Reisebericht: „Das Geheimnis der Maya“

„Das Geheimnis der Maya“ – ein Titel, der viel verspricht und trotzdem alles im Verborgenen hält. Mit mir waren es elf abenteuerlustige Wikinger, die es kaum erwarten konnten, Mexiko, Guatemala und Honduras zu erkunden.

Nach einer langen Anreise via New York landeten wir am Abend in Cancun. Von dort aus erfolgte ein zweistündiger Transfer nach Valladolid, wo uns ein weiches Bett erwartete.

Bademöglichkeit in der Cenote Ek Balam

Den Dschungel entdecken…

Der nächste Tag begann zum Glück nicht ganz so früh, sodass wir zunächst gemütlich frühstücken und uns akklimatisieren konnten. Danach fuhren wir mit unserem  Kleinbus zur Cenote Ek Balam. Das letzte Stück legten wir zu Fuß auf einem Dschungelpfad zurück, wo wir bereits einen ersten Eindruck von der enormen Tier- und Pflanzenwelt erhielten.

Angekommen an der Cenote, ein riesiges Kalksteinloch, gefüllt mit Regen- und Grundwasser, hieß es „Badestopp“. Ein unvergessliches Erlebnis! Das kühle Nass, umgeben von Fels und über einem der tropische Regenwald. Ich kann es wirklich nur empfehlen! Nach der Erfrischung ging es auch schon weiter zum Nationalpark Rio Lagartos.

Das riesige Mangrovengebiet ist bekannt für seine Flamingokolonien und Süßwasserkrokodile. Mit dem Boot machten wir uns auf Beobachtungsfahrt und bekamen auch allerhand zu sehen. Zahlreiche Reiherarten, Kormorane und natürlich auch die Flamingos. Highlight war das knapp zwei Meter lange Krokodil, das wir am Ufer erspähten. Was für ein Auftakt für unsere Reise…

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Kukulkan-Pyramide in Chichen Itza

Der Mayakultur auf den Spuren

Am dritten Tag sollten wir nicht weniger beeindruckt sein. Es ging zur wahrscheinlich berühmtesten Maya-Stätte Chichen Itza. Unsere Gruppe war bereits früh in der Anlage, um die Touristenmassen zu umgehen. So hatten wir die Stätte zumindest fast für uns alleine.

Max, unser Reiseleiter, nahm sich viel Zeit uns über die Bedeutung des „Ballspiels“ aufzuklären, hatte aber auch über die Geschichte und Bedeutung von Chichen Itza die passenden Fakten parat. Ermattet von so vielen Informationen, waren wir froh, den Nachmittag in Merida zur freien Verfügung zu haben. Geldumtausch, die ersten Souvenirkäufe oder eine Runde im Pool, jeder unternahm das, wozu er Lust hatte.

Zum Abendessen trafen wir uns wieder und speisten in einem historischen Innenhof einer ehemaligen Hacienda. Großartig! Das typische Bohnenmus gibt es zu jedem Gericht, ebenso wie die beliebten Maistortillas. Dazu ein kühles Bier und das Abendessen ist so gut wie perfekt. 🙂  Und da wir in so einer quirligen Stadt wie Merida nicht schon um zehn Schlafen wollten, machten wir uns auf um das Nationalgetränk in diversen Zubereitungsarten zu kosten. Die Bilder  zeigen es, es war ein sehr lustiger Abend!

Uxmal, Pyramiden und Höhlensystem von Loltun

Am vierten Tag nahmen wir uns eine weitere antike Stätte vor. Uxmal zeigt einen völlig anderen Baustil auf, als Chichen Itza, ist aber nicht minder beeindruckend. Wir waren begeistert, dass man hier noch die Möglichkeit hatte, auf eine Pyramide zu steigen. Von der Spitze aus bietet sich ein unglaubliches Panorama über die Ruinenspitzen und das Dach des Regenwaldes. Am Nachmittag sollte es dann unter die Erde gehen.

Das Höhlensystem von Loltun ist eine der weniger bekannten Sehenswürdigkeiten der Yucatan-Halbinsel, aber absolut sehenswert. Das unterirdische Gewölbe ist über eine Länge von 1km zu besichtigen. Die Nacht verbrachten wir im Küstenort Campeche.

„Steinhaufen“ oder Ausgrabung?

Auch am nächsten Morgen hieß es wieder zeitig aufstehen. Wir fuhren zunächst am Golf von Mexiko entlang und erreichten gegen Mittag Palenque. Auch hier gab es wieder „Steinhaufen“, wie Max, unser Reiseleiter, liebevoll die Ausgrabungen nannte, zu sehen. Doch unter fachkundiger Anleitung erkannten auch wir tatsächlich die Unterschiede, im Baustil und der Aufteilung, zwischen den Anlagen. Max sei Dank. 🙂

Willkommen in Guatemala

Auf geht’s nach Guatemala – bye bye Mexiko!

Fünf Tage Mexiko lagen hinter uns. Es ging weiter nach Guatemala. Am Vormittag besichtigten wir zunächst die, nur per Boot erreichbare, Ausgrabungsstätte Yaxchilan. Hier verspürte man noch den Forschergeist vergangener Zeiten.

Wir durchwanderten den Dschungel, bis sich vor uns eine Ebene auftat und wir die Ruinen erblickten. Indiana Jones Feeling inklusive, aber ohne heimtückische Fallen 😉 Im Anschluss schipperten wir mitsamt Gepäck auf die andere Flussseite und betraten guatemaltekischen Boden. Einige Kilometer weiter fand die Grenzkontrolle statt und gegen Abend dann erreichten wir unser Ziel: Tikal.

Beeindruckendes Tikal

Sonnenaufgang am Tempel IV

Bereits um drei Uhr in der Früh brachen wir dieses Mal auf. Mit Stirnlampe und Mückenspray bewaffnet pirschten wir durch die Nacht um bei Sonnenaufgang auf der höchsten Pyramide (Tempel IV) zu sitzen. Eine beeindruckende Geräuschkulisse umgab uns. Brüllaffen und Vögel kreischten in der Dämmerung.

Dabei sollte es an diesem Tag auch leider bleiben, denn der ersehnte Sonnenaufgang fiel der hohen Luftfeuchtigkeit und dem damit verbundenen Dunst zum Opfer. Schade! Im Tageslicht besichtigten wir die phänomenale Anlage nochmals in aller Ruhe. Durch die Lage im Nationalpark hat man die Möglichkeit während der kulturellen Besichtigung auch allerhand Tiere zu entdecken. Wir begegneten einem Klammeraffenpaar mit Nachwuchs, farbenprächtigen Tukanen und auch einem Agouti.

Gegen Nachmittag ging es bereits weiter mit dem Bus nach Rio Dulce. Überwältigt von den vielen Ereignissen des Tages, kehrte schnell Ruhe im Bus ein und alle hielten ein wohlverdientes Nickerchen.

Gegen Abend erreichten wir schließlich Rio Dulce, wo wir nochmals in ein Boot umstiegen und zu unserer Unterkunft für diese Nacht fuhren. Eine Insel mit Holzhütten, welche teilweise im Wasser standen. Jedes „Zimmer“ war dieses Mal eine Hütte, mit Namen des englischen Buchstabieralphabets. So wurde auch abends das Essen an Alpha, Bravo und Charlie serviert. 🙂

Wer jetzt schon Reisefieber gekriegt hat, findet die Tour Hier!

Dieser Tag sollte vollkommen ohne Busfahrten auskommen.

… vom Wassergeplätscher geweckt, blinzelten mir auch schon die ersten Sonnenstrahlen entgegen.

Nach dem Frühstück mit Seeblick bestiegen wir wieder unser Boot und machten eine Rundfahrt durch die weit verzweigten Arme des Flussdeltas vom Rio Dulce. Wir lernten die traditionelle Lebensweise der ansässigen Maya kennen und bewunderten die orangefarbenen Iguanas am Uferrand. Endpunkt der ersten Bootstour war unser Hotel in Livingston an der Karibikküste. Pelikane, die auf Palmen thronten, begrüßten uns bei unserer Ankunft. Eine kurze Verschnaufpause in einer der vielen Hängematten der Anlage und schon ging es weiter mit Bootstour Nummer zwei.

Dieses Mal fuhren wir über die karibische See an der Küste entlang, bis wir die Anlegestelle der 7 Altare erreichten. Kaskadenartige Wasserfälle mit eigentlich türkisblauem Wasser (bei uns war es eher milchig-braun durch die zuvor heftigen Regenfälle) ergießen sich über sieben Stufen, in denen man herrlich Baden kann. Dies ließen wir uns trotz Wasserfarbe natürlich nicht nehmen. Zu Fuß ging es am Strand entlang zurück in Richtung Hotel.

Und weiter geht’s nach Honduras!

Am nächsten Tag sollten wir wieder einmal die Landesgrenze überschreiten. Per Boot und Bus ging es nach Honduras, genauer gesagt nach Copan. Unterwegs besichtigten wir die Stelen von Quirigua, die in ihrer Detailliertheit einmalig im Mayareich sind. Die Fahrt nahm fast den ganzen Tag in Anspruch, sodass wir erst gegen frühen Abend im Hotel in der Altstadt von Copan ankamen. Vor dem Essen blieb jedoch genug Zeit für eine erfrischende Pause im Pool, und die erste Wäsche von Schmutzkleidung.

Aras in Copan

Wandern umgeben von Mayakultur!

Unsere erste ausgedehnte Wanderung unternahmen wir an Tag 10 unserer Reise. Durch Ackerflächen und archäologisch noch nicht erschlossene Gebiete wanderten wir rund um die Stadt Copan. Unterwegs gab es immer wieder Überbleibsel der Mayakultur zu sehen, aber auch interessante Nutzpflanzen wie Kakao, Bohnen und zahlreiche Obstbäume, die uns unser örtliche Guide Gerardo bestens erklärte.

Den Nachmittag widmeten wir dann der letzten Mayastätte dieser Reise. Die Ruinen von Copan zählen zu den wichtigsten im Mayareich. Ihr Markenzeichen sind jedoch die roten Aras, die in der Anlage leben und kaum Scheu vor Menschen haben. Ein Highlight für jeden Fotografen!

Nach so viel Kultur waren wir froh, dass die nächsten zwei Tage eher der Entspannung dienten. In Monterrico genossen wir den schwarzen Pazifikstrand, das herrliche Wasser im Pool oder Meer und auch die Zeit mal nur für sich zu sein.

Für unseren Termin gab es eine Routenänderung, sodass wir an Tag 13 zunächst nach Antigua fuhren. Dort angekommen machten wir einen Stadtrundgang und lernten die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Kolonialstadt kennen.

27 Kirchen befinden sich auf dem Stadtgebiet, alle zu besichtigen wäre dann aber doch zu viel gewesen ;-). Am Nachmittag bot uns unser Reiseleiter an, fakultativ eine Jade-Manufaktur zu besuchen. Der traditionelle Schmuckstein der Mayas wird nach wie vor in der Region abgebaut und von Hand weiterverarbeitet. Die Damen unserer Gruppe fühlten sich sichtlich wohl. 🙂

Verkäuferinnen in Trachten

Aufsatteln und los – weiter geht’s mit dem Rad

Am zweiten Tag in Antigua sattelten wir vormittags unsere Räder, um die Umgebung der Stadt per Velo zu erkunden. Ein ungewohntes Erlebnis, auf kopfsteingepflasterten Straßen quer über den städtischen Markt zu sausen. Aber Spaß gemacht hat es uns trotzdem. Endstation war eine kleine Macadamianussfabrik, in der wir die Spezialität des Hauses verköstigten. Macadamiapancakes mit Macadamiabutter und Heidelbeermarmelade. Yummi!

Den Nachmittag hatten wir programmfrei und jeder nutzte ihn auf verschiedene Art und Weise. Vorzugsweise zum Souvenireinkauf und, vor allem Kaffeekonsum. Einer der weltbesten Kaffees wird um Antigua angebaut und entsprechend erhält man in der Stadt Kaffee ohne Ende. Von der ganzen Bohne, bis zum aufgebrühten Getränk. Auf jeden Fall ein Pflichtmitbringsel ;-).

Raquel – unsere örtliche Wanderführerin

Auge in Auge mit dem Vulkan Pacaya

Von Antigua aus fuhren wir zum Vulkan Pacaya, wo wir eine traumhafte Wanderung unternahmen. Raquel, unsere heutige, örtliche Wanderführerin, brachte uns unterwegs auch die Heilpflanzen der Maya näher. Die Wanderung führte zunächst durch Waldgebiet, bis wir den Kraterrand mit vulkanischem Gestein erreichten.

Der Pacaya bricht regelmäßig aus, zuletzt 2014. In dem noch warmen Lavafeld gibt es Öffnungen, aus denen heißer Dampf entweicht. Raquel wusste dies gut zu nutzen und verteilte flink Stäbchen und Marshmallows, die wir dann grillten. Super witzig! Auf solch eine Idee wäre ich nicht gekommen. 🙂

Ermüdet von der Wanderung waren wir erfreut, dass das Hotel für diese Nacht einen Anschluss an die lokalen Thermalquellen hatte. Und so dümpelten wir gegen Abend alle in den wohltemperierten Becken und genossen diesen Moment unserer Reise.

Allerheiligen in Honduras?

Bevor wir die letzte Station unserer Tour erreichen sollten, besuchten wir den Markt von Chichicastenango. Dieser ist an sich schon sehenswert genug, doch wir waren genau am 01.11. vor Ort.

Allerheiligen ist eines der wichtigsten Feste im Kalenderjahr und wir bekamen die Feierlichkeiten im vollen Gang mit. Tänzer und Prozessionen, ohrenbetäubendes Feuerwerk, blumengeschmückte Gräber und zahlreiche Luftdrachen. All das bunte Treiben in Worte zu fassen ist sichtlich schwer. Dies muss man wirklich erlebt haben! Am Abend kamen wir schließlich am Atitlansee an.

Panoramawanderung am Atitlan-See

Kaffeeplantagen, Vulkane und Seen

Der letzte Programmtag hielt wieder eine Bootstour für uns parat. Zunächst zum Ausgangspunkt unserer Panoramawanderung am Seeufer. An Kaffeeplantagen vorbei mit immer wieder herrlichen Ausblicken auf die Vulkane wanderten wir am See entlang.

Anschließend fuhren wir mit dem Boot ein Stück weiter zum kleinen Ort Santiago de Atitlan. Dieser ist bekannt für die Herstellung der traditionellen Trachten der Maya, die wir hier nochmals bewundern konnten. Nachmittags ging es auch schon in Richtung Guatemala City, wo wir unser Abschiedsessen hatten, bevor es am nächsten Tag zurück ins herbstliche Deutschland ging.

Ich kann zum Abschluss nur sagen: Es war eine großartige, faszinierende Reise. Die Welt der antiken, aber auch heutigen Maya, die zahlreichen Tierbegegnungen und eine außergewöhnliche lebensfrohe und harmonische Gruppe haben diese Tour zu etwas ganz Besonderem gemacht. Jederzeit wieder! 🙂
Eure Nicole
Zur Reise „Das Geheimnis der Maya“ geht´s hier entlang!

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Ein Kommentar zu „Reisebericht: „Das Geheimnis der Maya““

  1. Danke für den sehr lesenwerten Bericht, der mich an meine Reise nach Mexiko vor mittlerweile 20 Jahren erinnert.
    In Uxmal hatte ich DAS Horrorerlebnis meiner Höhenangst, von dem ich heute noch verfolgt werde. Nach dem mühevollen Aufstieg auf die Pyramide flog, kaum dass ich oben angekommen war, ein riesiger Schwarm schwarzer Viecher aus der Türöffnung, so dass ich fast rückwärts wieder runterflog. Nachdem ich mich davon erholt hatte, drehte ich mich um, um die schöne Aussicht zu genießen – und mir stockte der Atem: die Treppe, die ich gerade hochgeklettert war, war WEG!! einfach weg, als wäre sie nie da gewesen.
    Aufgrund des steilen Winkels, in dem diese gebaut ist, war sie für mich – gut einen Meter vom Abgrund entfernt stehend – nicht mehr zu sehen. So blieb mir nichts anderes übrig, als mich auf den Hosenboden zu setzen und mich im Krebsgang in Richtung Abgrund vorzutasten und mit den Beinen irgendwie die erste Stufe zu suchen. Dann ging es dank der auf den Treppen angebrachten Ketten, an denen man sich „abseilen“ konnte, recht gut wieder Mutter Erde entgegen.
    Frustrierend war dann während des Abstieges der Blick zur Seite, wo einheimische Jugendliche die Treppe – immer zwei oder drei Stufen auf einmal nehmend – herunter sprangen … So geht’s also auch.

    Als Ausgleich hierzu konnte ich aber in Chichén Itzá nach der Besteigung der Pyramide auch in die Pyramide reingehen, weil dort gerade ein Archäologe zugange war, so eine Kammer mit einer Jaguar-Figur besichtigen – diese allerdings nur durch ein Gitter hindurch.

Was meinst du dazu?