des Ortes den Iridium Flare am Nachthimmel sehen könnte, einen Satelliten, der vom Sonnenlicht angestrahlt, hell zur Erde reflektiert wird. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Von einem Platz des Ortes aus wies er auf zwei Sternengebilde hin, durch die der Satellit erscheinen würde. Um 22:03 Uhr kam dieser tatsächlich sichtbar angeflogen, und eine Minute später erreichte die Reflektion des Himmelskörpers eine stark leuchtende Helligkeit, die wir alle bestaunen konnten.

Jesi, wo der Geburt des Stauferkaisers Friedrich II. gedacht wird, und das pittoreske Corinaldo waren am Tag 7 einen weiteren Besuch wert. Renata brachte dazu jeweils interessante Geschichten zum Besten. In der romanischen Kirche von Jesi trauten sich drei Gruppenmitglieder, die ehrenamtlich in Chören mitwirken, für die Gruppe einen passenden Choral vorzutragen, der der Feierlichkeit der Örtlichkeit Rechnung trug. Der Vater der Reiseleiterin war an dem Tag zugegen, ein echter „Marchigiano“ also, mit dem wir uns prächtig bei einem Eis oder Cappuccino unterhalten konnten.

In Corinaldo
In Corinaldo

 

Der Tag 8 gehörte Urbino, einem weiteren Höhepunkt der Reise.

Die Führung durch Sabine Jacobs fand überraschenderweise hauptsächlich außerhalb der Stadt statt. Doch auf dieser kleinen Wanderung konnten wir am besten die Mauern, Zinnen und Türme der Kleinstadt bewundern und uns für die freie Zeit am Nachmittag orientieren. Im Oratorium durfte das Gesangstrio aus unserer Gruppe einen weiteren sakralen Choral zum Besten geben. Der Nachmittag blieb frei für eigene Unternehmungen, z. B.  für den Besuch des Palazzo Ducale, für die Gourmettempel oder zum Bummeln.

 

Blick auf Urbino
Blick auf Urbino

Am Tag 9 fand nach einem längeren Transfer die schwierigste Wanderung statt, die Ersteigung des Monte Catria, die vom Ausgangspunkt eine Höhenüberwindung von 320 m erforderte. Alle schafften diesen schweißtreibenden Akt bei warmem Wetter, der durch tolle Aussichten zur Küste, in den Süden der Marken mit den Sibillinischen Bergen, nach Umbrien und in den Osten der Toskana belohnt wurde.

Ein tolles Picknick, das Renata eingekauft hatte und auf einer Blumenwiese eingenommen, rundete den Tag ab. Der Fahrer sorgte sogar für einen zünftigen Espresso. Im Bus wurde ein eigens von einem Gast geschriebener italienischer Text („Palomba, Palomba“), der nach der Melodie des berühmten Schlagers „Marina, Marina“ gesungen werden kann, eingeübt. Vor der Trinkgeldübergabe sang die Reisegruppe nach dem Abendessen dem Personal dieses Ständchen zum Abschied.

Fazit:   Die Region mit der Hügellandschaft und den langen Küsten sowie die mittelalterlichen Dörfer und Städte waren der Star der Tour, genauso wie Renata, die – wie man merkte – durch ihre Abstammung viel Herzblut für diese Region hegt. Das Wetter war ab dem Nachmittag des dritten Tages fast optimal. Nachdem die meisten Reisenden Italien zuerst in anderen Regionen erkunden (Rom, Venedig, Toskana, Kampanien, Sizilien), kommen die Marken in der Regel erst später dran, zu Unrecht, wie ich jetzt finde.
Euer Rainer
PS: Die Reise findet ihr hier

 

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