Vamos a Ecuador!

Ecuador: schneebedeckte Vulkane, tierreiche Inseln, farbenprächtige Trachten. Im Humboldtjahr 2019 machte ich mich auf, das wohl facettenreichste Land Südamerikas kennenzulernen.

Bienvenidos en Quito

9.748km von meiner Heimatstadt Hagen entfernt, befinde ich mich nun in Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt (2.850m ü. M.). Der Himmel ist knallblau und von meinem Aussichtspunkt, dem Panecillo, kann ich bereits die umliegenden Vulkane erblicken. Den „Hausberg“ Pichincha, den geheimnisvollen Antisana oder auch den majestätischen Cayambe. Nur der schönste von allen, der Cotopaxi, versteckt sich hinter einigen Wolken. Und doch erfahre ich mit diesem ersten Blick über Quito einen Vorgeschmack auf die kommenden drei Wochen. Zur Akklimatisierung lassen wir es langsam angehen. Der geführte Stadtrundgang durch die koloniale Altstadt von Quito weckt Urlaubsstimmung. Live-Musik, bunt gekleidete Menschen, der Geruch von Garküchen am Straßenrand.

Ja, ich bin zurück in Südamerika!

Ein Lächeln huscht über mein Gesicht, denn ich liebe diesen Kontinent. Für mich heißt es Kopf aus, Lebensfreude an. Keine Sorgen um Kleidervorschriften, religiöse Besonderheiten oder Länderknigge. Ecuador ist ein absolut sicheres Reiseland und durch den im Jahr 2000 eingeführten Dollar als Landeswährung, muss man auch keine komplizierten Währungsumrechnungen vornehmen. Alles entspannt!

Äquator, Äquator

Nicht weit von Quito entfernt, befindet sich eine der Hauptsehenswürdigkeiten des Landes. Das Äquatordenkmal, oder auch Mitad del Mundo (Mittelpunkt der Erde) genannt, ist ein großflächiger Komplex, der sich den geographischen und physikalischen Besonderheiten des Äquators widmet. Imposant ragt das Denkmal vor uns auf, das an die französische Expedition von 1736 erinnert, die zum ersten Mal die genaue Position des Äquators bestimmte. Der heutige Name der Republik Ecuador, leitet sich übrigens auch von dieser ab.

Am nächsten Tag überschreiten wir zum ersten Mal die Höhe von 3.700 m. Wir wollen im Schutzgebiet El Angel wandern, das mit zwei botanischen Besonderheiten aufwartet. Die erste erblicken wir schon nach wenigen Schritten, die Frailejonesblumen, die bis zu 5 Meter hoch werden. Wie ein Wald erstrecken sie sich über die Páramo-Landschaft. Je höher wir kommen, desto dünner wird die Luft, auch wir bekommen dies zu spüren. Langsam laufen ist die Devise und viel, viel Wasser trinken. Und schon stehen wir vor dem zweiten botanischen Highlight, den Polylepsis (Papierbäumen), deren Rinde mich stark an Blätterteig erinnert. Die Polylepis-Wälder gelten als eines der am stärksten gefährdeten Ökosysteme der Hochanden, da sie stark endemisch sind und nur noch an wenigen Stellen erhalten geblieben sind. Ein wahrlich verwunschen wirkendes Gebiet.

Im Schutzgebiet El Angel

Ab auf den Markt – nach Otavalo!

Vom Naturparadies ins quirlige Otavalo. Jeden Samstag ist Markt und das eigentlich kleine Städtchen wird zur Handelsmetropole. Jedes Stadtviertel hat dabei sein eigenes Warenangebot, vom Viehmarkt über den Obst- und Gemüsebereich bis hin zu Alltagsgegenständen. Uns interessiert das Kunsthandwerk am meisten. Fein geschnitzte Figuren und Bilderrahmen, kunstvoll gewebte Ponchos und Schals, liebevoll gestrickte Mützen und Handschuhe. Dazwischen Panflöten, Körbe und Schmuck. Wer auf der Suche nach authentischen Souvenirs ist, wird hier fündig! Das Handeln sollte aber nicht vergessen werden 😉 Und auch diejenigen, die nicht in Shoppinglaune sind, schätzen den farbenfrohen Markt. Nirgends in Ecuador hat man die Möglichkeit, so viele Ecuadorianer in ihrer heimischen Tracht zu sehen (und zu fotografieren) wie in Otavalo. Ein Augenschmaus!

Auf Humboldt´s Spuren

Und schon ist er da, der Tag des Cotopaxi! Voller Vorfreude steige ich am Morgen in den Bus. Noch ist es neblig und bewölkt, aber wir haben ja noch ein Stück Fahrt vor uns. Doch von Kilometer zu Kilometer weicht meine Vorfreude der Sorge, ihn doch nicht sehen zu können, den schönsten aller Vulkane, wie einst Alexander von Humboldt den Cotopaxi beschrieb. Wir feiern 2019 das Humboldtjahr, anlässlich seines 250ten Geburtstages und auch ich wollte auf seinen Wegen wandeln. 1802 versuchte er als erster Europäer den Vulkan zu besteigen und erreichte immerhin eine Höhe von knapp 4.500 m. Ohne Bergsteigerausrüstung! Uns macht die Witterung dann leider doch endgültig einen Strich durch die Rechnung und alles was wir zu sehen bekommen, ist ein kleines bisschen weißes Glitzern zwischen zwei Wolken. Komischerweise betrübt uns dies nicht im Geringsten, denn wir haben etwas ganz anderes geschafft. Zu Fuß haben wir unseren ersten 4.000er erklommen, den Loma Gorda mit 4.090 m. Im Vergleich zum Cotopaxi eher ein Hügel und trotzdem sind wir mächtig stolz! Beim nächsten Ecuadorbesuch folgt dann der Cotopaxi 😉

Sehnsüchtig blicken wir zum verborgenen Cotopaxi!

In einen fast vergessenen Teil Ecuadors fahren wir für die nächsten Tage. Wer verbindet mit Ecuador schon das Amazonas-Tiefland?! Unsere Urwaldlodge liegt malerisch am Rio Arajuno, einem Nebenarm des Rio Napo. Von diesem „Basiscamp“ aus erkunden wir in den kommenden Tagen den Regenwald, zu Fuß in Gummistiefeln und per Boot. Was mich total überrascht, in diesem Teil des Amazonasgebietes gibt es keine Stechmücken (entsprechend auch keine Malariagefahr)! Und im Fluss kann man sogar schwimmen (von wegen Piranhas und Kaimane)! Die Cocktails in der Lodge sind ein Traum und das Beste daran, während man genüsslich seinen Caipirinha schlürft, toben in den Bäumen rundherum die Totenkopfäffchen. Pippi Langstrumpf lässt grüßen 🙂

Cocktails & Gummistiefel – Dschungelcamp für Wikinger

Hoch, höher, Chimborazo

Der nächste Vulkan steht auf unserem Programm! Dieses Mal der höchste des Landes, der Chimborazo (6.310 m). Bei purem Sonnenschein geht es los, schnell noch die Nase nachgecremt, die Sonneneinstrahlung auf über 4.000 m ist nicht zu unterschätzen. Zunächst haben wir das Gefühl, ganz allein auf der Welt zu sein. Rechts und links neben uns am Weg nichts als Graslandschaft. Dann tauchen vereinzelt Lehmhäuser und kleine Ackerflächen auf und plötzlich huscht etwas Buntes über die Felder auf uns zu. In einem enormen Tempo! Wir sind froh bei der dünnen Luft überhaupt wandern zu können, wer schafft es da zu joggen?! Bald löst sich das Rätsel, ein junges Mädchen hofft, uns einige ihrer Wollwaren zu verkaufen. Doch ich habe eine noch größere Überraschung für sie, denn ich bin in einem Spezialauftrag unterwegs. Ein Gast, der die gleiche Reise im November gemacht hat, schickte uns einen ganzen Stapel ausgedruckter Fotos von den Indigenas am Chimborazo, mit der Bitte, diese vor Ort zu verteilen. Und so kam es, dass ich nun mit Fotos bepackt vor ihr stehe, und sie bitte, mir zu helfen, die richtigen Personen ausfindig zu machen. Was für eine Freude, aus einem zunächst schüchternen Lächeln wird ein breites Grinsen! Ich glaube, ich habe noch nie jemanden getroffen, der sich so über ein Foto freut (mit Ausnahme vielleicht der Models bei GNTM). Und was für ein schönes Gefühl, der Überbringer zu sein 🙂 Kurz nach diesem Erlebnis zog ein Hagelsturm auf und wie konnte es anders sein, auch den Chimborazo bekommen wir nicht zu Gesicht. Dafür aber jede Menge wild lebender Vicuñas (Lamas)!

Auf zur Teufelsnase

Vom Naturwunder zum Wunder der Technik. Die wohl berühmteste Zugfahrt in ganz Lateinamerika steht auf unserem Programm. Im Zickzack fahren wir in nostalgischen Waggons von Alausi nach Sibambe. Die Strecke führt durch eine spektakuläre Schlucht und vorbei an der legendären Felsformation, der Teufelsnase. In den 80er Jahren fuhren die Wikingergäste noch abenteuerlich auf dem Dach des Zuges, heute genießen wir den Komfort der Lehnstühle und die Erläuterungen des Zugbegleiters in drei Sprachen. Ein wirklich außergewöhnlicher Reiseabschnitt!

Kolonialcharme und Panamahüte

Cuenca – unser nächster Standort ist ein Eldorado für Künstler und Kunstinteressierte. Bereits 1999 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, besitzt Cuenca heutzutage eine noch größere Anziehungskraft für Touristen aus aller Welt. Der koloniale Charme der Altstadt, gepaart mit dem mediterranen Flair der Gassen und den zahlreichen Grünflächen rund um die vier Flüsse, die das Stadtgebiet durchfließen, bewirken eine absolut entspannte Atmosphäre. Cuenca ist ein regelrechtes Schatzkästchen und eines der wertvollsten Juwelen ist die Tradition der Panamahut Herstellung. Irrtümlich als Panamahut bezeichnet,  kommen die originalen Strohhüte, die aus der Palmfaser Paja Toquilla gewoben werden, nämlich eigentlich aus Ecuador. Die Herstellung eines Panamahutes kann zwischen 3 Tagen und 6 Monaten beanspruchen, je nach Qualitätsanspruch. Kein Wunder, dass die feinen Montechristi-Hüte Preise von bis zu 2.000€ auf dem internationalen Markt erzielen. Beim Besuch einer Manufaktur erfahren wir genau diese Details und haben selbstverständlich auch die Gelegenheit, uns selbst mit der Materie vertraut zu machen.

Es liegt Salz in der Luft!

Von Cuenca ist es nicht mehr weit, bis wir den Pazifik erreichen. Endlich ans Meer! Nichts erfüllt mich mehr mit dem Freiheitsgedanken, als der Blick ins endlose Blau. Nach einem kurzen Abstecher in die Mega-Metropole Guayaquil erreichen wir unsere Strandperle Puerto López. Recht bizarr kommt es uns vor, nun am weißen Sandstrand unter Palmen zu stehen, wo wir zwei Tage zuvor noch in den Bergen auf über 4.000 m Höhe gewandert sind. In Ecuador ist alles möglich, die Entfernungen zwischen den einzelnen Landschaftszonen sind nicht allzu groß, sodass man tatsächlich innerhalb eines Tages vom Hochgebirge zum Meeresspiegel fahren kann. Wir genießen es, barfuß am Strand entlang zu wandern und ein weiteres Naturschutzgebiet zu entdecken…

Isla de la Plata – Klein-Galapagos

Absolut lohnenswert ist der Ausflug auf die Isla de la Plata, auch klein Galapagos genannt. Hier kann man neben den anmutigen Fregattvögeln auch die putzigen Blaufußtölpel aus nächster Nähe beobachten. Selten habe ich einen so komischen Balztanz gesehen! Die Insel ist auch einer der wenigen Orte der Welt, an dem Albatrosse brüten. Ein ganz besonderes Eiland also. Doch nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt auf der Insel ist beeindruckend. Nach unserer Wanderung ziehen wir uns um und tauchen mit Schnorchel ab in das kühle Nass des Pazifiks. Grüne Meeresschildkröten schwimmen mit bunten Korallenfischen um die Wette. Ein traumhaftes Erlebnis 🙂

Ich komme wieder!!

So viel habe ich gesehen und noch mehr erlebt! Ecuador ist ein Land der Superlative und doch klein und kompakt genug, um es entspannt zu durchreisen. Ich möchte keinen einzigen Tag dieser spannenden Rundreise missen. Was mir am besten gefallen hat? Ganz klar der Gedanke, dass ich eines Tages nochmal wiederkommen werde.  Allein um mich dann der Herausforderung Cotopaxi erneut zu stellen 😉

meine Reisegruppe 🙂

Wer von euch war schon mal in Ecuador und was habt ihr für besondere Momente erlebt? Hat sich der Cotopaxi gezeigt?

Wer jetzt Lust auf Südamerika und speziell Ecuador bekommen hat, findet eine Übersicht unserer Reisen unter https://www.wikinger-reisen.de/ecuador.php

Saludos,
Nicole

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