Stein für Stein: Das Geheimnis der Trockenmauern

Wuchtig, archaisch, – egal wo wir im Mittelmeerraum unterwegs sind sehen wir sie: die imposanten Trockenmauern. Sie erzählen uns von Menschen und deren Schicksalen, sowie der traditionellen
Landwirtschaft. Wie fühlt es sich an selber so eine Mauer zu bauen, zumindest ein Stück davon?

Mallorquinische Trockenmauern in der Zeit

Mallorquinische Trockenmauern
Mallorquinische Trockenmauern

Die Landwirtschaft auf Mallorca stand immer schon im Zusammenhang mit der Trockenmauerei. Schon 1300 Jahren v. Chr. entstanden während der s.g. Talayot Kultur wuchtige Mauern und Wohntürme. Danach bauten Römer, Araber und Christen überall auf der Insel Trockenmauereinfriedungen, Häuser und Ställe, Stützmauern, und Bewässerungsbauten. Es war die einzige Möglichkeit dem kargen Kalkboden landwirtschaftlich nutzbare Flächen abzugewinnen. Die UNESCO hat die Sierra Tramontana auf Grund dieser alten Kulturlandschaften geschützt. Wusstest Du schon, das man, wenn man alle Mauern der Sierra Tramontana hintereinander stellen würde, -auf eine Länge von 19 000 km käme? Mit dem Beginn des Tourismus verlor die Landwirtschaft an Bedeutung. Seither zerfallen viele Mauern und Fincas. Damit die kunstvoll angelegten Trockenmauern nicht endgültig verschwinden und damit ein Teil der kulturellen Identität der Mallorquiner, unterstützt u.a der Verein „Amics de la terra“ die Finca Besitzer bei der kostspieligen Restaurierung der eingestürzten Mauern.

Treffpunkt im kleinen Dorf Biniareix

Treffpunkt im kleinen Dorf Biniareix
Treffpunkt im kleinen Dorf Biniareix
Zusammen am Treffpunkt im kleinen Dorf Biniareix
Zusammen am Treffpunkt im kleinen Dorf Biniareix

Ana begrüßt uns, drückt jedem Arbeits-Handschuhe und ein Spitzhacke in die Hand und sagt: „Wir müssen jetzt 40 Minuten wandern bis wir zu Goris kleiner Finca kommen.“ Hinauf geht es im mediterranen Morgenlicht auf einem alten, gepflasterten Pilgerweg umsäumt von wuchtigen Trockenmauern durch die malerische Schlucht von Biniareix. Links und rechts an den Berg geschmiegt, sehen wir unzählige kleine Terrassenfelder, gestützt von den sg. „marjades“ (Stützmauern). Hier wachsen bis weit oben im Berg knorrige Oliven und Johannisbrotbäume.

Unsere Baustelle

Unsere Baustelle
Unsere Baustelle

Gori begrüßt uns mit einem fröhlichen: „Bon día“. Er freut sich dass wir gekommen sind und zeigt uns unsere heutige Baustelle. Eine Mauer ist eingestürzt. Gori erklärt was zu tun ist: „Erst tragen wir alle lockeren Steine der kaputten Mauer ab“. „Dann ordnen wir die Steine für die neue Mauer nach Größe“. „Erika, hier hast Du eine Spitzhacke um die Pflanzen nah an der Mauer rauszureißen. Das ist wichtig damit die Wurzeln die neue Mauer nicht kaputt machen‘. Wie tief verwurzelt ist doch der Affodill, und wie dick sind die Meerzwiebeln! Überhaupt: wie mühsam ist das alles! Die Vorarbeit ist geleistet, jetzt heißt es die neue Mauer aufzubauen. Wir suchen große Steine für die Basis (assentament) aus, dann türmen wir auf beiden Seiten mittelgroße Steine zu schmalen Mauern auf, die sich nach oben hin einander zuneigen. Wir bringen Steine, Gori entscheidet welche gut sind. Er nimmt jeden Stein in die Hand, fühlt, dreht und wendet ihn solange bis er in die Mauer passt. Anschließend wird mit Geröll die Mauermitte von Hand aufgefüllt. Die Sonne brennt, die Mauer wächst nur langsam. Jetzt heißt es noch die Mauer mit einer breiten Reihe großer Steine, die „filade es dalt“ abzudecken. Es ist geschafft (wir auch), aber stolz sind wir schon: wir haben 3 Meter Trockenmauer in 5 Stunden restauriert! Gori ruft: „A mengar“ (zum Essen!) und lädt uns in seine Finca ein.

Mallorquinische Köstlichkeiten & köstliche Geschichten

Mallorquinische Köstlichkeiten
Mallorquinische Köstlichkeiten

Goris Finca ist klein aber sehr authentisch. Auf der Terrasse gibt es ein herrliches Mittagessen für uns: Würzige kleine Oliven, Coca de trempó (eine Art Pizza belegt mit Tomaten Zwiebeln und Paprika) „Pamboli“ (Brot mit Tomaten eingerieben und Öl), „Sobrasada“-Wurst und „Aroz Brut“ (schmutziger Reis). Dazu gibt es herrlichen Mallorquinischen Rotwein, und „Hierbas“, ein Mallorquinischer Kräuterschnaps mit sieben verschiedenen Kräutern. Gori erzählt uns dass er hier einmal Besuch von dem spanischen König Philippe und seiner Frau Leticia hatte. Ein Foto des Königspaares hängt als Beweis der Wand. Daneben ein Foto von Gori als wilder Araber! „Jedes Jahr habe ich mir im Winter für die Teilnahme am Volksfest „Moros y Cristianos“ den Bart wachsen lassen, damit ich mich am 11 Mai als einen besonders furchterregenden als Araber verkleiden konnte“, erzählt Gori uns stolz.

„Moros y Cristianos“
„Moros y Cristianos“


Wer das Fest nicht kennt: Am 11 Mai wird die Schlacht der Arabischen Invasoren und der Christen aus Soller nachgespielt: Die wilden Araber kommen vom Meer mit Booten an das Ufer und kämpfen mit Holzschwertern gegen die sie schon aufregend erwartenden Einwohner.

Esel mit Namen von Politikern

Der Esel mit Namen von Politikern Gori
Der Esel mit Namen von Politikern

Gori begleitet uns auf dem Abstieg nach Biniraix. Die Esel tragen alles was Gori ins Tal bringen will. Eine Straße gibt es hier nicht. Nur den stillen, gepflasterten Pilgerweg. Während wir die Schlucht hinunter wandern kann ich mir plötzlich besser vorstellen wie das Leben auf Mallorca bis in die 60´ger Jahre aussah. Wie es sich anfühlt eine Trockenmauer zu reparieren, das werde ich wohl nie vergessen. Ich kann nur jedem empfehlen es mal auszuprobieren.

Eure Erika

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