Warum London nicht mal zu Fuß, entlang seiner Kanäle erwandern?

Mit dieser Frage im Gepäck flog ich Mitte Mai nach London, um meinen Reiseleiter Oli Herrmann und 17 Gleichgesinnte für unsere gemeinsame Wanderreise 5370 – „London zu Fuß“ zu treffen.

Oli ist, dank seiner englischen Verwandten, schon oft in England gewesen und kennt die Hauptstadt wie seine Westentasche. So kam er irgendwann auf die Reise-Idee, die Stadt auf unbekannteren Wegen und entlang von Kanälen zu erkunden. Ich fühlte mich von dieser ungewöhnlichen Reise-Idee angezogen und wurde nicht enttäuscht. Unsere erste Wanderung führte uns durch den Hyde Park zum Kensington Park und dem Kensington Palast. Von dort ging es weiter nach Notting Hill, der Portobello Road bis zum Regent‘s Canal. Ab hier verlief unsere Wanderung immer entlang des Kanal-Ufers, vorbei an unzähligen alten Kohle-Kähnen, die inzwischen zu Wohnschiffen umgebaut wurden. Dies  verlief mal spartanisch, mal sehr stylish, je nach Budget des Besitzers, aber immer mit viel Fantasie, um aus den schmalen Kähnen den meisten Wohnraum rauszuholen.

 

Kanal-Ufer in London
Kanal-Ufer in London

Die eher ungewöhnliche Wohn-Alternative der Londoner

Der teure Wohnungsmarkt treibt viele Londoner und Zugezogene zu dieser Wohn-Alternative. Die Liegeplätze sind kostenlos, die Boote müssen lediglich alle 14 Tage den Liegeplatz wechseln. So ist hier immer Bewegung unter den Booten und die Liegeplätze ändern sich stetig.

Die Kanal-Ufer sind den meisten Touristen gar nicht bekannt, insofern sind hier ungestörte Wanderungen möglich. Man trifft lediglich Einheimische, die zu ihren Booten wollen oder eine Abkürzung von einem Stadtteil zum anderen nehmen. Wir liefen immer weiter, vorbei an Litte Venice bis zum Regent‘s Park. Dort verließen wir den Kanal, um weiter bis zur Oxford Street zu gehen und dort dann schließlich mit der Tube, der Londoner U-Bahn zurück zum Hotel oberhalb des Hyde Parks zu fahren.

Das Wetter war uns wohlgesonnen und wir konnten die Tour bei 25 Grad und Sonnenschein genießen. Die gesamte Wanderung verlief über fast 20km, Wanderschuhe sind bei dieser Städtetour also durchaus eine gute Schuhwahl.

Buckingham Palast, Westminster Abbey und Co

Die nächste Wanderung hatte zunächst den Buckingham Palast auf dem Programm, natürlich ein Must-see bei einer London-Reise. Durch die royale Hochzeit von Meghan und Harry am Tag zuvor, waren die meisten Royals und auch die Königin aber nicht in der Stadt, sondern hielten sich alle noch in Windsor auf.

Vorbei am Palast führte uns der Weg weiter zum St. James-Palast und daran vorbei Richtung Westminster Abbey und Big Ben. Dieser ist zur Zeit von Gerüsten umgeben und wartet auf seine Restaurierung. Die Westminster Bridge brachte uns auf die andere Ufer-Seite. Entlang der Themse führte unser Weg dann vorbei am London Eye zur Modern Tate Gallery. Hier kann ich nur empfehlen, bis in den 6. Stock zu fahren und dort im Restaurant/Café bei einem Tee oder Kaffee den Panorama-Blick durch die bodentiefen Fenster auf die Themse und die Stadt zu genießen. Der Eintritt ist frei und die Aussicht entschädigt für die etwas höheren Getränkepreise.

Danach ging es weiter, vorbei am Shakespeare Globe Theatre, zum Borough Market und seinen Ständen mit internationalen Köstlichkeiten und Spezialitäten. Nach einer Stärkung liefen wir bis zur Tower Bridge, die uns wieder auf die andere Uferseite führte. Vorbei am Tower of London führte unser Weg dann zu einer Bushaltestelle und wir legten die Strecke bis zum Trafalgar Square mit einem für London typischen roten Doppeldeckerbus zurück. Vom Trafalgar Square aus liefen wir vorbei an der National Gallery und durch Chinatown Richtung Oxford Street. Ein Stück unseres Weges führte noch über diese belebte und beliebte Einkaufsstraße, bis wir schließlich mit einer weiteren Fahrt mit einem Doppeldeckerbus Richtung Hotel unsere müden Füße etwas entlasten konnten.

Regent’s Canal & Isle of Dogs

Die dritte und letzte Wanderung (nach dem freien Tag) begann für uns zunächst mit einer Busfahrt zum Startpunkt der Tour im Stadtteil Angel. Den Regent‘s Canal haben wir dann von einer anderen Seite kennengelernt. Der Weg führte uns vorbei am Victoria Park, an zahlreichen handbetriebenen Schleusen bis zum Limehouse Basin.

Regent‘s Canal
Regent‘s Canal

Hier vereint sich der Kanal mit der Themse und fließt dann weiter durch die Stadt. Unser Weg führte uns weiter zur Isle of Dogs. Diese ist wohl weniger den Hunden gewidmet, als eher dem früheren dortigen Hafen und den Docks, die sich dort befanden. Inzwischen wird das Gebiet als neues Bankenviertel gehandelt und unzählige Baustellen errichten neue und noch größere Bauwerke aus Glas und Metall. Ob dies beim geplanten Brexit überhaupt noch Sinn macht, sei dahin gestellt…Weiter verlief unser Weg dann bis zu einem Tunnel, welcher uns unter der Themse hindurch nach Greenwich führte. Hier ist sowohl der Null-Meridian beheimatet, als auch das alte Segelschiff Cutty Sark, welches zum dortigen National Maritime Museum gehört und besichtigt werden kann. Der Null-Meridian teilt die Welt in Ost und West und hier gilt die Greenwich Mean Time, diese ist wichtig für die Festlegung der verschiedenen Zeitzonen auf der Welt. Anschließend brachte uns die Schnellfähre von dort wieder in die Innenstadt. Ein kurzer Fußweg führte uns bis zur Westminster Abbey, wo wir dann in den Bus einstiegen, welcher uns zurück zum Hotel brachte.

Isle of Dogs
Isle of Dogs

Alles in allem war die Reise eine ungewöhnliche Variante einer Städtetour und zeigte uns Seiten der Stadt, die sicherlich nicht jeder Tourist von London zu sehen bekommt.

Die Wanderungen mit jeweils fast 20km sind mit normalen Städtebesichtigungen nicht vergleichbar und schon anstrengender. Aber die Wege lohnen sich 🙂

Simone Caballero

 

 

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