Weihnachten in Iran


Aktuell leben in Iran 77 Millionen Menschen, 99% davon sind Muslime und 1% Christen, von denen die Meisten der armenisch-apostolischen Kirche angehören.

Weihnachten in Iran wird wie bei uns im Westen zelebriert, jedoch feiern die Meisten erst am sechsten Januar. Die Muslime würdigen die Geburt von Jesus Christus und erkennen ihn als den heiligen Gesandten Gottes an.

Als ich vor 20 Jahren nach einer gefühlten „Ewigkeit“ wieder in Teheran war, habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich bunt beleuchtete Weihnachtsbäume mit der gängigen Weihnachtsdekoration und Krippen hinter Schaufenstern und an Eingängen von Einkaufszentren und Hotels gesehen habe, vorwiegend in den beliebten Einkaufsstraßen wie die Mirza Shirazi- und Villa-Allee. Im Gegensatz zu den meisten umliegenden muslimischen Ländern, die öffentliche Weihnachtsfeiern für Muslime verbieten, gibt es in Iran keinerlei Einschränkungen. Auch in anderen Städten wie Shiraz, Isfahan, Tabriz und selbst in konservativen Städten wie Mashhad sieht man vermehrt Weihnachtsverzierungen in Einkaufspassagen und Wohngegenden.

Schuafenster in Teheran
Schaufenster in Teheran

Der Weihnachtstrend kommt, besonders bei der iranischen Jugend, immer mehr an. Man hört vermehrt Merry Christmas-Wünsche. Oft werden die Feiertage dazu genutzt, um einfach mal mit Alkohol und westlicher Musik abzufeiern. Beides ist offiziell in Iran für Muslime strengstens verboten, jedoch lassen sich die wenigsten von solchen Drohungen beeindrucken.

Auf der Internationalen Schule in Teheran habe ich vermehrt auch Iraner mit christlicher Konfession kennen gelernt und mit ihnen zusammen Weihnachten gefeiert. Viele von ihnen sehen Weihnachten nicht ganz so eng und zelebrieren sogar Heiligabend mit Freunden, die nicht christlicher Konfession sind. Einer meiner Freunde sagte, dass die Behörden den Christen keinerlei Einschränkungen aufzwängen, sie besuchen Gottesdienste und sogar der Alkoholausschank sei geduldet. Er selbst habe auch in anderen muslimischen Ländern gelebt, jedoch habe er sich in Iran während der Weihnachtszeit am wohlsten gefühlt.

Die Sankt-Sarkis-Kathedrale
Die Apostolisch-Armenische Sankt-Sarkis-Kathedrale in Teheran

Der Höhepunkt für die Meisten ist der Gang in die Kirche. Für mich ist es das Essen. Nach der Messe gibt es das Gericht Sabzipolo (Fisch und Kräuterreis), das normalerweise zum iranischen Neujahrsfest serviert wird. Jedoch hat es sich mit dem christlichen Brauchtum angefreundet. Hier ein relativ einfaches Rezept, wie man so was zubereitet:

Zubereitung Sabzi-Polo

Sabzi Polo ba Mahi
Sabzi Polo ba Mahi (Persischer Kräuterreis mit Fisch)

Natürlich darf auch der Weihnachtsbaum in den Wohnzimmern nicht fehlen, jedoch schmerzt der Erwerb eines Weihnachtsbaumes erheblich. Der Staat verbietet das Abholzen von Tannenbäumen, die Kosten belaufen sich für einen Weihnachtsbaum bis zu 500 Euro (Monatsgehalt eines iranischen Lehrers), während bei uns eine Kieferntanne im Vergleich läppische 30 Euro kostet. Viele geben sich aus Kostengründen mit Kunststoffbäumen zufrieden.

Ich wünsche allen Menschen, die Weihnachten feiern, eine besinnliche Weihnachtszeit und allen anderen einen guten Appetit.

Euer Behzad Marvie

 

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