Rundreise Vietnam und Kambodscha Teil 1

Rundreise Vietnam und Kambodscha

Dschungel, Dschunken, Dynastien

Nach Ankunft in Hanoi am zweiten Reisetag steht Tag 1 auf vietnamesischem Boden ganz im Zeichen der Akklimatisation. Aber nicht nur wegen des Wetters, sondern vor allem an die Lautstärke und den Verkehr Hanois muss man sich gewöhnen. Während wir auf den Bezug unserer Zimmer warteten (ca. 1 Std.), unternahmen die ersten einen kleinen Spaziergang, in sicherer Entfernung zum Hotel, um den Literaturtempel herum.

Hier musste erst einmal das „Straße-Überqueren“ geübt werden, was manchem recht befremdlich war. Einfach gehen, nicht nach links oder rechts schauen und auf keinen Fall, ob der heranrauschenden und hupenden Mopeds anhalten oder schneller werden. So ist man berechenbar für die Fahrer und kommt sicher auf die andere Straßenseite. Man muss sich diesem vermeintlich perfekten Chaos einfach anpassen.

Rasanter Verkehr in Hanoi
Rasanter Verkehr in Hanoi

Die Gruppe verabredete sich abends zum Essen, danach ruhte sich der Großteil erst einmal aus, während sich ein paar Wenige noch ins aufregende, nächtliche Treiben Hanois stürzten. Diese Stadt hat unglaublich viel zu bieten und wer ein wenig Mut und Neugier mitbringt, den wird diese Stadt reich belohnen. Es wird einfach nie langweilig. Viel Kultur, eine tolle Küche und hier findet das Leben draußen statt. Flanieren am Ho-Chi-Minh-Mausoleum, spielen im Park oder geselliges Essen und Trinken am Straßenrand.

Am dritten Tag lernten wir Hanoi dann auf einer Stadtbesichtigung kennen. Dabei besuchten wir unter anderem die Tran Quoc Pagode am Westsee, das Ho-Chi-Minh-Mausoleum, den Präsidentenpalast, den Literaturtempel, den Hoan-Kiem-See, das Ethnologische Museum und unternahmen eine Rikschafahrt durch die Altstadt, bevor es am Abend mit dem Nachtzug nach Lao Cai ging.

Besonderes Glück hatten wir, dass die Studenten aus dem Umland ihren traditionellen Fototermin beim Literaturtempel hatten und sich ordentlich in Schale warfen. Auch beim Ho-Chin-Minh-Mausoleum konnte man Schüler in Ihren Trachten bewundern. Zudem wurde eine Zeremonie für die italienische Delegation abgehalten, die zu Besuch war.

Nach einem aufregenden Tag in Hanoi an dem wir viel gesehen und gelernt haben (vor allem im Ethnologischen Museum, in dem uns die Lebensweise der Minderheiten, die wir später kennenlernen sollten nähergebracht wurden), bestiegen wir dann abends den Nachtzug. Wir machten es uns in den Viererkabinen gemütlich und wurden durch leichtes Ruckeln während der Fahrt in den Schlaf geschaukelt.

Früh morgens erreichten wir am 4. Tag Lao Cai. Nach dem Frühstück ging es dann direkt weiter mit dem Bus nach Bac Ha. Nach kurzer Erholung im Hotel besuchten wir dann den bekannten Sonntagsmarkt von Bac Ha. Dieser Marktbesuch war ein unvergessliches Erlebnis. Wohin man schaute waren Hmong-Frauen in ihren bunten Trachten. Geschäftstüchtige alte Damen, junge Mädchen und umher tollende Kinder. Die ganz kleinen Kinder wurden von den Müttern oder Großmüttern mithilfe eines langen Stofftuches auf dem Rücken getragen. Wohin man schaute herrschte ein lebhaftes und buntes Treiben. Überall wurden Tiere gehandelt und verkauft. Fische, Hühner, Gänse, Enten, Schweine, Büffel, Hunde und vieles mehr. An allen Ecken gab es frisches Obst und Gemüse, Kräuter, Tabak und Essensstände. Natürlich wurden auch jede Menge handgefertigte Waren wie Schmuck und bunte Texilien angeboten. An jeder Ecke schlummerten tolle Fotomotive und man verlor sich komplett in dieser exotischen Welt.

Nach dem Marktbesuch unternahmen wir dann eine kleine Wanderung durch ein nahes Hmong-Dorf, in dem wir einigen freundlichen Bewohnern begegneten und staunen durften, wie idyllisch aber auch anstrengend das Landleben im Dorf wohl sein würde. Inmitten von grünen Bergen und Feldern konnte man die Bewohner bei der Feldarbeit beobachten. Während die kleinen Kinder noch unbeschwert umher tollten, mussten die etwas älteren schon kräftig mit anpacken.

Am nächsten Tag machten wir dann eine etwas längere Wanderung, die an landschaftlicher Schönheit kaum zu überbieten war. Durch Reisfelder und grüne Wälder ging es immer wieder leicht auf und ab. Die Ausblicke waren phänomenal und wir hatten tolles Wetter. Sehr viel Sonnenschein und nur ab und zu ein paar Wolken. An den Reisterrassen und kegelförmigen, grünen Bergen konnte man  sich kaum satt sehen. Wir fühlten uns eins mit der Landschaft. Ich machte viele Fotos, aber musste ab und zu die Kamera auch einfach mal wegpacken, um die Landschaft so richtig genießen zu können.

Am Ende der Wanderung ging es dann weiter zu unserem ersten Homestay. In einem sehr idyllischen Dorf, das an einem Fluss gelegen ist, bezogen wir unsere Unterkunft bei einer sehr netten Familie, die uns liebevoll umsorgte. Wir Männer gingen noch Schwimmen, bevor einige kühle Bier und ein leckeres Abendessen mit der Gastfamilie warteten. Die Nacht verbrachten wir bei toller Naturkulisse in einem großen, luftigen Gemeinschaftsraum auf am Boden liegenden Matratzen, über denen ein Moskitonetz hing.

Nach dem Abschied von unserer Gastfamilie ging es am Folgetag in höhere Lagen nach Sapa (1.600 m), das auch Ausgangspunkt für den Fansipan, den höchsten Berg des Landes mit 3.143 m ist. Sapa ist zugegebenermaßen sehr touristisch, was allerdings auch Vorteile mit sich bringt. So gibt es viele Restaurants, Bars und für die Frauen sehr gute Shoppinggelegenheiten, die intensiv genutzt wurden. Auch zahlreiche Massageangebote wurden von der Gruppe gerne wahrgenommen. Der eigentliche Grund für uns war aber natürlich die traumhaft schöne Natur und die exzellenten  Wandermöglichkeiten. Leider war der Wettergott an den kommenden zwei Tagen nicht auf unserer Seite. Unbeeindruckt wanderten wir dennoch am nächsten Morgen, durch ein leckeres Frühstück gestärkt und frohen Mutes, los. Hier und da riss der Himmel auch tatsächlich mal auf. Fortan wechselten sich Regen- und Trockenperioden an diesem 7. Tag anfangs ab, bevor es sich dann endgültig zuzog und der Regen auf uns niederprasselte. Wir waren mittlerweile gänzlich durchnässt, als wir zum Mittagessen einkehrten. Vietnamesischer Kaffee mit süßer Kondensmilch wärmte uns jedoch kurzfristig und selbst gebrannter Reisschnaps sowie leckerer Pflaumenwein wärmte uns nachhaltig und erheiterte die Laune bei allen. Während die Frauen genug hatten und die Wanderung abkürzten, gingen die Männer noch ein Stückchen weiter, vorbei an schönen Dörfern und einem Wasserfall. Insgesamt war es ein guter Wandertag, einzig getrübt durch das Wetter.

Zurück im Hotel drehten alle die Heizungen auf und trockneten ihre Klamotten für den kommenden Wandertag. Bei sintflutartigen Regenfällen entschied sich die Gruppe dann aber doch dafür, erst einmal abzuwarten, ob das Wetter noch mal freundlicher wird. Als es tatsächlich aufhörte zu regnen, entschieden wir uns, doch noch einen Teil der geplanten Wanderung in Angriff zu nehmen. Das ging auch eine Stunde gut, bis es wieder anfing zu regnen. Gott sei Dank muss man im Nachhinein sagen, denn so fanden wir Unterschlupf im Haus einer Familie der Schwarzen Hmong. Dort saßen wir mit einer ganzen Generation am offenen Feuer und hatten ein Dach über dem Kopf. Nachdem der Regen wieder nachgelassen hatte, konnten wir die Wanderung trocken fortsetzen und erreichten natürlich pünktlich unseren Nachtzug zurück nach Hanoi.

Wie mein Abenteuer weiter ging, und was ich noch alles so erlebte, das erfahrt ihr in den kommenden Tagen.

Bis bald,

Euer Frederik

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