„Warum denn eigentlich Grímsey?!“

Nach langen 3 Stunden einer Fährüberfahrt nach Grímsey siehst du in den Blicken der Seemänner, dass sie sich gerade genau das gleiche fragen wie du. Beim Klabautermann! Wenn man wirklich einmal darüber nachdenkt, eigentlich eine gute Frage. So ganz im Klaren war ich mir darüber nicht, als ich die steife Brise im Gesicht, den Hafen vom isländischen Dalvík aus in Richtung offenes Polarmeer verlies. Im Nachhinein könnte ich Svenni nun tatsächlich eine bessere Antwort darauf geben als damals…

Hier kommen 5 unschlagbare Gründe, warum (fast) jeder einfach mal auf die kleine 90-Seelen-Insel direkt am Polarkreis abhauen sollte:

Nunja – sie liegt eben direkt am Polarkreis

Cool ist es mit der Fähre 3 Stunden von Dalvík aus nach Grímsey zu schippern, von Bord zu hüpfen und im Laufschritt ins Herz der Insel zu marschieren, um schnell ein Foto zu schießen, wie man ein Schild im Arm hält auf dem „Nordpolarkreis“ steht und dann schnell wieder zur Fähre zu eilen, die eine halbe Stunde später wieder zurück nach Dalvík schippert – 3 Stunden.

Noch cooler ist es nach der 3 stündigen Fahrt ganz relaxt von Board zu gehen, sich am Hafen genüsslich zu strecken und zu recken, um dann zu besagtem Schild zu schlendern – während einem die „Halbstunden-Grímseyaner“ schon wieder im berühmt berüchtigten Laufschritt in Richtung Fähre entgegeneilen – nach dem Pflichtbild mit Schild im Arm erst einmal den Ausblick zu genießen und dann ganz in Ruhe das Nachtlager in der süßen Unterkunft nebenan zu beziehen, in der die Hausherrin selbst einen noch mit selbstgemachtem Skyr empfängt.

Der Ausblick

Es gibt eigentlich nur eine Sache, die man auf Grímsey bei schönem Wetter auf gar keinen Fall verpassen sollte: Den tollen Ausblick über das Nordpolarmeer bis hin zu den nördlichsten Ausläufern Islands. Sich in eine der vielen Buchten setzen und den Blick auf eine wunderschöne Berglandschaft erleben, die bei dem ersten Wetterumschwung sofort wieder im Nebel verschwindet. Also, nicht verpassen: Bei Sonnenschein raus an die Küste und den Moment genießen!

Ausblick nach Nordisland
Ausblick nach Nordisland

Lundi!

Eigentlich muss man dazu nicht mehr sagen. Schaut sie euch an: Dieser große Schnabel, die treuen Augen, die bunten Farben. Es ist kein Geheimnis, dass man Papageitaucher in Island vorwiegend an den Küsten finden kann. Wo sollte man also am besten die Möglichkeit haben auf einen der niedlichen Gefährten zu treffen, wenn nicht auf einer Insel, wo man praktisch von einer Küste zu nächsten Blicken kann. Grímsey ist eine der Lundi-Inseln Islands – keine Frage!

Die beste Reisezeit um die Papageitaucher zu beobachten ist zwischen Mai und August: Die Brutzeit, wenn die Klippen voll von Nestern mit kleinen Küken und beschäftigten Elternvögeln sind. Außerhalb der Sommersaison findet man die Lundi eher weit auf dem offenen Meer in Richtung Neufundland – etwas zu weit also. Unser Tipp für den Sommer: Mit einem Boot eine Runde um die Insel drehen und das beschäftigte Treiben vom Wasser aus beobachten oder auf Wanderschaft versuchen behutsam näher an die Klippen heranzukommen. Aber Vorsicht: Die Löcher, die als Nester der Tiere dienen, machen den Boden brüchig und wir wollen schließlich auch nicht stören – nur beobachten.

Papageitaucher
Papageitaucher (isl. Lundi)

Einfach mal „Hallo“ sagen

Jedes Dorfkind weiß es – wächst man in einem Örtchen auf, wo buchstäblich der Hund begraben liegt, ist jeder über jeden informiert und meistens auch an allem interessiert. Was kann einem also als Gast in einem anderen Land Besseres passieren, als Zeit in einem 90 Seelen Dorf zu verbringen, wo Gastfreundschaft noch gelebt wird. Spätestens nach 2 Tagen in denen man mit offenen Augen und Ohren über die Insel spaziert, unterhält man sich, grüßt man sich, kennt man sich.

Der Tourismus mag in Island spätestens seit den Sympathiespielen bei EM 2016 angekommen sein, aber trotzdem sind es Orte wie Grímsey zum Beispiel, an denen man noch das typisch isländische Lebensgefühl spüren kann und sich sofort wie unter Freunden fühlt. Die Warmherzigkeit des hohen Nordens – hier wird sie buchstäblich gelebt!

Ortsmitte von Grímsey
Ortsmitte von Grímsey

Wandern, wandern, wandern

Nicht ein spektakulärer Wasserfall, kein Geysir weit und breit, nicht einmal einen Gletscher gibt es hier – was gibt es dann?! Ich persönlich kann nur empfehlen einfach mal loszulaufen – ein sanfter Pfad führt einen in 4 Stunden um die komplette Insel. Man muss Grímsey auf sich wirken lassen um seinen Charme zu entdecken, aber spürt man ihn erst einmal, möchte man sich nur noch treiben lassen. Ein Ort an dem man gefühlt von einem Ende zum nächsten gucken kann, an dem das Rauschen der aufgewühlten Wellen, die gegen Steilklippen schmettern, sich mit dem wilden Kreischen verschiedenster Vogelarten vermischt und an dem man sich bei seiner Wanderung einfach mal fallenlassen kann. Was viele an Island lieben – fern von überflüssigen Reizeinflüssen sich einfach mal auf Natur pur einlassen und alles andere vergessen – ist auf Grímsey möglich und definitiv empfehlenswert. Dafür braucht man hier auch keinen Geysir mehr…

Um Island herum tummeln sich übrigens noch viele weitere versteckte Inselparadiese mit ganz eigenen Charakteren. Vestmannaeyjar, Flatey, Drangey… Besucht sie doch einfach auch mal und macht euch ein eigenes Bild. Auf unserer neuen Inselwandern-Reise ist das möglich…

Eure Marei

Schreibe einen Kommentar