Nordzypern – „Orchideen – und Blütenparadies“

„Nomen est Omen“ dachte ich und entschied, dass meine erste Wikinger Reise ins Blumenparadies nach Nordzypern führen sollte. In ein Land, dass es eigentlich nicht gibt! Genauer: Nordzypern wird allein von der Türkei als Land akzeptiert.

Am Anreisetag brachte uns nach unkomplizierter Anreise zum Flughafen Larnaca der geräumige Transferbus in die geteilte Hauptstadt Nikosia, wo wir die durch die UN kontrollierte Grenze passierten- übrigens eines der ältesten UN Mandate. Der Grenzübertritt verlief dennoch problemlos. Der große Bus schaffte es sogar, uns bis direkt vor unser Hotel zu fahren: Das Dome-Hotel in Girne. In unserem Zimmer staunten wir nicht schlecht, als wir den kleinen Balkon betraten: man blickte direkt in das, das Gebäude umspielende Meer! Direkter geht es nicht!

Blick vom Hotel-Zimmer
Blick vom Hotel-Zimmer

Im  Speisesaal nahmen wir gemeinsam an zwei langen Tischen unser erstes Abendessen ein. Wunderbare landestypische Kost. Außer uns waren hauptsächlich türkische Gruppen vom Festland da. Wir wurden von 2 Gitarristen unterhalten.

Nach unserer ersten Nacht – das Meer verhielt sich erfreulich ruhig vor unseren Fenstern – und einem leckeren Frühstück, wie es dem internationalen Standard eines 4 Sterne Hotels entspricht, erwarteten wir die Ankunft unseres kleinen Busses, der uns ab sofort zu unseren Wanderungen bringen sollte.

Pünktlich bog unser „Goldener Wikinger Bus“ dann in die Hoteleinfahrt ein und ein freundlicher Busfahrer begrüßte uns mit einem einem fröhlichen „Merhaba“ und jeden persönlich mit Handschlag. Sehr vertrauenserweckend!

Bus während der Reise
Bus während der Reise

Unsere erste Tour führte uns in eine parkähnliche Landschaft und war vom Schwierigkeitsgrad her der Kategorie 1 Stiefel zuzuordnen. In unserer Gruppe gab es einige leidenschaftliche Fotografen und nicht wenige botanisch hoch interessierte Mitglieder. Dies führte zu einer gewissen Trödelei – im positiven Sinne! Einen jeden packte der Ehrgeiz, das Ergebnis von 12 gefundenen Orchideenarten der Vorgruppe zu übertrumpfen. Natürlich schafften wir das. Und nicht nur das! Ließ sich die endemische schwarze Tulpe in der Vorwoche nicht entdecken – für uns blühte sie auf einer grünen Wiese. Unweit davon kamen wir an einer der vielen militärischen Sperrzonen vorbei, wo man besser nicht die Kamera um den Hals baumeln lässt, weil man sonst riskiert, Ärger mit dem patrouillierenden Soldaten zu haben, der seine Macht hinterm Stacheldrahtzaun durch lautes Rufen kundtut. Wir sind alle ruhig an ihm vorbeispaziert.

Beim Pflanzen fotografieren
Beim Pflanzen fotografieren

Nach einem Schwenker durch ein kleines Dorf war der erste Wandertag vorbei und als letzten Programmpunkt des Tages erfuhren wir von unserem Reiseleiter, was er für den nächsten Tag geplant hatte.

Der 2. Wandertag führte uns direkt am Fünf Finger Berg vorbei ins gleichnamige Gebirge zu einer vollkommen anderen Art Wanderung als am Vortag. Auf schmalen Waldpfaden ging es mal bergab mal bergauf zu unserem ersten Tagesziel: dem Plataniotissa-Kloster, von dem nur noch sehr wenig übrig war. Nach der Mittagsrast an einem schönen Aussichtspunkt ging es weiter zur nächsten versteckten Klosterruine armenischen Ursprungs, die verlassen im Wald lag. Unser letzter Anstieg wurde mit einer Rast in einem Café belohnt, wo uns unser „goldener Bus“ einsammelte um diesen klösterlichen Tag im Örtchen Bellapais mit gleichnamiger Klosterruine zu beenden. Diejenigen unter uns, die es sich leisten konnten, saßen unter dem Baum des Müßiggangs. Die Legende besagt, wer einmal darunter saß, wird fortan nicht mehr sehr fleißig sein….. nichts für Berufstätige! Ich machte einen großen Bogen darum!

Gruppe bei gemeinsamer Rast
Gruppe bei gemeinsamer Rast

Unser 3. Wandertag erforderte Regenzeug – was halb so schlimm war, denn der Weg war breit und einfach zu begehen. Wir wanderten den Kammweg des Fünffingergebirges entlang, beginnend von der Ortschaft Mallidag mit immer wieder neuen Aussichten, zum Kloster Antiphonitis. Dort wurden wir vom Wirt mit Gebäck, heißen Getränken und Heizlüftern empfangen und alles war schnell wieder trocken. Im Klosterhof gab es das größte Vorkommen der endemischen Orchidee Ragwurz Kotschys.

Kloster Antiphonitis
Kloster Antiphonitis

Der 4. Tag auf Nordzypern stand im Zeichen der Entspannung bzw. eigener Unternehmungen. Viele schauten sich die geteilte Hauptstadt Nikosia an. Einige blieben in Girne.

Wir waren zu dritt in der Hafenstadt Famagusta am Südufer der Insel. Sie war ehemals eine der reichsten Städte im Mittelmeer und Ende der Seidenstraße. Davon zeugen heute noch über 20 Kirchenruinen der verschiedensten Orden wie z.B. Templer, Malteser und Karmeliter. Wie ein Freilichtmuseum – die erhaltene Stadtmauer inklusive. Einer der dicken Türme heißt „Othelloturm“ – Shakespeares Drama spielt ja auf Zypern. Es war unheimlich interessant und ich kann nur jedem diesen Ausflug ans Herz legen. Den Dolmus von Girne nach Famagusta zum Preis von umgerechnet 3.– € muss man vorab reservieren und erhält auf jeden Fall einen Sitzplatz. Eine sehr fortgeschrittene Variante dieser Form des Sammeltaxis! Überhaupt lernten wir von unserem Reiseleiter, dass Nordzypern sehr viel für die Verkehrssicherheit tut. Wir konnten Zebrastreifen und Blitzer beobachten. Man fühlt sich sehr sicher auf den Straßen und wir hätten uns auch ohne Weiteres die Anmietung eines Autos zugetraut – trotz Linksverkehr.

Der 5. Tag teilte sich in 2 Teile auf. Am Vormittag streiften wir durch den ältesten Olivenhain der Insel und bestaunten ein 800 Jahre altes Exemplar.

Nach der Mittagsrast am Meer führte uns der 2.Teil zur Burg Hilarion, die hoch über Girne in den Bergen thront. Wir erklammen alle 3 Teile der Burg. Sie erwies sich als unheimlich fotogen. Und natürlich hatte unser Reiseleiter auch hier wieder Interessantes aus der Pflanzenwelt für uns parat: der endemische Hilarions-Kohl, der so gar nicht nach Blumenkohl aussah, da waren sich nicht nur die Hausfrauen einig.

Burg Hilarion
Burg Hilarion

Unser 6. und auch letzter Wandertag wich vom ausgeschriebenen Programm ab. Die eigentlich geplante Wanderung hätte durch Kiefernwälder geführt. Dort gab es aber durch den außergewöhnlich trockenen Winter eine regelrechte Plage durch die Prozessionsspinnerraupe, deren Härchen starke allergische Reaktionen hervorrufen kann.

 

Prozessionsspinnerraupe
Prozessionsspinnerraupe

Wir erkletterten stattdessen einen Bergkamm. Vorbei an einer weiteren Klosterruine mit traumhaftem Ausblick aufs Meer und Girne ging es stetig bergan, bis wir nach kurzer Rast auf einer Wiese wieder den Abstieg begannen. Die interessante Wanderung endete für knapp die Hälfte von uns an einem schönen Rastplatz, wo wir unser letztes Picknick gemeinsam einnahmen. Der „gemütliche“ Teil unserer Gruppe verbrachte dann noch eine nette Auszeit am Meer. Es wurde sogar von 2 mutigen Damen im 18-19 Grad warmen Wasser geschwommen. Der sportliche Teil der Gruppe wanderte weiter nach unten und man traf sich wieder am Meer.

schwarze Tulpe
schwarze Tulpe

Hurra! Wir hatten Nordzypern zu Fuß erobert und wahnsinnig viel über die einheimische Pflanzenwelt gelernt.

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Eure Uta

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