Straßenbau um die Annapurna. Fluch oder Segen?

„Macht die Straße nicht die Trekkingtour kaputt?“ Diese Frage bekomme ich häufig gestellt. Sei es von Bekannten, Freunden oder Reisegästen auf anderen Touren. Gemeint ist die Annapurna-Umrundung im Himalaya. Der Trekkingklassiker begann in den 80er Jahren des  vergangenen Jahrtausends zu boomen. Heute sind unzählige Trekker auf der zwei- bis dreiwöchigen Runde unterwegs. Bestens versorgt mit Strom, Lodges, Snickers Riegel und Wlan.  Keine Frage, dass dem seit Jahrhunderten begangenen Handelspfad auch mal eine Straße folgen wird. Der Straßenbau um die Annapurna beschäftitgt die Gemüter.

Sie ist seit Jahren im Bau und wird abschnittsweise auch schon befahren, mit Geländewagen und Motorrädern! Nur, Straße kann man das nach unseren Kriterien nicht wirklich nennen, bei uns würde das unter der Rubrik maroder Bergpfad für ambitionierte Moutainbiker laufen. Und das wird so bleiben, denn die Witterungsbedingungen lassen kaum einen besseren Straßenbau zu. Was macht nun die Straße mit dem Wanderweg? Sie eröffnet uns eine Vielzahl von neuen Möglichkeiten!

Gebetsmühle in Manang
Gebetsmühle in Manang

Zugegeben es gibt schon Stellen, da wünscht man sich 20 Jahre in der Zeit zurück. Ein negatives  Beispiel ist seit zwei  Jahren unser erster Übernachtungsort nach der stundelangen Anreise mit dem Bus. Hier bauen die Chinesen ein Wasserkraftwerk. Mit unglaublicher Geschwindigkeit Tag und Nacht. Die Bambusschaukel vor einem idyllischen Wasserfall mit Blick auf den Manaslu gibt nicht mehr. Wir müssen uns wohl bald einen anderen Übernachtungsplatz vor unserer ersten  Etappe aussuchen.  Auf dem weiteren Weg kann man der Straße aber gut ausweichen. Diese folgt nämlich nicht immer dem alten Fußpfad. Oft sieht man die Piste stundenlang gar nicht. Die dortige Bevölkerung scheint aus den Folgen des Straßenbaus-dem ausbleibenden Wandertourismus-an anderen Orten gelernt zu haben. Fast an jeder Siedlung werden neue Alternativwege ausgewiesen. Diese sind  nicht wirklich neu, sondern die alten Verbindungspfade der höher gelegenen Dörfer. Seit einigen Jahren laufe ich zwischen Pisang und Manang nicht mehr im Tal, sondern auf einem regelrechten Panoramaweg gegenüber dem  Annapurna Massiv. Das verborgene Tal von Nar Pu erfreut sich größerer Beliebtheit und in meiner Phantasie entsteht dort schon eine neue Trekkingrunde, die einen schönen 6000er Berg mit einschließt. In Manang hängt mittlerweile eine Wanderkarte mit knapp einem Dutzend Tagestouren

Blick zurück auf das Annapurna Massiv
Blick zurück auf das Annapurna Massiv

Auf der anderen Seite des Trekks. Nach dem höchsten Pass, dem Thorong La, im Tal   der Kali Gandaki locken von Muktinath aus gleich mehrere Alternativen zu der kaum befahrenen Piste. Diese wird  aber auch auf dem klassischen Weg kaum berührt. Trotzdem:   Da wäre das Lubra Tal mit dem gleichnamigen Bön-Dorf, das über einen kleinen Pass erreicht wird. Übrigens die schönste Aussichtsstelle auf den 8000er Dhaulagiri. Oder der etwas längere Weg über das Königreich Muktinath mit einem Besuch im alten Kloster von Dzong.

Die Ortschaft Dzong mit dem Dhaulagiri im Hintergrund
Die Ortschaft Dzong mit dem Dhaulagiri im Hintergrund

Wir Wikinger nutzen  auch mal die Straße. In kleinen, geländegängigen aber völlig zerknautschten Bussen rumpeln wir die Kali Gandaki Schlucht von Jomson hinab. Nur, ich steige nicht in Tatopani aus, wie es im Programm beschrieben ist, sondern etwa vier Stunden Gehzeit vor dem Tagesziel. Dort wechseln wir  auf die andere Fußseite und laufen den alten Trekkingpfad der 80er Jahre hinab. Kleine, längst verlassene Lodges sind heute wieder Bauernhäuser, denn die meisten Trekker sitzen auf dieser Strecke  im Bus.  Für viele meiner Gäste ist es der Tag der intensivsten Begegnungen mit den Menschen Nepals, dank der Straße. Ein Stammgast von mir hat einen tollen Bericht geschrieben. Zu finden ist er hier:  www.Trekking-eXperience.de. Weitere Bilder von mir sind unter folgender Adresse zu finden: http://portfolio.fotocommunity.de/olischulz-berge-und-mehr-

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