Sind Reisen auf die Färöer Inseln ethisch korrekt?

2015 bietet Wikinger Reisen erstmalig eine Reise auf die Färöer Inseln an und das, obschon die Bewohner eine blutige Tradition mit Volksfestcharakter pflegen: Den „Grindadrap“, eine tödliche Treibjagd auf Grindwale. Dabei werden die Tiere in die flachen Buchten der  Inseln getrieben. Dort stürmen die männlichen Bewohner ins hüfthohe Wasser, stechen Metallhaken ins Blasloch der Wale, ziehen sie damit an Land und durchschneiden ihnen die Hauptschlagader. Da sich die starken Tiere nach Kräften wehren, kommt es zu einem lang andauernden Todeskampf. Jedes Jahr finden auf diese Weise an die tausend Wale ein grausames Ende. Besonders irritierend ist, dass die Insulaner diese Tradition nicht zum Überleben nötig haben. Im Gegenteil: Das Fleisch des Grindwals enthält eine derart hohe Konzentration an Quecksilber, dass das Färinger Gesundheitsministerium dringend vor dem Verzehr warnt. Tierschützer rufen im Hinblick auf das schaurige Ritual dazu auf, die Färöer Inseln als Reiseziel zu meiden. Dies wiederum können viele Färinger nicht nachvollziehen, verstehen sie doch den „Grindadrap“ als Teil ihrer Kultur, der den Bestand der Tiere nicht wirklich gefährdet. Das Ritual gibt ihnen ein Gefühl der Zusammengehörigkeit. In früheren Zeiten war der  „Grindadrap“ eine Voraussetzung für das Überleben auf der kargen Inselgruppe. Auch heute ist die Jagd nicht kommerziell, sondern das Fleisch wird unter den am Fang beteiligten Familien verteilt. Dass dies nicht mehr genießbar ist, kann man den Färingern kaum zum Vorwurf machen, denn die Verschmutzung der Meere ist den Insulanern nicht anzulasten. Ist es also ethisch korrekt gerade für einen nachhaltig agierenden Veranstalter wie Wikinger Reisen, Touren auf die Färöer Inseln anzubieten? Tatsache ist auf jeden Fall, dass man nur dann einen wirklichen Eindruck über die landschaftliche und kulturelle Vielfalt der Inseln erhält, wenn man sie selber besucht. Niemand muss deshalb den „Grindadrap“ vorbehaltlos akzeptieren. Auch auf den Färöern selbst ist die Tradition umstritten. Bei Wikinger Reisen sind wir der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit sowohl den Rechten der Natur als auch der Kultur unserer Gastländer Rechnung trägt. Das bedeutet aber auch, die Kontroverse über den „Grindadrap“ offen und so sachlich wie möglich anzusprechen. Die schlussendliche Bewertung wird jeder Gast für sich selbst treffen.

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