Wandern in Jotunheimen

Morgens um 04:00 Uhr trudle ich noch etwas schlaftrunken am Düsseldorfer Flughafen ein. Als ich die Bordkarte mit dem Ziel Oslo in den Händen halte, macht die Müdigkeit langsam der aufkommenden Vorfreude Platz. Heute starte ich in meine erste Wikinger-Reise „Wandern in Jotunheimen“. Ich freue mich auf eine erlebnisreiche Reise und eine Woche Natur pur.

Im Flieger schließe ich bereits die ersten freundlichen Bekanntschaften mit zukünftigen Wanderkammeraden. Am Flughafen in Oslo angekommen, empfängt uns dann unsere Reiseleiterin Theresia voller erfrischender Energie und Tatendrang, die uns alle sofort ansteckt. Bei unserer etwa 4-stündigen Busfahrt vom Flughafen in Oslo zu unserer Unterkunft Hotel Hindsæter, bleibt uns bei einem kleinen Zwischenstopp in der Stadt Lillehammer Zeit, bei einem spontanen Ausflug die Skischanze der Olympischen Winterspiele von 1994 hinauf, die Beine zu vertreten und schon einmal einen kräftigen Atemzug der frischen Norwegischen Bergluft zu kosten.

Nachdem wir im Hotel, nach einem herzlichen Willkommensgruß unserer Gastgeberin Karola unsere Zimmer bezogen haben, nimmt Theresia uns mit auf einen kleinen Spaziergang zum nahegelegenen Wasserfall, wo wir staunend einen kleinen Vorgeschmack auf die atemberaubende Natur Fjellnorwegens bekommen.

Der nächste Tag startet mit dunklen Wolken am Himmel, die wir während des Frühstücksbuffets in dem gemütlich eingerichteten Speiseraum von Hindsæter, skeptisch durch die Fenster beobachten. Theresia tröstet uns mit aufmunternden Worten die heutige Wanderung betreffend. Gespannt auf einen tieferen Einblick in die tolle Landschaft Jotunheimens brechen wir auf. Wir folgen dem Stuttgongstiegen hinauf auf den gleichnamigen Berg Stuttgongkampen. Oben angelangt, zur Mittagsrast bereit, klärt sich der Himmel plötzlich auf und ein wunderbarer Panoramaausblick über eine tolle Tallandschaft bis zur Bergwelt Rondanes eröffnet sich. Begeistert schauen wir uns um. Das war es was wir uns von Norwegen erhofft hatten – atemberaubende Ausblicke und einzigartige Landschaftsbilder.

Beim gemeinsamen Abendessen, die kulinarisch herausragende Küche unseres Gastgebers André und seiner Köche genießend, freuen wir uns alle bereits auf den morgigen Tag.

Das Wetter des nächsten Morgens lässt uns zähneknirschend die Regenklamotten abermals überwerfen. Naja – Natur pur eben! Mit wetterfester Kleidung und wärmenden Getränken bewaffnet brechen wir zum Hindsæterkampen auf. Ein mit Flechten gesäumter Pfad führt uns über die seichte Hochlandschaft Jontunheimens. Während ich dem Weg folgend meinen Gedanken nachhänge, höre ich plötzlich jemanden hinter mir leise meinen Namen rufen und schaue in die begeistert aufgerissenen Augen einer Mitreisenden – ich folge ihrem ausgestreckten Arm. Eine Herde Rentiere beobachtet unsere Wandergruppe aus einigen Metern Entfernung. Ein tolles Erlebnis, das uns das schlechte Wetter schnell vergessen lässt.

Am 4. Tag erwartet uns strahlender Sonnenschein. Voller Vorfreude starten wir vom Hotel aus zur Hochebene Hindflya. An der Schlucht der Hinde vorbei wandernd kreuzen wieder Rentiere unseren Weg. Die ganze Herde kommt ganz nah an uns heran – ein Gänsehautmoment par excellence. Unser Weg wird etwas abenteuerlicher bei der Überquerung verschiedener Moränenrücken, leichten Flüsschen und dem Abstieg von der Hochebene auf schmalen Pfaden an der Veo vorbei zurück zu unserem Hotel. Abends sitzen wir gemütlich beim Kartenspiel zusammen und lassen den Tag entspannt Revue passieren.

Unser nächster Tag startet früh um 8:30 Uhr mit einem kurzen Transfer von etwa 1 Stunde bis zum Bootsanleger von Gjendesheim. Beim fakultativen Ausflug zum Besseggen sind fast alle Gruppenteilnehmer dabei, wenn auch einige vorher entscheiden die gemütlichere Wanderung am smaragdgrünen Gjendesee entlang zu machen. Bei strahlendem Sonnenschein und von einer steifen Brise begleitet, fahren wir mit dem Boot bis zum Ausgangspunkt der beiden Wanderungen: Memurubu. Ich wähle bei diesem fakultativen Ausflug mein eigenes Wandertempo und genieße – mal alleine, mal in der Gruppe – die wunderbaren Ausblicke, die sich mir in den 6 Stunden auf der Bessegengratwanderung ergeben. Für mich persönlich war dies der schönste Tag der gesamten Reise! Viele weitere Wanderbegeisterte Norwegenbesucher begleiten uns über steile Anstiege und über geröllige Pfade, an dem tiefblauen Bessvatn vorbei über den Besseggengrad und zum Schluss sanft wieder zurück ins Tal, wo sich unsere Gruppe bereit zur Rückfahrt in Gjendesheim wieder sammelt.

Am nächsten Tag brechen wir mit etwas Muskelkater in den Beinen auf um den Berg Russli Rundhø zu erklimmen. Auf unserem Weg nach oben wechselt das Wetter von Sonnenschein, über Graupelschauer wieder zurück zu Sonnenschein und anschließenden Regenschauern, weshalb wir uns kurz vor der Gipfelbesteigung dazu entschließen uns mit einem kurzen Besuch am Schneefeld zu begnügen und wieder auf den Heimweg zu machen. Stattdessen verbringen wir den Nachmittag in der hauseigenen Sauna, dem Whirpool oder über einem warmen Stück Apfelkuchen.

An unserem siebten Tag lässt sich die Sonne wieder blicken und wir unternehmen, vorbei an typisch norwegischen Sommerhäusern und durch verwunschene Birkenwäldchen eine schöne letzte Wanderung durch Jotunheimen. Begleitet werden wir von den hellen Glockenklängen der vorbeispringenden Schafe.

Nun heißt es Abschied nehmen. Als kleines Highlight fährt unser Busfahrer mit uns auf dem Weg zum Flughafen an schönen Aussichtspunkten des Jotunheimen Nationalparks vorbei und zu einer der berühmten Stabkirchen. Etwas wehmütig steigen wir in einem sonnigen Oslo in den Flieger. Eine tolle Woche mit schönen Eindrücken von einem besonderen Teil Fjellnorwegens liegt hinter uns. Für mich sicherlich nicht der letzte Besuch…

Eure Marei

P.S.: Jotunheimen ist übrigens auch im Winter ein Erlebnis. Zur passenden Reise geht es hier…

 

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