Andorra: wandern durch die wunderbare Bergwelt

Wer von euch kennt Andorra? Wusstet ihr schon, dass das s.g. „kleine Land der Pyrenäen“ ein echtes Wander-Paradies mit unberührter Berglandschaft ist? Ich habe 12 Jahre in Andorra gelebt. Von meinen Erfahrungen berichte ich euch hier.

Wie ich nach Andorra gekommen bin

Oft werde ich gefragt: „wie bist Du überhaupt nach Andorra gekommen?“ Über die Liebe?“ Nein, bei mir war es nicht die Liebe, sondern eher eine Reihe von Zufällen. Sie führten dazu, dass ich in den Zwergstaat gezogen bin. Ich habe in Barcelona studiert. Zu der Zeit fuhren meine Freunde und ich am Wochenende oft nach Andorra zum Skifahren. Von Barcelona ist das kleine Land nur etwa 3.5 Stunden entfernt. Meine Entscheidung, dort zu wohnen, hatte mehrere Gründe: Mein Sohn Marco Paul war 1 Jahr alt und ich wollte schon immer, dass er in den Bergen aufwächst. Andorra bietet seinen Einwohnern außerdem eine sagenhafte, mehrsprachige, naturbezogene Kinderbetreuung. Das kleine Land hat ein angenehmes, sonnenreiches Klima, ist sicher und überschaubar. Von den Pyrenäen war ich schon vorher begeistert. Als ich ein interessantes Arbeitsangebot als Wanderführerin in einem internationalen Bergführerteam bekam, habe ich nicht gezögert.

Alte Wege
Alte Wege

Besonderheiten des kleinen Staates

Einige der Besonderheiten von Andorra spürt man schon bei der Einreise. Das Land ist kein Teil der Europäischen Union. Deshalb ist das Einreiseverfahren sehr streng. Von mir wurde u.a. sowohl ein spanisches als auch ein deutsches Führungszeugnis verlangt. Danach folgten die obligatorischen Gesundheits-Checks mit Blutprobe und anderen Untersuchungen. Bei der Einreisebehörde bekamen mein Sohn und ich endlich unsere grünen Aufenthaltsgenehmigungen. Geschafft! Andorra, wir kommen! Hier ein paar Daten und Fakten zu dem kleinen Land: Der Zwergstaat hat eine Fläche von 468 km2, der tiefste Punkt ist „nur“ 840 Meter hoch (an der Grenze zu Spanien), der höchste Gipfel des Landes misst 2946 Meter über dem Meeresspiegel. Die Hauptstadt ‚Andorra la Vella‘ ist modern und pulsiert. Sie liegt fast auf 1000 Meter Höhe. Dort gibt es ein Geschäft neben dem anderen. Als Kontrast dazu findet man die unberührte, stille Berglandschaft, die 90 Prozent des Landes ausmacht. Darin gibt es 3 Naturparks, 65 Gletscherseen, 60 Gipfel über 2000 Meter sowie alpine Flora und Fauna. Auf stillen Hochweiden kann man die frei lebenden Kühe und Pferde friedlich grasen sehen. Meine Arbeit im Kleinstaat

frei lebendes Pferd
frei lebendes Pferd

Meine Arbeit im Kleinstaat       

Meine Arbeit in Andorra: ein echter Traumberuf. Mein Büro ist die schöne Berglandschaft. Sowohl im Sommer als auch im Winter habe ich dort internationale Gruppen begleitet. Besonders durch das Kennenlernen der Bergwelt, hat Andorra mein Herz erobert. Jeder Tag war und ist für mich ein fantastisches Naturerlebnis. Durch den unterschiedlichen geologischen Untergrund, gibt es viele verschiedene Landschaftstypen: In den unteren Höhenlagen ist die Landschaft eher mediterran geprägt, mit Mischwäldern aus Buchsbäumen, Rotkiefern, Haselnüssen, Steineichen und aromatischen Sträuchern wie Rosmarin und Lavendel. Je weiter man nach oben kommt, desto mehr ändert sich die Vegetation. Ab 1700 Meter Höhe gibt es nur noch knorrige Hakenkieferwälder, dazu alpine Flora und Fauna und viele glasklare Bergbäche. Dadurch, dass in den Tälern die Hänge auf der einen Seite von der Sonne lange beschienen werden, während sie auf der anderen Seite noch im Schatten liegen, ist die Vegetation rechts und links des Weges oft ganz unterschiedlich. Überall sieht man die urigen Bordas (das sind alte, kleine Scheunen aus Stein). Auf 2300 Meter beginnt dann die alpine Stufe: Hier liegen die glitzernden Gletscherseen umringt von schroffen Klippen und Berggipfeln. Mit etwas Glück kann man auch Gämsen und Murmeltiere sehen.

See von Tristaina
See von Tristaina
Schusternagel Enzian
Schusternagel Enzian
Gelber Enzian
Gelber Enzian

Winter in Andorra

Die Andorraner bezeichnen Ihr Land auch gerne als: „El petit país de la neu“ (das kleine Land des Schnees). Etwa ab Ende November bis Ende April ist Skisaison. Bis zum 15. Juni kann man oft noch Schnee auf den höchsten Gipfeln vorfinden. Die verschneite Berglandschaft ist ein Traum. Die schwarzen Hakenkieferwälder unter dem glitzernden Schnee, die vereisten Gletscherseen, dazu oft Sonnenschein. Ich durfte diese weiße, wunderbare Landschaft fast täglich mit meinen Gästen beim Schneeschuhwandern genießen. Die frische Luft, der Weg vorbei an knorrigen Schwarzkiefern, deren Zweige sich unter der Schneelast biegen und die Tierspuren im Schnee ließen mir das Herz aufgehen. Diese Stimmung ist einzigartig und magisch. Manchmal zogen wir auch bei Vollmond los: dann glitzerte der Schnee im Mondlicht. Zusammen mit den bizarr geformten Schneeverwehungen am Wegesrand erlebten wir in dieser Nachtstimmung eine

unvergessliche Atmosphäre. Nur zu toppen sind die Schneewanderungen bei Mondschein, wenn man anschließend in einer gemütlichen, als Restaurant umgebauten alten Borda einkehrt und dann bei Kaminfeuer und gutem Wein zu Abend isst.

Winter in Andorra
Winter in Andorra

Zurück in die Heimat

Nach einiger Zeit, in der mein Sohn und ich aus verschiedenen Gründen sowohl in Deutschland als auch auf meinem geliebten Mallorca gewohnt haben, werden wir im Juni 2019 wieder nach Andorra ziehen. Ich freue mich schon jetzt darauf, den Wikinger-Gästen „meine Heimat“ zu zeigen. Einige Pioniergruppen waren schon dort. Wir hatten viel Spaß zusammen! Abschließend noch ein Zitat von Kurt Tucholsky, der selbst auch durch die Pyrenäen und Andorra gewandert ist. Beim Abschied von seinen geliebten Bergen schrieb er: „Erlöst vom Gebirge – erlöst vom Klettern und Steigen. In meinem Herzen liegt eine kleine Flocke, eben geboren, ein Ei: Sehnsucht nach den Pyrenäen“. (Kurt Tucholsky, Ein Pyrenäenbuch)

Eure Erika

Incles Tal
Incles Tal
Abholung der Wikinger-Gäste am Flughafen
Abholung der Wikinger-Gäste am Flughafen

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